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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Tennis Wütender Haas im Glück

 ·  „Ich habe gefightet und Glück gehabt“, sagte Tennis-Tommy nach seinem Dreisatz-Sieg in Stuttgart gegen Hicham Arazi. Der Matchball war ein Netzroller.

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Tommy Haas hat seinen Fans ein Wechselbad der Gefühle beschert und sie am Ende doch noch in Verzückung versetzt.

Nach einem Tennis-Krimi von 2:11 Stunden zog der Hamburger mit einem 4:6, 6:3 und 7:6 (7:1) über den Marokkaner Hicham Arazi zum ersten Mal ins Viertelfinale des ATP-Turniers in Stuttgart ein. Dort trifft die deutsche Nummer eins auf den Engländer Tim Henman. "Das Publikum hat mich sehr unterstützt, das hat wirklich Spaß gemacht", sagte der 23jährige. Haas hält sich mit dem Sieg weiter die Chance offen, sich noch für die Masters-Endrunde der besten acht Tennisprofis im "Champions Race" in Sydney zu qualifizieren.

Schimpfen, meckern, zweifeln

Der Erfolg in der Schleyerhalle glich einem Kraftakt. Haas schimpfte und meckerte ständig, zweifelte laut klagend Entscheidungen der Linienrichter an, um dann wieder eines seiner 17 Asse zu schlagen. Als Arazi den Satzball zum 6:4 verwandelt hatte, schlug Haas mit seinem Schläger wütend in einen der mit insgesamt 1600 Chrysanthemen gefüllten Blumenkästen am Spielfeldrand und kassierte eine Verwarnung, die möglicherweise mit einer Geldstrafe geahndet wird.

"Früher habe ich zuviel in mir drin gelassen", sagte Haas. "Aber der Frust muß raus, dann fühlt man sich befreiter, auch wenn man nicht gerne 1000 oder 2000 Dollar für ein Warning zahlt", sagte Haas. "Früher gab es Leute, die gesagt haben, sie sehen gerne Leute wie Conners und McEnroe. Ich schimpfe, weil ich gewinnen will. So bin ich".

Endlich Stimmung in der Halle

Immer wieder munterte Haas das endlich einmal lebhafte Publikum in Stuttgart auf. Nach Tagen der "Einsamkeit" mit enttäuschenden Besucherzahlen saßen am vierten Turniertag rund 5500 Zuschauer in der Halle. Selbst sein amerikanischer Trainer David "Red" Amye klatschte, um Tommy Haas in schwierigen Spielphasen zu unterstützen.

Haas leistete sich unglaubliche 52 leichte Fehler: "Ich hab das schon oft gesagt, aber ich fühle mich mit Bällen und Belag nicht so wohl hier in Stuttgart. Deshalb traue ich mich nicht, jeden Schlag hundertprozentig auszuführen". Auch im dritten Durchgang gab er früh sein Service ab und machte Arazi die Tür zum Viertelfinale auf. Doch der Weltranglisten-29., der schon 3:0 führte, konnte sein Break nicht halten. Im Tie-Break hatte Kämpfer Haas die besseren Nerven und das Glück auf seiner Seite: Der Matchball war ein Netzroller.

Rückkehr nach Florida als Erfolgsrezept

Haas hat mit dem Viertelfinaleinzug seinen Aufwärtstrend fortgesetzt. Zuletzt hatte er nach den Siegen in Adelaide und Long Island auch das ATP-Turnier in Wien gewonnen. Sein Leistungsanstieg hängt eng mit der Rückkehr ins Traininszentrum seines Ziehvaters Nick Bollettieri in Florida zusammen. "Ich hatte zuletzt auf zu viele Leute gehört", begründete Haas seine Rückkehr.

Im September 2000 hatte der Deutsche dem bewährten Trainergespann den Rücken gekehrt und wollte auf eigenen Füßen die Tenniswelt erobern. Im Mai 2001 kehrte er reumütig zurück. "Jeder sagt dir jeder, was du tun sollst. Du wirst so müde davon, dass du dich entscheidest, deine Entscheidungen wieder alleine zu treffen", beschrieb Haas seine schweren Tage. "Jetzt versuche ich einfach so gut wie möglich Tennis zu spielen. Arazi hat immerhin Agassi geschlagen, so schlecht kann es also nicht sein", so Haas.

Schanghai statt Stuttgart

Er will jetzt noch die Turniere in St. Petersburg und Paris spielen, bevor er auf die Qualifikation für Sydney hofft. Im Februar steht dann das Davis-Cup-Duell in Kroatien an. "Dass wir gegen Kroatien spielen, das hat mir Ivanisevic sofort erzählt", sagte Haas. "Für die Fans dort ist das ein toller Event. Für uns ist das kein leichtes Los."

Unterdessen verdichten sich die Anzeichen für das Aus des sportlich hochkarätigen Stuttgarter Turniers. „Es gab zwar Gespräche mit Stadt und Land, aber es hilft nicht, nur zu reden, sondern es muss auch etwas getan werden. Die ganze Situation ist frustrierend“, sagte Turnier-Chef Markus Günthardt. Madrid und Schanghai werden als Nachfolge-Kandidaten genannt.

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