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Tod Manfred Amerells Trauriges Ende einer bizarren Affäre

 ·  Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Manfred Amerell ist nach ersten Erkenntnissen nicht durch Fremdverschulden oder Suizid gestorben. Die Todesursache ist weiter ungeklärt.

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© dapd Vergrößern Manfred Amerell 1947 - 2012

Am Ende war es still geworden um Manfred Amerell. Sichtlich ermattet vom jahrelangen Rechtsstreit mit dem Deutschen Fußball-Bund und Referee Michael Kempter hatte sich der ehemalige Sprecher der deutschen Schiedsrichter weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sein plötzlicher Tod mit 65 Jahren lässt Fragen offen. Nach ersten Untersuchungen deutet nichts auf einen Suizid oder Fremdverschulden hin, ein Abschiedsbrief wurde nicht gefunden. Der „fortgeschrittene Verwesungszustand“ habe die Obduktion erheblich erschwert, teilte die Münchner Polizei am Mittwoch mit. Die Auswertung des Zahnschemas und ein toxikologisches Gutachten sollen für Klarheit sorgen.

Amerell war am Dienstagnachmittag in seiner Wohnung im Münchner Stadtteil Neuhausen tot aufgefunden worden. Der Leichnam sei in einem „sehr schlechten Zustand“ gewesen, sagte Kriminaldirektor Frank Hellwig. Die Polizei vermutet, dass Amerell schon eine Woche tot sei. Die Feuerwehr hatte sich nach dem Hinweis eines Bekannten Amerells über eine Drehleiter Zugang zur Wohnung verschafft. Der ehemalige Unparteiische hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Töchter.

Mit Amerells Tod endet eine der unangenehmsten Affären, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in den vergangenen Jahren ertragen musste. Amerell galt als eine Reizfigur, die auch den ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger in Bedrängnis brachte. Monatelang hatten sich Amerell und der frühere Fifa-Schiedsrichter Kempter eine juristische Schlammschlacht geliefert, die am 7. Dezember 2011 mit einem Vergleich vor dem Oberlandesgericht Stuttgart endete. Kempter hatte Amerell sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Später zog er die Behauptung zurück, dass er dem 36 Jahre älteren Kollegen deutlich signalisiert hätte, keinen sexuellen Kontakt zu wollen. Amerell hatte den Vorwurf bestritten.

Seit April war es ruhig um ihn geworden

Seit Beginn des Falls fühlte sich Amerell vom DFB diffamiert. Zwanziger nannte er „die größte menschliche Enttäuschung meines Lebens“. Der ehemalige DFB-Präsident, der sich früh auf Kempters Seite gestellt hatte, sei rücksichtslos vorgegangen und habe seine Fürsorgepflicht verletzt. „Meine Lebensqualität geht gegen null. Kein Mensch kann erahnen, was du im seelischen und familiären Bereich aushalten musst“, sagte Amerell. In zahlreichen Klagen hatte er immer wieder vergeblich versucht, seinen Ruf zu retten, wirkte dabei aber zeitweise wie ein Besessener auf Rachefeldzug.

Der Fall Amerell/Kempter war 2009 der Auslöser des großen Schiedsrichter-Skandals. Viele weitere Affären wie die Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gegen Top-Schiedsrichter - ausgelöst durch Amerell - hingen damit zusammen. Seit April war es ruhig um Amerell geworden. Sein Wort „seit dem 1. Februar 2010 lebe ich nicht mehr, ich existiere nur noch“, hatte schon wie ein Notruf geklungen. Der gelernte Hotelier schottete sich ab, beim Fußball sah man ihn selten. Im August besuchte er ein Heimspiel der Münchner Löwen.

Amerell bereitete zwei weitere Klagen vor. Er wollte vom DFB wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte Schadensersatz verlangen, hatte er angekündigt, gegen Kempter wollte er ein Strafantrag wegen versuchten Prozessbetrugs stellen.

Amerell hatte 1984 in der Zweiten Fußball-Bundesliga sein Debüt als Schiedsrichter gegeben. Zwei Jahre später hatte er seine Premiere in der Bundesliga. Insgesamt pfiff er dort 66 Begegnungen. Nach der Leitung des Pokalfinales 1994 zwischen Werder Bremen und Rot-Weiss Essen beendete er seine Schiedsrichter-Laufbahn und wechselte als Funktionär zum DFB. Vor seiner Schiedsrichtertätigkeit war Amerell Geschäftsführer bei 1860 München (1970 bis 1975), beim FC Augsburg (1975 bis 1979) und beim Karlsruher SC (1979 bis 1984).

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