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Tennis : „Team Murray“ - wie ein Verstärker

  • -Aktualisiert am

Ein Prosit der Gemeinsamkeit: Trainer Lendl bringt Murray in Schwung Bild: REUTERS

Andy Murray möchte beim ATP-Finale eine großartige Saison krönen. Trainer Ivan Lendl bringt den schottischen Tennisprofi voran - aber nicht nur er allein.

          Wieder präsentierte das „Team Murray“ ein neues, prominentes Mitglied: Diesmal saß Amy Macdonald in der Reihe hinter der Bande. Die schottische Sängerin und Liedermacherin ist zugegebenermaßen nicht so berühmt wie Sir Sean Connery, der Andy Murray beim Gewinn der US Open in New York leidenschaftlich unterstützte, aber wenn sich die Dinge weiter so entwickeln, dann wird irgendwann kaum mehr Platz für alle sein.

          Angeführt wird die Truppe seit Beginn des Jahres von Ivan Lendl, neben dem nehmen gewöhnlich Fitness-Coach Jez Green, Physiotherapeut Andy Ireland und Murrays langjähriger Freund und Trainingspartner Danny Vallverdu Platz. Die beiden wichtigsten Frauen seines Lebens sind auch regelmäßig dabei. Kim Sears, mit der er - abgesehen von einer kurzen Unterbrechung - seit sieben Jahren sein Leben teilt, und Judy Murray, allgegenwärtige Mutter, auch Chefin des britischen Fed-Cup-Teams.

          Die tragende Figur fehlte

          Die Dinge haben sich geändert. Früher saß meist nur der Coach eines Spielers auf der Tribüne, allenfalls noch dessen Frau oder Freundin. Heute umgeben sich die Besten des Tennis mit einem sorgsam aufeinander abgestimmten Team von Spezialisten. Murrays Mannschaft konnte sich schon sehen lassen, bevor Lendl dazugehörte.

          Jez Green hatte aus ihm mit beinharten Tempoläufen in der Hitze Floridas und einem strengen Ernährungsplan einen durchtrainierten, muskulösen Athleten gemacht. Und über seinen Physiotherapeuten Andy Ireland sagte Murray mal, mit diesem Mann verbringe er mehr Zeit als auf dem Tennisplatz.

          Wichtige Stützen des Teams Murray: Mutter Judy (l.) und Freundin Kim Sears (r.)
          Wichtige Stützen des Teams Murray: Mutter Judy (l.) und Freundin Kim Sears (r.) : Bild: AFP

          Aber dem Team fehlte lange Zeit die tragende Figur. Eine Weile wurde er vom Amerikaner Brad Gilbert betreut, dem folgte sein schottischer Landsmann Miles Maclagan, als Sandplatzfachmann kam Alex Corretja dazu. Aber als es Kompetenzstreitigkeiten zwischen Maclagan und Corretja gab, wurde der Spanier wieder verabschiedet.

          Murray fehlte der Biss - bis Lendl kam

          Die ersten Gerüchte, dass Murray Interesse habe, mit Lendl zu arbeiten, tauchten im Frühjahr 2011 auf, als der Tscheche auf dem Weg zu Murrays Apartment in Miami gesichtet wurde. Aber erst am letzten Tag des Jahres wurde die neue Partnerschaft publik gemacht, und obwohl die Überraschung im ersten Moment groß war, brauchte man nicht lange über diese Verbindung nachzudenken, um darin einen gewissen Reiz zu erkennen.

          Konnte es für Murray, dem bis dahin in großen Spielen Biss und Courage gefehlt hatten, einen passenderen Mann geben als Lendl, der den ersten Grand-Slam-Titel erst nach vier gescheiterten Versuchen und herber Kritik gewonnen hatte? Der, nachdem der Bann aber einmal gebrochen war, acht weitere gewann und insgesamt 270 Wochen an der Spitze der Weltrangliste stand?

          Lendl sagte am Anfang, er habe knapp ein Dutzend Angebote, als Coach zu arbeiten, abgelehnt, aber als Murray sich meldete, lagen die Dinge offensichtlich anders. Diese Aufgabe reizte ihn, und das Timing war perfekt. Vier seiner fünf Töchter hatten inzwischen das Haus zum Studium verlassen, um die fünfte konnte sich seine Frau allein kümmern, und nach mehr als anderthalb Jahrzehnten Abstand vom Tennis hatte er das Gefühl, seine Batterien seien wieder aufgeladen. „Außerdem bewundere ich Andys Mut, mich zu verpflichten. Es war ihm klar, wie viel Interesse er damit hervorrufen würde, aber genau das zeigt mir, wie entschlossen er ist.“

          Stabiler als früher

          Keine Frage, er ist längst der wichtigste Mann im Team, aber er brachte auch weitere Verstärkung mit. Er schlug Murray vor, mit dem amerikanischen Psychologen Alexis Castorri zusammenzuarbeiten, dem er sich während seiner Karriere auch anvertraut hatte. Dank Castorris Hilfe habe er gelernt, besser mit sich selbst und mit Menschen umzugehen, sagt Murray. Und unter Lendls fordernder Leitung entwickelte er eine Form von Selbstbewusstsein, die ihn nun wie eine Rüstung schützt.

          Obwohl er zuletzt bei den Turnieren in Tokio, Schanghai und Paris-Bercy drei Spiele nach vergebenen Matchbällen verlor, wirkt er nun deutlich stabiler und sicherer als früher. Das sah man auch zum Auftakt des ATP-Finales, als er einen Satz gegen Tomas Berdych abgab, das Spiel dann aber, ohne zu glänzen, gewann. Diesen Mittwoch wird er sich mit Novak Djokovic messen, der Nummer eins, und der Sieger wird beste Aussichten haben, das Halbfinale zu erreichen.

          Mit einiger Sicherheit werden auch wieder vier Nachwuchsleute unter den Zuschauern sein. Wie in jedem Jahr, seit das Turnier der Besten in London stattfindet, hat Murray auch diesmal vier schottische Junioren nach London eingeladen, bezahlt Flug und Hotel. Seine Mutter leitet das Unternehmen und kümmert sich um die Betreuung der jungen Leute. „Team Murray“ sitzt also nicht nur in der ersten Reihe.

          Quelle: F.A.Z.

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