Als Lindsay Davenport um kurz vor vier Uhr als Siegerin des 25. Porsche Grand Prix den Schlüssel in ihrem neuen Porsche umdrehte, waren auch die Sorgen von Turnierchef Dieter Fischer etwas verflogen. "Ich glaube nicht an den Growing Market im Tennis in Deutschland", hatte Fischer zuvor ein düsteres Zukunftsbild gezeichnet.
Der Sport Tennis sei in Deutschland sehr schwierig geworden. "Wir hier können noch froh sein", so Fischer, der einen leichten Rückgang der Zuschauerzahlen auf 24.000 Besucher für 2001 bekannt gab. "So viele Karten wie diesmal wurden nie zuvor zurückgeschickt", klagte Fischer. Auch das Turnier in Filderstadt habe unter der "weltpolitischen Lage" zu leiden gehabt. Allein am Finaltag am Sonntag "bewachten" 30 Polizeibeamte sowie ein Sicherheitsdienst das Gelände nahe Stuttgart.
Davenport mit Druck, Capriati mit Stolz
Im Endspiel hatte Davenport mit der Weltranglisten-Sechsten Justine Henin aus Frankreich nur im ersten Satz ihre Schwierigkeiten. Fast eine Stunde brauchte die auf Rang drei notierte Amerikanerin für ihr 7:5. Im zweiten Satz hemmte Henin eine Oberschenkelverletzung, die mehrmals während des Matches behandelt werden mußte. Davenport, die mehr Druck von der Grundlinie machte, gewann nach 1:32 Minuten Satz zwei nach vier Matchbällen mit 6:4.
Davenport bekam einen also Porsche im Wert von rund 90000 Mark, die Amerikanerin Jennifer Capriati dagegen freut sich über den Sprung an die Spitze der WTA-Rangliste. "Es ist der Traum jedes Kindes, einmal die Nummer eins zu sein. Es fühlt sich großartig an. Man verarbeitet so etwas wohl erst, wenn man älter ist und auf die Karriere zurückblickt", sagte Capriati.
Sie sei vor allem stolz, weil "nach allem was in meinem Leben passierte, zurückgekommen bin". Sie hoffe, ihr Beispiel mache anderen Menschen Mut, nicht aufzugeben und ihre Träume trotz Schwierigkeiten weiter zu verfolgen. Schon bei ihrem Grand-Slam-Sieg in Australien, stellte Capriati fest, "dass es in mir Klick gemacht hat. Ich habe gemerkt, dass ich die entscheidenden Momente gewinnen kann". Nachdem sie nach einem Kaufhausdiebstahl und wegen Drogenbesitz Bekanntschaft mit der US-Justiz hatte, sank ihr Stern in der Weltrangliste im April 1998 hinunter bis auf Position 267.
Saisonende für Hingis nach Operation
Für Martina Hingis ist das Turnier in Filderstadt weniger erfreulich zu Ende gegangen. Sie verletzte sich im Halbfinale gegen Lindsay Davenport schwer. Bereits am Finaltag um 10 Uhr am Vormittag wurde die 21 Jahre alte Schweizerin in Zürich operiert. Die Diagnose: Drei Bänder im Sprunggelenk des rechten Knöchels waren gerissen. Wie aus Zürich verlautet, wurden die Bänder "ohne künstliche Zusätze" wieder zusammengenäht.
Am Montag verläßt sie die Klinik schon wieder und wird mit Reha-Maßnahmen beginnen. Die Saison sei für die entthronte Weltranglistenerste beendet. Sie muß wohl eine Pause von mehreren Wochen einlegen. Damit findet auch das erstmals in der Münchner Olympiahalle ausgetragene Masters vom 29. Oktober bis 4. November ohne sie statt.
Jahr der Abschiede
"Wir werden uns um sie kümmern und sie auf ihrem Weg der Rehabilitation begleiten und unterstützen", versicherte Turnierdirektor Michael Uhden. Im Fall von Martina Hingis kommt die Unterstützung der Schwaben einer Art Entschuldigung gleich. Vor drei Jahren verlor Hingis schon einmal die Nummer eins Position. Als sie sich beim Lauf im nahen Wald den rechten Knöchel verletzte übernahm Lindsay Davenport die Spitze, weil Hingis angeschlagen ihr Viertelfinale gegen die Belgierin Dominique van Roost verlor.
2001 war für Filderstadt auch das Jahr der Abschiede. Neben der Französin Nathalie Tauziat will Anke Huber am Jahresende ihre Karriere beenden. "Ich habe genug nach 14 Jahren Profitennis", sagte Huber. Über die Turniere in Zürich und Luxemburg wollte sie sich direkt für das Masters in München qualifizieren.
Aus für Huber in Zürich
In der Schweiz musste sie dabei einen Rückschlag hinnehmen: Anke Huber ist beim WTA-Turnier in Zürich bereits in der ersten Runde gescheitert. Zwei Tage nach ihrer Viertelfinal-Niederlage gegen die belgische Wimbledon-Finalistin Justine Henin beim Turnier in Filderstadt unterlag die Karlsdorferin in der ersten Runde der an Nummer acht gesetzten Italienerin Silvia Farina Elia deutlich 2:6, 4:6.