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Tennis-Kommentar Die Zukunft ist weiblich

 ·  Die Niederlage im Fed-Cup ist vergessen: Angelique Kerber bestätigt mit dem Turniersieg in Paris den Aufwärtstrend der deutschen Tennisdamen. Der Erfolg der Damen lenkt jedoch ab vom Niedergang.

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© REUTERS Siegerin in Paris: Angelique Kerber

Eine gute Ausgangsposition zu besitzen ist das eine, doch eine viel versprechende Situation auch nutzen zu können ist dann doch etwas ganz anderes. Dass es mit Angelique Kerber in diesem Jahr in der Weltrangliste der Tennisspielerinnen noch recht weit nach oben gehen könnte, hat sie vor allem ihrer miserablen ersten Saisonhälfte des vergangenen Jahres zu verdanken.

Damals reihte sie Erstrundenniederlage an Erstrundenniederlage, und weil alle für die Weltrangliste relevanten Ergebnisse immer nach einem Jahr gestrichen werden, hat die Kielerin nun bis August kaum Punkte zu verteidigen. Von Platz 32 zu Beginn des Jahres gestartet, kann sie also nur hinzugewinnen. Das schreibt sich wesentlich leichter, als es auf dem Platz umzusetzen ist, doch Angelique Kerber scheint die Gunst der Stunde nutzen zu können. Am Sonntag gewann sie in Paris ihr erstes WTA-Turnier, besiegte nach dem Viertelfinalerfolg über die neue Weltranglistenzweite Maria Scharapowa im Endspiel auch die Weltranglistensiebte Marion Bartoli und rückte auf den 22. Platz vor.

Ablenkung vom Niedergang

Das sind die Nachrichten, die das deutsche Tennis in schwierigen Zeiten braucht. Von der Aufbruchstimmung, die im November mit der Wahl des neuen Präsidenten Karl-Georg Altenburg hier und da ausgemacht wurde, ist nach den Auftritten der Damen im Fed Cup und der Herren im Davis Cup schließlich nicht viel übrig geblieben.

Es gibt positive Zeichen wie Vertragsabschlüsse mit renommierten Sponsoren, aber schon die verhaltene bis ablehnende Haltung der Fernsehsender bei beiden Veranstaltungen lässt erahnen, dass der Deutsche Tennis Bund (DTB) noch sehr viel Überzeugungsarbeit wird leisten müssen. Der Fed Cup war nur bei Spartensendern zu sehen, der Davis Cup, einst das größte Pfund, mit dem der DTB wuchern konnte, schaffte es sogar nur noch als „live stream“ ins Internet.

Kerbers Erfolg lenkt davon ab, dass Tennis meilenweit von den Einschaltquoten entfernt ist, die Biathlon spielend erreicht - am Wochenende schauten dort mehr als fünf Millionen zu. Den mal wieder zerstrittenen und dafür immer noch erfolglosen Herren aber wird es nicht gefallen, dass die Zukunft des deutschen Tennis ganz sicher weiblich ist.

Mit Sabine Lisicki ist eine drauf und dran, es unter die besten zehn der Welt zu schaffen, und Angelique Kerber scheint nach harter Vorbereitung stabil genug, sich von günstigen Voraussetzungen weder blenden noch lähmen zu lassen. „Jetzt geht es doch erst los“, sagte sie nach dem Sieg in Paris, und es wäre viel gewonnen, wenn es so käme.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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