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Tennis Der beste deutsche Nachwuchs gedeiht in Bayern

28.04.2005 ·  Bei der BMW Open in München kann die TennisBase Oberhaching zwar keine Erfolge vermelden. Trotzdem hat das Tennis-Leistungszentrum scheinbar einen Weg gefunden, wie aus Talenten Topspieler werden könnten.

Von Elisabeth Schlammerl/Peter Penders
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Von ihrem Heimspiel bei den BMW Open in München hatten sich Tobias Summerer und vor allem Florian Mayer ganz sicher etwas mehr versprochen. Beide trainieren an der nahegelegenen TennisBase in Oberhaching, aber für beide war schon nach der ersten Runde Schluß.

Der 22 Jahre alten Summerer, der eine Wildcard für das Hauptfeld erhalten hatte, mußte damit gegen den erfahrenen Niederländer Sjeng Schalken zwar rechnen, aber mehr wäre dennoch möglich gewesen. Bei seiner 2:6- und 5:7-Niederlage vergab er im zweiten Durchgang zwei Satzbälle.

Da wird die Wäsche gemacht“

Enttäuschender war dagegen der Auftritt von Mayer, der im vergangenen Jahr nach seinem unaufhaltsamen Aufstieg unter die besten fünfzig Spieler der Welt als bester „Newcomer“ von der ATP ausgezeichnet worden war. Mayer verlor gegen den australischen Qualifikanten Peter Luczak 6:2, 3:6 und 2:6 und rätselte danach über seine Vorstellung. „Ich habe völlig den Faden verloren. Bei den nächsten Turnieren muß ich mich deutlich steigern.“

Wo Mayer schon ist, will Summerer demnächst hin, und in Oberhaching findet er beste Voraussetzungen dafür. Mayer, im vergangenen Jahr immerhin im Viertelfinale von Wimbledon, bewohnt eines der vierzehn Apartments in dem Leistungszentrum im Münchner Süden. Im Moment trainieren zwischen zehn und fünfzehn Spieler und Spielerinnen in Oberhaching, aber nicht alle wohnen auch hier. Summerer fährt jeden Tag rund 70 Kilometer. Er lebt noch daheim bei den Eltern in Freising, „da gibt es Essen, und die Wäsche wird gemacht“.

Langer Atem von Vorteil

Im Tennis-Internat gibt es diese Bequemlichkeiten nicht und obendrein eine Hausordnung, die Bettruhe um 22 Uhr vorsieht. Für die Jüngsten mit 15 Jahren ebenso wie für den über zwanzigjährigen Mayer oder dessen Kollegen Philipp Kohlschreiber, der sich auch schon unter den besten 100 der Weltrangsliste etabliert hat. Zwischen 300 und 350 Euro monatlich zahlen sie für das 20 Quadratmeter große Zimmer mit Bad. Und einige, wie die 19 Jahre alte Melanie Hafner, pauken gerade in einer der Kooperationsschulen für das Abitur.

1998 hat der Bayerische Tennis-Verband (BTV) die TennisBase gegründet, um junge Spieler optimal für den Weg in die Weltelite auszubilden. Die für das Projekt zuständige Marketing, Sport & Service GmbH des BTV holte mit dem Schweden Stefan Eriksson einen ehemaligen Profispieler als Trainer ins Team und fand in Adidas einen Ausrüstungspartner. Später kam der Schlägerhersteller Wilson hinzu. Eriksson hatte sich damals vorgenommen, schnell einen Top-Ten-Spieler herauszubringen, mußte aber feststellen: „Da braucht man etwas Zeit.“ Die bekam er. „Unser Vorteil gegenüber Privatteams war, daß wir einen langen Atem hatten“, sagte der 42jährige Schwede.

Guten Ruf erworben

Nicht nur die größten Talente aus Bayern wurden deshalb an der TennisBase ausgebildet, auch aus anderen Landesverbänden und Nationen kamen immer mehr Spieler zum Training. Das Betreuerteam wurde deshalb bald vergrößert. „Es ist unser Ziel zu verhindern, daß junge Spieler zur Ausbildung in die USA gehen“, sagt Geschäftsführer Hans Hauska. BTV-Präsident Eberhard Mensing hofft, „hier in zwei Jahren alle deutschen Topspieler vereinigen zu können“, was sich angesichts der Strukturen in Deutschland aber als problematisch erweisen könnte.

Ein nationales Tenniszentrum gilt hierzulande immer noch als schwierig umsetzbar, weil, abgesehen von den Eltern, spätestens die verschiedenen Landesverbände ihre besten Nachwuchsspieler nicht so einfach hergeben wollen. Oberhaching aber hat sich längst einen guten Ruf erworben. 2001 schaute Mayer dort erstmals vorbei, damals noch unbekannt in der internationalen Tennisszene. 2002 mietete er eines der Apartments über der Tennishalle an, trainierte fortan regelmäßig mit seinem Coach Ulf Fischer in Oberhaching. „Hier hatte man einige der besten Nachwuchsspieler aus ganz Deutschland zusammen“, sagt Mayer, und mit denen konnte er sich täglich im Training messen.

Individuelle Vermarktungsrechte abtreten

Nun gehört er fest zur TennisBase und Fischer zum Trainerteam des Projekts. Der frühere Coach von Hendrik Dreekmann und Alexander Radulescu betreut zusammen mit Eriksson die Profigruppe. „Im Gegensatz zu anderen Verbands-Leistungszentren funktioniert Oberhaching, weil die Trainer als ehemalige Profis wissen, worauf es international ankommt“, lobt der Frankfurter Davis-Cup-Spieler Alexander Waske, der vor dem Turnier bei Iphitos München mit Eriksson trainierte. Die Erfolge durch Mayer und Kohlschreiber, der bei den Australian Open im vergangenen Januar das Achtelfinale erreicht hatte, haben der TennisBase reichlich Aufmerksamkeit beschert.

Und die Suche nach Geldgebern für das Leistungszentrum und die Spieler, die ihre individuellen Vermarktungsrechte abtreten müssen, erleichtert. Der Finanzdienstleister MLP ist nun Titelsponsor, unterstützt das Leistungszentrum finanziell und konzeptionell. „Das Projekt trägt sich nun, aber es ist nicht so, daß wir mit dem Spitzensport etwas verdienen würden“, sagt Hauska. Dafür scheint in Oberhaching ein Weg gefunden, wie aus Talenten Topspieler werden könnten. Auch in Deutschland, das derzeit neidisch nach Argentinien oder Spanien schaut.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. April 2005, Nr. 99/Seite 33
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