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Tennis-Daviscup Die Thailänder hoffen nur auf Frieden in der Heimat

21.09.2006 ·  „Am Sonntag fliegen wir heim und hoffen, daß alles wieder okay ist“, sagt Thailands Tennisstar Srichaphan zur Situation im eigenen Land. Für den deutschen Teamchef Kühnen gibt es vor der Davis-Cup-Partie gegen Thailand nur ein Ziel: „Wir wollen in die Weltgruppe.“

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Die komplette thailändische Mannschaft lächelt, aber glaubt man dem Klischee, dann lächelt der Thailänder ja ohnehin immer. „Thailand ist ein friedliches Land“, sagt Paradorn Srichaphan, und daß der bekannteste thailändische Tennisspieler dies am Tag vor dem Davis-Cup-Relegationsspiel gegen Deutschland im Düsseldorfer Rochusclub (ab 11.30 Uhr im FAZ.NET-Liveticker) so betont, hat natürlich mit den Geschehnissen in der Heimat zu tun.

Die Bilder vom Putsch haben auch die thailändischen Spieler nur im Fernsehen gesehen - sie sind seit Sonntag schon in Düsseldorf. „Was wir auf CNN gesehen haben, sieht nicht so schlimm aus“, sagt Srichaphan. Am Sonntag fliege man heim, „und wir hoffen, daß dann alles wieder okay ist“.

„Unser Ziel haben wird erreicht“

Auch die Gegner von morgen an hat Srichaphan schon einmal beruhigt, und das vermutlich gleich doppelt. Denn zum einen macht sich die thailändische Delegation offenbar keinerlei Hoffnungen, nach einem Sieg gegen die deutsche Mannschaft im nächsten Jahr in der Weltgruppe antreten zu können. „Unser Ziel war das Relegationsspiel, und das haben wird erreicht“, sagt Srichaphan. Und zum anderen war der thailändische Spitzenspieler, der vor drei Jahren noch auf Platz neun der Weltrangliste geführt wurde und mittlerweile auf Position 47 abgerutscht ist, auch als Informant bei seinen deutschen Kollegen gefragt.

Und was Srichaphan, der als Kultur-Botschafter seines Landes mit einem Diplomatenpaß reist, da erzählte, beruhigte besonders die deutschen Doppelspieler Alexander Waske und Michael Kohlmann. Beide sind für das ATP-Turnier in der kommenden Woche in Bangkok gemeldet, und hatten nachvollziehbare Bedenken, die Reise anzutreten. „Aber Para hat mir versichert, daß es keinerlei Probleme geben wird, weil die Bevölkerung glücklich über den politischen Wechsel ist. Ich vertraue ihm, also fliege ich am Sonntagabend nach Bangkok“, sagt der Frankfurter Alexander Waske.

Kühnen muß die Spannung hochhalten

Es wäre eine schwer zu erklärende Überraschung, sollte Waske nicht nach einem Sieg gegen Thailand in die Maschine nach Thailand steigen. Weil beide Mannschaften noch nie gegeneinander im Davis-Pokal gespielt haben, war das Heimrecht ausgelost worden, was sportlich schon ein Vorteil ist und sich nun aufgrund der politischen Vorgänge in Thailand als doppeltes Glück herausstellte. Daß die deutsche Mannschaft ansonsten mitten in den Militärputsch hineingeraten wäre, bleibt so nur ein unangenehmer Gedanke, mit dem sich niemand weiter zu beschäftigen braucht. „Müssen wir auch nicht, weil dem ja nicht so ist“, sagt Patrik Kühnen.

Die Schwierigkeit für den deutschen Team-Kapitän besteht einzig und allein darin, die Spannung seiner Mannschaft hochzuhalten, die als hoher Favorit in die Begegnung geht. Selbst ein Paradorn Srichaphan in der Hochform von 2003 würde an dieser Konstellation nichts ändern, denn der thailändische Spitzenspieler meidet Sandplätze so gut es geht. Der Terminplan eines Weltklassespielers läßt das nicht zu, aber Sand ist Srichaphan an den heimischen Stränden deutlich lieber als auf dem Tennisplatz. Das hat gute Gründe: In Monte Carlo, Barcelona, München, Rom, Hamburg und bei den French Open versuchte er sich in diesem Jahr auf Sand - und verabschiedete sich bei der allerersten Gelegenheit wieder. „Ich habe gute Chancen, gegen ihn zu gewinnen“, sagt deshalb Florian Mayer, der in der Weltrangliste zwar sechs Plätze hinter Srichaphan geführt wird, aber auf Sand einige Erfolge zu verzeichnen hat.

„Wir alle wollen die Weltgruppe“

Meyer muß an diesem Freitag zunächst zusehen, wenn Thomas Haas als Spitzenspieler dieses Relegationsspiel gegen Danai Udomchoke eröffnet. „Er spielt flach und bewegt sich gut“, mehr weiß der Weltranglistendreizehnte nicht über seinen Gegner, der mit Sandplätzen noch weniger im Sinn hat als Srichaphan. Der 25 Jahre alte Udomchoke trainierte am Montag zum ersten Mal seit drei Jahren wieder auf der roten Asche. „Wir alle wollen die Weltgruppe, und auch die, die demnächst hoffentlich noch dazu kommen werden“, sagt Kühnen, der mit der Nominierung des Doppels Waske/Kohlmann für eine kleine Überraschung sorgte. Allenthalben war Philipp Kohlschreiber als vierter Mann im deutschen Team erwartet worden, statt dessen bleibt ihm nun nur die Rolle des zuschauenden Trainingpartners.

Verzichtet hat Kühnen auch trotz dessen imponierendem Auftritt bei den US Open auf Benjamin Becker, dessen Stärke nicht auf Sand liegt. Gäbe es aber noch irgendeinen Zweifel, daß es im nächsten Jahr wieder in der Weltgruppe weitergeht, wäre der mit einem Blick auf den Austragungsort hinfällig. Im Düsseldorfer Rochusclub gewann das deutsche Team im vergangenen Jahr die inoffizielle Mannschafts-Weltmeisterschaft beim World-Team-Cup. Doch jetzt müssen sich die Deutschen mal wieder hinten anstellen.

Quelle: F.A.Z. vom 22. September 2006
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