19.07.2006 · Der Gewinner der „Königsetappe“ heißt Michael Rasmussen, der Gewinner in Paris könnte Andreas Klöden heißen. Im Tour-Troß wurde der T-Mobile-Kapitän kurzerhand zum Favoriten erklärt. Denn Floyd Landis verspielte alle Chancen. Doch da ist noch der neue Träger des Gelben Trikots: Oscar Pereiro.
Es ist eine andere Tour de France als in den vergangenen Jahren. Ohne dominante Fahrer wie Lance Armstrong oder Jan Ullrich ist stets Bewegung im Gesamtklassement. Im Finale der zweiten Alpen-Etappe mit vier Anstiegen höchster Schwierigkeit erlitt Floyd Landis am Mittwoch einen totalen Einbruch. Er verlor nicht nur sein Gelbes Trikot, sondern auch alle Chancen auf seinen ersten Toursieg. Andreas Klöden, das Zeitfahren am Samstag als großen Trumpf in Hinterhand, kann dagegen jetzt sogar vom zweiten Toursieg eines deutschen Profis nach Jan Ullrich träumen. Vor der letzten Alpen-Etappe an diesem Donnerstag, die in Morzine nicht auf einem Gipfel endet, rückte Klöden auf Rang drei vor, nur 2:29 Minuten getrennt vom neuen Spitzenreiter Oscar Pereiro (Spanien) und 39 Sekunden von dessen Landsmann Carlos Sastre.
Ullrich-Ersatz Klöden war neben Pereiro und Sastre wohl der größte Profiteur der Ergeignisse der 16. Etappe von Bourg d'Oisans nach La Toussuire über 182 Kilometer. Der Wahl-Schweizer hegt jetzt große Hoffnungen auf das 57 Kilometer lange Zeitfahren von Le Creusot. Allerdings ist in dieser Disziplin auch Pereiro nicht außer Acht zu lassen. Der Spanier in Gelb verlor auf Klöden im ersten Kampf gegen die Uhr in Rennes über 52 Kilometer nur eine Minute. Für Erik Breukink aber, den Teamchef des Tagessiegers Michael Rasmussen, ist „Klöden jetzt der große Favorit auf den Toursieg“.
Landis stocksauer
Der bisher führende Floyd Landis, den am Schlußanstieg zwölf Kilometer vor dem Gipfel wie aus heiterem Himmel der „große Hammer“ traf, trudelte erschöpft ins Ziel - mit 10:05 Minuten Rückstand auf Tagessieger Rasmussen. Neben dem Tageserfolg sicherte sich der Däne im Alleingang mit 1:41 Minuten Vorsprung vor Sastre auch das Bergtrikot. Nach der Zieldurchfahrt war Landis stocksauer, sprach mit keinem Journalisten und verschwand sofort in seinem Teamwagen. Auf die Frage, ob die Tour für ihn jetzt vorbei sei, schlug Landis wortlos die Wagentür zu.
Etappensieger Michael Rasmussen hatte seinen Husarenritt schon beim Aufstieg zum Galibier rund 30 Kilometer nach den Start begonnen. Der 32 Jahre alte Profi aus dem niederländischen Rabobank-Team, das bereits zwei Etappensiege durch den dreifachen Weltmeister Oscar Freire verbuchte, war im Vorjahr zum ersten Mal bester Bergfahrer der Tour und im letzten Zeitfahren durch vier kuriose Stürze aufgefallen.
Gerolsteiner nur noch mit sieben Fahrern
Insgesamt mußten die geschundenen Profis am Mittwoch über 91 Kilometer bergauf fahren. Unterwegs war bei wieder brütender Hitze mit dem 2646 Meter hohen Galibier der höchste Punkt der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt zu bezwingen. An diesem Donnerstag folgt die letzte Alpenetappe mit weiteren fünf Anstiegen. Allerdings liegt das Ziel in Morzine auf 975 Meter Meereshöhe im Anschluß an eine neun Kilometer lange Abfahrt vom Joux-Plane.
Das Team Gerolsteiner, in dem der Tour-Debütant Markus Fothen (Kaarst) sein Weißes Trikot für den besten Nachwuchsfahrer verteidigen konnte, verlor am Mittwoch den Bonner David Kopp. Der Rheinländer gab erschöpft auf. Damit hat Gerolsteiner nach dem Ausstieg Beat Zbergs am Dienstag nur noch sieben Fahrer im Rennen.
Schwierigkeiten hatte zu Rennbeginn auch Erik Zabel, der lange am Ende des Feldes fuhr. Dann fing er sich aber wieder und erreichte das Ziel, ohne in Gefahr zu kommen, das Zeitlimit zu überschreiten. Sein Sprint-Konkurrent Daniele Bennati (Italien) gab nach einem Sturz auf.