14.11.2009 · Ganz Deutschland zieht den Hut vor Teresa Enke. Das Bild von der zierlichen Frau in Schwarz, die in einem Moment anfing zu reden, als allen anderen die Worte ausgegangen waren, wird so schnell nicht wieder verblassen in unserer Erinnerung.
Von Evi SimeoniGanz Deutschland zieht den Hut vor Teresa Enke. Das Bild von der zierlichen Frau in Schwarz, die in einem Moment anfing zu reden, als allen anderen die Worte ausgegangen waren, wird so schnell nicht wieder verblassen in unserer Erinnerung. Es war noch keine 24 Stunden her, dass sie am Bahndamm gestanden hatte, an der Stelle, wo man ihren Mann, den Nationaltorhüter Robert Enke, nach seinem Freitod fand. Nun machte sie in einer Pressekonferenz vor aller Welt öffentlich, durch welche schweren Jahre sie gemeinsam mit ihrem depressiven Mann gegangen ist. Sie sagte „wir“ und nicht „ich“, wenn sie von dem tiefen Tal sprach, das sie an seiner Seite durchwandert hat.
So, wie sich viele Menschen mit Robert Enke identifizieren können, mit seinen inneren Ängsten und seiner Seelennot, so steht seine Witwe Teresa für die vielen Begleiter psychisch kranker Menschen. Familie und Freunde sind oft ihre wichtigste Stütze. Menschen, die ihnen nahe stehen, können ihnen in glücklichen Fällen den Weg aus der Dunkelheit weisen. In anderen scheitern auch sie.
So finster kann es sein in den Herzen der vermeintlichen Helden!
Teresa Enke hat offenbar selbst den Weg in die Öffentlichkeit vorgeschlagen. Damit hat sie sich selbst befreit von dem Schweigegebot, das sie aus Rücksicht auf ihren Mann hatte einhalten müssen. Sie wollte eine Diskussion anstoßen über das Thema Depressionen, das so viele Menschen betrifft und trotzdem so selten offen angesprochen wird. Damit hat sie der Verzweiflung über die Einsamkeit und Unzugänglichkeit ihres Mannes schließlich doch noch eine sinnvolle Botschaft abgerungen: Seht her, so finster kann es sein in den Herzen der vermeintlichen Helden! Seht her, auch sie haben Angst.
Dass zahllose Menschen in diesen Tagen Kerzen anzünden, dass sie anfangen, über sich selbst und ihre Mitmenschen nachzudenken und sich öffnen für die alltäglichen Schwächen, geht auch auf den tapferen Auftritt von Teresa Enke zurück. Dafür hat sie es auf sich genommen, sich selbst dem grellen Licht auszusetzen, in dem ihr Mann seine Schatten jahrelang verbarg.
Respekt, Hochachtung und Mitgefühl...
Engelbert Kühlwetter (wallibelli)
- 14.11.2009, 01:02 Uhr