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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Tennis-Kommentar Alles unter Dach und Fach?

 ·  In diesem Jahr machte sich bezahlt, was die Traditionalisten lange nicht wahr haben wollten: Ohne Regenschutz wäre dieses Wimbledon-Turnier vermutlich nicht am Sonntag beendet worden.

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© AFP Britische Bedingungen: Gras grün, Himmel grau

Die Traditionalisten fanden es schon ein wenig „shocking“, als der All England Lawn Tennis and Croquet Club vor ein paar Jahren verkündete, dass man gedenke, den Centre Court mit einem Dach zu versehen. Die Diskussion darüber war lange hin und her gegangen, das Fernsehen hatte stets gemurrt, weil die teuren Übertragungsrechte zeitweilig nur dafür genutzt werden konnten, während der Regenpausen die Wimbledon-Klassiker aus dem Konservenschrank zu zeigen. Dann aber wurden die Olympischen Spiele mal wieder nach London vergeben, und die Befürworter eines Daches bekamen den entscheidenden Rückenwind.

2009 war es so weit, der neue Centre Court wurde feierlich präsentiert - und bleibt seitdem ein Gesprächsthema. Umstritten bleibt die Geschichte nämlich immer, und so richtig recht machen kann es der oberste Schiedsrichter Andrew Jarrett sowieso niemandem. Schließt er das Dach vorsorglich, weil der Wetterbericht die Möglichkeit von Regen vorhersagt, es aber doch trocken bleibt, dann hagelt es Kritik. Lässt er aber das Dach offen und eine Partie muss unterbrochen werden, passt die ganze Argumentation auch gerne andersherum. Warum hat man ein Dach gebaut, wenn man es dann nicht schließt, obwohl es doch regnen könnte?

Beide Diskussionen gab es während dieses Turniers ausgiebig - und erstmalig. Im ersten Jahr mit dem neuen Centre Court hatte es nur einmal kurz geregnet, und 2010 war dann sogar eines jener besonderen Jahre geworden, die eigens im Statistikteil der Wimbledon-Turniere erwähnt werden: keine Regenunterbrechung während der 14 Turniertage. Auch im vergangenen Jahr war die meteorologische Störung nicht der Rede wert, aber 2012 zeigte sich nun, wie wichtig das Dach ist. Spätestens in der zweiten Woche störte der Regen gewaltig, ohne Schutz wäre dieses Wimbledon-Turnier vermutlich nicht am Sonntag beendet worden.

Was eine Regenpause alles verändern kann, zeigte das Damen-Finale noch einmal eindrucksvoll. Chancenlos schien Anieszka Radwanska einer heftigen Niederlage gegen Serena Williams entgegenzugehen, als ein kleiner Schauer zu Hilfe kam. Als es weiterging, fand sie sich viel besser zurecht, und weil ihre Gegnerin ein wenig den Faden verloren hatte, änderte sich plötzlich der ganze Charakter der Partie.

Flehende Blicke zum Himmel

Solche Momente haben immer zu Wimbledon gehört - der flehende Blick der Unterlegenen, ob sich nicht irgendwo ein paar dunkle Wolken auftun. Wenn die aber von vornherein da sind, helfen sie nicht - dann ist das Dach schon geschlossen. Auch das passt aber nicht jedem, denn es spielt sich offenbar ganz anders, wenn aus dem Centre Court eine Halle wird. Manchmal gibt es auch beides und in diesem Jahr des Öfteren, dann wird die Partie wegen Regens unterbrochen und aufgrund der schlechten Wetterprognose das Dach geschlossen.

Weil es aber bis zu 45 Minuten dauern kann, bis die Belüftung für das richtige Klima sorgt und der Rasen nicht feucht wird, hadert damit auch mancher Spieler. Doch in diesem Fall und gerade in diesem Jahr verhält es sich mit dem Dach so, wie der französische Chansonnier Maurice Chevalier einst das Älterwerden beschrieb: Es ist gar nicht so schlecht, wenn man die Alternative bedenkt.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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