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Thomas Rupprath Viel Druck für den kleinen „Albatros“

02.08.2002 ·  Der Schwimmer Thomas Rupprath ist sich selbst der schwerste Gegner. Die schwachen Nerven machten ihm bis zum EM-Titel stets zu schaffen.

Von Cai Philippsen
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Seinen ersten Rekord ließ sich Thomas Rupprath in Blech prägen, schraubte ihn als Nummernschild an seinen gesponserten Opel Corsa und dachte sich, jetzt geht die große Schwimm-Karriere los.

Doch daraus wurde nichts. Der aufstrebende Athlet hatte seine Zeit auf der nichtolympischen Kurzbahn erzielt, damit konnte er außerhalb seiner Heimatstadt Neuss nirgendwo Punkte sammeln. Doch der bis zur Verbissenheit ehrgeizige Rupprath gab nicht auf, kämpfte weiter um Anerkennung und verkrampfte. Jedes Mal, wenn es auf der langen 50 m Bahn um einen wichtigen Titel ging, er mal wieder zu viel wollte, versagten die Nerven.

Psychologische Hilfe

Vor der Weltmeisterschaft in Fukuoka wurde der Schmetterlingsschwimmer in Deutschland bereits als neuer Michael Groß, als kleiner „Albatros“, gefeiert. In Japan folgte das Debakel: Achter über 50 m, Zehnter über 200 m und gar 13. über 100 m Schmetterling. Nur über seine Nebenstrecke 50 m Rücken konnte er sich über Platz zwei freuen.

„Der Kopf hat wieder versagt“, klagte Rupprath vor einem Jahr und kündigte mutig in aller Öffentlichkeit an: „Es ist jedes Mal so, dass darf nicht passieren. Ich werde das in nächster Zeit angreifen mit psychologischer Hilfe.“ Der heute 25-Jährige hat seine Ankündigung wahr gemacht, seit Fukuoka arbeitet er mit seinem Trainer Henning Lambertz nicht nur mit Erfolg am Beinschlag, Kondition und Startsprung sondern auch mit einem Profi an seinem mentalen Problem. Was in den Schwimm-Nationen USA und Australien seit Jahren üblich ist, bleibt in Deutschland noch immer die Ausnahme.

„Endlich mal ein Großereignis gewonnen“

Auch vor dem 50 m Rücken-Sprint setzte sich Rupprath wieder immens unter Druck, zeigte mit den beiden Europarekorden in Vorlauf (25,20) und Halbfinale (25,00) seine Extraklasse und behielt zum ersten Mal in einem großen Finale die Nerven. In 25,05 besiegte der Schwimm-Profi seinen ein Jahr jüngeren Kontrahenten und Teamkollegen Stev Theloke (25,12).

„Ein kleiner Druck ist schon von mir abgefallen. Ich bin jetzt Europameister und das kann mir niemand mehr nehmen. Außerdem habe ich endlich mal bei einem Großereignis gegen Theo gewonnen“, sagte Rupprath. Locker ist in der Pressekonferenz jedoch nur der Zweite 100-m-Rücken-Europameister Stev Theloke. Rupprath wirkt angespannt, wie immer.

Lieber Delphin als Rücken

Rückenschwimmen, das ist für Thomas Rupprath nur ein Nebenprodukt. „Ich lebe von meinem Start und von meiner Tauchphase, am Ende fehlt mir die Kraft und die Technik“, sagte Rupprath über den Rückensprint. Nach dem explosiven Start beschleunigt er unter Wasser mit seinem Delphinbeinschlag wie kein anderer. Die Start und Tauchphase beim Sprint das Wichtigste. „Wer nach 15 m führt, der gewinnt“, sagt DSV-Cheftrainer Ralf Beckmann.

Doch Rupprath kann sich über den Triumph auf der Nebenstrecke nur bedingt freuen. Er selbst will als Delphinschwimmer gesehen werden, in dieser Disziplin will er Erfolge feiern. Doch für einen Delphinschwimmer ist er mit seinen 1,82 m eigentlich zu klein. Sein Vorbild Michael Groß beispielsweise misst 2,01 m.

„Er zeigt langsam Respekt“

Obwohl Rupprath den Körperbau eines Modellathleten mit breiten Schultern und schmaler Hüfte hat, besitzen die meist zehn bis zwanzig Zentimeter größeren Kontrahenten unschätzbare Vorteile in Sachen Spann- und Reichweite. Beim komplizierten Rückenstart, bei dem die Schwimmer sich im Wasser an den Startblock klammern und mit den Füssen von der Wand abdrücken, ist die relativ geringe Körpergröße wiederum ein Vorteil. „Er ist der weltbeste Starter“, sagt Theloke über Rupprath.

An diesem Samstag wird Rupprath sich wieder so stark unter Druck setzen, dass seine Nerven bis zum Bersten angespannt sind. Dann nämlich steht das Finale über 100 m Schmetterling an. Und als Europarekordler (51,88) will er natürlich gewinnen und den Weltmeister und Olympiasieger Lars Frölander aus Schweden bezwingen. „Er zeigt langsam Respekt“, sagt Rupprath voller Stolz. Denn darum geht es dem kleinen „Albatros“.

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