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Tennis Freude für Fans und Fernsehen: Kiefer im Halbfinale

 ·  Durch einen Zwei-Satz-Erfolg gegen den Tschechen Stepanek hat der Deutsche das Halbfinale beim Rasenturnier in Halle erreicht. Das dürfte besonders die Verantwortlichen beim ZDF freuen.

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Es gibt im deutschen Tennis noch Erfolgsgeschichten - von Nicolas Kiefer, der bei den Gerry Weber Open in Halle auch im Spiel gegen Radek Stepanek seinen Aufwärtstrend bestätigte und dem Turnier in der ostwestfälischen Kleinstadt. Der 25jährige Niedersachse bot am Freitag bei seinem Lieblingsturnier gegen den gleichaltrigen Tschechen eine vorzügliche Leistung.

Stark im Aufschlag und Return, mit glänzenden Grund- und Passierschläge sowie gelegentlich Netzattacken, die er mit gefühlvollen Stopps abschloß, schaffte er, was dem derzeit besten deutschen Tennisspieler nicht gelungen war. In 84 Minuten besiegte er den Bezwinger von Rainer Schüttler mit 7:5 und 6:3.

Enorme Leistungssteigerung

Zwei Breaks zum 7:5 im ersten und 5:2 im zweiten Satz reichten, um ins Halbfinale einzuziehen. An diesem Samstag trifft er auf den Sieger der Partie zwischen dem dem Slowaken Karol Kucera und dem Franzosen Arnaud Clement. Kiefers Erfolg war eine Überraschung, denn der 25jährige Tscheche gilt als der Aufsteiger der vergangenen beiden Jahre.

Von Platz 547 vor zwei arbeitete er sich bis Rang 40 der Weltrangliste (Entry List) vor und hat damit den ehemaligen Weltranglistenvierten Kiefer, der seit seinem Höhenflug im Januar 2000 bis auf Rang 73 abstürzte, längst überholt. Noch in der vergangenen Woche hatte Stepanek in seiner Heimat in Prostejov ein mit 125.000 Dollar dotiertes Challenger Turnier gewonnen - auf Sand. In Halle setzte er diese Erfolgsserie auf Rasen fort, schlug im Achtelfinale den Weltranglistenelften Schüttler. Erst Kiefer beendete mit dank seiner enormen Leistungssteigerung diese Erfolgsserie.

Kampf um Marktanteile

Besonders die Verantwortlichen beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) dürften dem letzten von ursprünglich sieben deutschen Profis die Daumen gedrückt haben. Denn ohne Lokalmatador läßt sich Tennis im deutschen Fernsehen nicht verkaufen. Während der Schaukampf zwischen Becker und Stich am Pfingstsonntag noch 1,74 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 14,7 Prozent aufwies, erreichte nur noch Schüttlers Achtelfinale mit 810.000 Zuschauer am Donnerstag exakt die Zehn-Prozentmarke.

Als sich mit Burgsmüller am Freitag der vorletzte deutsche Profi verabschiedete, waren es nur noch 550.000 und 7,5 Prozent - mehr als bei den French Open, die mit Schnitt gerademal zwischen 300.000 und 500.000 Sportfreunde vor den Bildschirm lockte, aber zuwenig für den öffentlich-rechtlichen Sender, der zehn Prozent Marktanteil benötigt, um den Programmplatz auch hausintern zu sichern.

Erfolgsgeschichte in Halle

In diesem Jahr läuft der Fernsehvertrag mit dem einzigen deutschen Rasenturnier aus. „In Zukunft werden wir wohl nicht mehr wie in den vergangenen Jahren 15 Stunden Live-Übertragung haben“, sagt Turnierdirektor Ralph Weber. Aber ansonsten ist der Sohn des namensgebenden Textilunternehmer Gerhard „Gerry“ Weber zuversichtlich, dass die Erfolgsgeschichte des Turniers auch mit dem ZDF, der wie 15 Sponsoren dem Turnier seit Beginn im Jahre 1993 treu die Stange hält, fortgeschrieben wird.

Denn das Turnier in der 20.000 Einwohner zählenden Stadt zwischen Bielefeld und Osnabrück darf geradezu als Musterbeispiel gelten, wie sich Tennis erfolgreich als sogenanntes Event präsentiert - ein Trend, den Halle vor drei Jahren erfolgreich kreierte, und den das Masters-Turnier in Hamburg in wesentlich bescheidenerem Rahmen zu kopieren versuchte. Bei rund hundert Ständen, darunter viele Biergärten und Imbissbuden, fühlt sich auch der normale Zuschauer nicht gegenüber den priviligierten VIPs diskriminiert, zumal die Preise, wie die Bratwurst für 2,30 Euro belegt, ausgesprochen zivil sind. Mit einem bunten Unterhaltungsprogramm nach den Spielen wird den Fans auch neben Tennis viel geboten. Motto: Einen schönen Tag mit Tennis erleben.

Investitionen in Spieler

Der Zuschauerzuspruch ist deshalb im Gegensatz den Einschaltquoten ausgesprochen positiv. Weit mehr als 100.000 Fans werden sich auch in diesem Jahr wieder das Live-Erlebnis Tennis gönnen. Finanziell steht das Turnier aufgrund dieser Zahlen, aber auch dank seiner insgesamt vierzig regionalen, nationalen und internationalen Sponsoren auf einer gesunden Basis. U

Und Jahr für Jahr kommen neue Partner hinzu: In diesem Jahr sind es mit Miele und Flötotto zwei Firmen aus der Kreisstadt Gütersloh hinzu. Dank dieser Hilfe konnte Weber in diesem Jahr „sechsstelligen Betrag“ als Antrittsgeld für insgesamt zehn Spieler ausgegeben. Trotzdem weist das zeitgleich laufende Turnier im Londoner Queens Club, wo unter anderem Andre Agassi spielt, das bessere Feld auf. „Nach dem wir in den vergangenen Jahren in unser Eventcenter viel investiert haben, werden wir nächstes Jahr mehr für die Verpflichtung von Spielern ausgeben,“ kündigt Turnierdirektor Weber an.

Insgesamt 60 Millionen Euro hat der 62jährige Textilunternehmer in dem nach ihm benannten Stadion kosten lassen - eine lohnende Investition. Denn im Gerry Weber Stadion finden jedes Jahr mindestens zwölf Veranstaltungen statt, von Konzerten bis zu Boxkämpfen. Demnächst soll das Stadion um zwei, drei fehlende Meter verlängert werden, damit der deutsche Handballmeister TBV Lemgo seine Champions-League-Spiele vor 12.000 Fans, statt in der rund 45 Kilometer entfernten heimischen Halle vor 4000 Zuschauern austragen kann. Mit Tennis allein lässt sich eben kein Stadion wirtschaftlich betreiben. Der schuldengeplagte Deutsche Tennis Bund kann mit seiner nun 51 Wochen leerstehenden Anlage am Hamburger Rothenbaum davon ein Lied singen.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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