Bei diesem Possenspiel bleibt nur ein Trost: Spätestens am Sonntag ist alles vorbei. Monatelang zog sich das Gerangel um den Präsidentenposten beim Deutschen Tennis Bund (DTB) hin. Dabei hatten sich sieben oder acht der 18 Landesverbände, die in der Mitgliederversammlung über mehr als 65 Prozent der Stimmen verfügen, schon im Sommer auf einen Kand idaten aus der Wirtschaft geeinigt, auf Karl Georg Altenburg, den Deutschlandchef der amerikanischen Bank JP Morgan. Damit verband sich die Hoffnung, der Neue ohne DTB-Stallgeruch könnte dem chronisch klammen Verband mehr Sponsoren beschaffen und mit einer neuen professionellen Mannschaft frischen Wind in verkrustete Strukturen bringen.
Aber plötzlich machte der bisherige Amtsinhaber Freiherr Georg von Waldenfels, der sich nach zwölf Jahren an der Verbandsspitze eigentlich verabschieden wollte, eine Kehrtwende. Der 67 Jahre alte Franke erklärte, er wolle nun doch für eine weitere Amtszeit kandidieren - gegen einen Mann, den er vor zwei Jahren selbst für eine Verbandskommission gewonnen hatte. Aber weil der ehemalige bayrische Finanzminister, wohl einsah, dass sich die Stimmung gegen ihn gedreht hatte, brachten er oder sein bayrischer Heimatverband auf einmal den Namen Michael Stich ins Spiel.
Der 43 Jahre alte Wimbledon- und Olympiasieger hat nicht nur sportliche Meriten erworben, sondern sich nach seiner Laufbahn als Weltklassespieler auch als Retter des Traditionsturniers am Hamburger Rothenbaum um den DTB verdient gemacht. Doch selbst der einst so angriffslustige Serve- und Volleyspieler gibt in diesem Ränkespiel keine gute Figur ab. Noch bis zum Donnerstag ließ er zu all den Gerüchten nur seine Münchner PR-Dame sprechen, die gebetsmühlenartig wiederholte: „Kein Kommentar“ - eine seltsame Schweigsamkeit, in die auch Altenburg verfiel.
Kein Friede unter den Landesfürsten
So sprach zuletzt nur noch der ehemalige CSU-Politiker von Waldenfels, der immer wieder sagte, wenn Stich antrete, ziehe er sich zurück; ein Verzicht für einen Kandidaten, den es offiziell nie gab und der vermutlich schlau genug ist, nicht in letzter Minute ohne Mannschaft und Programm in ein aussichtsloses Rennen zu gehen.
So wird am Sonntag in Berlin höchstwahrscheinlich Altenburg gewählt. Aber Friede wird damit in den von Landesfürsten beherrschten DTB nicht einkehren. Die Fronten sind so verhärtet, dass die mächtigsten Vertreter wohl sogar von Waldenfels die übliche Ehrenpräsidentschaft versagen werden. Ein Aufbruch in eine neue Ära, die mit Altenburg beginnen sollte, sieht anders aus.