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Tennis Schüttler will mit dem alten Trainer neue Wege gehen

27.04.2005 ·  Im Ernstfall geht Rainer Schüttler stets der Spaß verloren. Seit Januar 2004 trat der deutsche Tennisprofi bei 41 Turnieren der ATP-Tour an - und schied bei 25 Veranstaltungen in der ersten Runde aus.

Von Peter Penders, München
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Es war die richtige Idee von Rainer Hordorff, damals, im Dezember 2003. Nach der erfolgreichsten Saison in der Karriere von Rainer Schüttler hatte dessen Trainer und Manager deutsche Journalisten zu einem Kamingespräch nach St. Anton eingeladen. Es galt, den Weltranglistensechsten zu positionieren, ihm zu mehr Popularität zu verhelfen. Mehr Spiele als Schüttler (71) hatten 2003 nur der Weltranglistenerste Andy Roddick (72) und Roger Federer (78) gewonnen (Tennis: Ergebnisse von den ATP-Turnieren).

Am Ende dieses berauschenden Jahres hatte Schüttler beim Masters Cup Roddick besiegt und gegen Andre Agassi nur knapp den Einzug ins Finale verpaßt. Keine Frage, er hatte den Weg in die absolute Weltspitze geschafft. "Wenn ich weiter so hart trainiere und gesund bleibe, sehe ich keinen Grund, warum ich nicht wieder gegen alle gewinnen könnte", sagte Schüttler in St. Anton.

Keine Erklärung

Daß es schwer werden würde, diesen Erfolg zu wiederholen, war allen bewußt. Daß er aber weiter so hart trainieren würde - daran gab es genausowenig Zweifel wie darüber, daß Schüttler über diesen Erfolg die Bodenhaftung nicht verlieren würde.

Was seit jenem Nachmittag im Kaminzimmer bis zu seinem Ausscheiden am Dienstag in der ersten Runde der BMW Open in München geschehen ist, kann sich niemand so recht erklären. Schüttler hat seit Januar 2004 an insgesamt 41 Turnieren der ATP-Tour teilgenommen - und bei 25 Veranstaltungen mußte er bei erster Gelegenheit seine Siebensachen zusammenpacken und weiterziehen.

Diese Serie von Erstrunden-Niederlagen wurde zum ersten Mal dort wahrgenommen, wo auch der Aufstieg begonnen hatte. Bei den Australian Open 2004 schied Schüttler ein Jahr nach seiner Finalniederlage gegen Agassi in der ersten Runde aus; trotz eines Matchballs gegen den Schweden Robin Söderling. Aber er kletterte später in der Weltrangliste sogar noch ein Plätzchen höher: Am 26. April 2004 stand er nach seinem Finaleinzug beim Masters-Turnier in Monte Carlo auf dem fünften Rang der Weltrangliste.

Endlose Formkrise

Die kleine Formkrise schien damit bewältigt. Noch nie hatte Schüttler auf Sand das Endspiel eines Masters-Turniers erreicht. "Ich muß einfach ein paar knappe Spiele wieder gewinnen, dann ist das alte Selbstvertrauen wieder da", hatte der Korbacher stets behauptet. In Wahrheit aber begann nach Monte Carlo der Abstieg. Erst langsam, versteckt durch die Halbfinalteilnahmen in Halle, Gstaad und Kitzbühel, überstrahlt von einer olympischen Silbermedaille im Doppel mit Nicolas Kiefer in Athen, aber doch unaufhaltsam: Am Jahresende fand sich Schüttler auf dem 38. Platz wieder. "Trotzdem war es doch das zweitbeste Jahr meiner Karriere", sagte er.

Damals, in St. Anton, wurde prophezeit, daß sich der Deutsche lange in der Weltspitze halten würde, weil sein Aufstieg das Ergebnis einer kontinuierlichen Entwicklung gewesen sei. Mittlerweile findet er sich auf Position 63 wieder - Tendenz fallend.

Schatten seiner selbst

"Ich bin ein Schatten meiner selbst. So macht es keinen Spaß mehr", sagte Schüttler nun in München und hat noch immer keine Erklärung gefunden. Im Training spiele er sehr gut, aber beim Ernstfall gelingt mittlerweile gar nichts mehr. "Ich mache die wichtigen Punkte nicht", sagt Schüttler und spielt damit auf die Partien an, die er knapp verloren hat. Doch davon konnte diesmal nicht die Rede sein. Schüttler wirkte genauso, wie er sich auch gefühlt hat: "Im zweiten Satz war ich hilflos."

Er hat jegliches Selbstvertrauen verloren, er liest aus diesem Grund angeblich auch keine Zeitungen mehr - und auch die eigene Homepage sollte er dann besser meiden. Dort können seine Fans abstimmen, wer für Deutschland beim Arag-World-Team-Cup spielen solle. Sie favorisieren derzeit Thomas Haas und Nicolas Kiefer.

Im Teufelskreis

"Das ist ein Teufelskreis", sagt Schüttler, glaubt aber immer noch, daß sich das Blatt wenden könnte, "wenn ich ein paar Spiele gewinne". So kommt man wohl aus kleinen Krisen, aber dies ist längst mehr. Er habe schon alles versucht im Training, Inhalte geändert; er arbeitet mit einem Mentalcoach, aber nichts scheint den Abstieg zu stoppen. Gedanken, es einmal mit einem anderen Trainer zu versuchen, weist Schüttler weit von sich. Vielleicht einmal für vier Wochen, "aber die, zu denen ich Vertrauen habe, sind derzeit nicht abkömmlich".

Schüttler will den Weg weiter mit Hordorff gehen, und diese Treue spricht ja auch für ihn. "Ich stehe ja auf dem Platz, und ich weiß, was ich an ihm habe. So bin ich groß geworden." Hordorff begleitet ihn seit seinem 16.Lebensjahr, hat ihn trainiert, anfänglich auch gesponsert, später gemanagt. Das hat Schüttler in die Weltspitze geführt und ihm gerade einen mit angeblich einer Million Euro dotierten Werbevertrag mit den Herstellern einer rauchfreien Zigarette eingebracht.

Das einzige, was Schüttler zu einem Verzicht auf den Trainer Hordorff bewegen könnte, wäre ein Verzicht von Hordorff. "Wir müssen uns zusammensetzen und einen Ausweg finden", sagt der Trainer, dem sein Spieler wirklich am Herzen liegt. Das macht die Suche vielleicht noch schwerer, aber sie müssen so langsam fündig werden. Selbst wenn das Ergebnis schmerzhaft für beide ist.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. April 2005
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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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