26.06.2006 · Thomas Schaaf, Coach von Werder Bremen, freut sich über die deutschen Erfolge, mahnt aber weiter einen kritischen Blick auf die Arbeit des Bundestrainers durch die Bundesliga an.
Thomas Schaaf, Coach von Werder Bremen, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über den übertriebenen Optimismus gegenüber Jürgen Klinsmann.
Wie erleben Sie die deutsche Mannschaft derzeit?
Die Mannschaft ist hungrig. Sie hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Das wichtigste ist: Die Mannschaft dokumentiert, daß sie Jürgen Klinsmanns Weg mitgeht und weitergeht.
Wie groß ist Klinsmanns Anteil an der neuen Begeisterung um die Mannschaft?
Der Erfolg gibt ihm recht. Er hatte neue, kritische Gedanken, hat einen neuen Weg eingeschlagen. Jetzt stehen wir im Viertelfinale. Jürgen ist sehr, sehr kritisch gesehen worden, alles rund um die Nationalmannschaft wird inzwischen sehr genau betrachtet. Aber ich finde, auch zu Recht: Jemand, der da reingeht und Bundestrainer wird, muß sich dem ganzen stellen.
Sie klingen jetzt nicht besonders begeistert, ist Ihnen das denn gerade alles zuviel?
Als ich am Wochenende den Fernseher eingeschaltet habe, habe ich meinen Augen nicht getraut. Das war schon gigantisch, diese Stimmung im Land. Auch für Jürgen und seine Arbeit gilt: Alles, was früher nicht so positiv gesehen wurde, ist jetzt super. Aber wir sollten jetzt nicht alles zu herrlich ausmalen.