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Tennis Australian Open: Kampf der Geschlechter

 ·  Ohne Probleme haben sich Martina Hingis und Venus Williams ins Viertelfinale gespielt. Für Marcelo Rios sind die Erstrunden-Matches der Frauen "ein Witz".

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Irgendwann bricht der Kampf der Geschlechter immer mal wieder aus. In diesem Tennisjahr ist es besonders schnell gegangen. Der Chilene Marcelo Rios brachte die Diskussion in Gang, indem die meisten Matches der Damen in den ersten Runden bei den Australian Open als "Witz" abqualifizierte.

Als Beweis führte er das Match zwischen Martina Hingis aus der Schweiz und der Deutschen Barbara Rittner an, das 6:1, 6:0 geendet und gerade einmal eine Dreiviertelstunde gedauert hatte. Bei den Herren, sagte der ehemalige Weltranglisten-Erste, da ginge es doch ganz anders zu, knüppelhart von Anfang an, jeder habe was drauf und jeder könne jeden schlagen. Bei den Damen dagegen, nun ja.

Trotz Erstrunden-Tristesse gewachsene Popularität

Auch die Ergebnisse vom Sonntag schienen ihm Recht zu geben. Hingis brachte ebenso wie Venus Williams nicht annähernd eine Stunde auf dem Platz zu. Die Frage bleibt, ob viel Tennis unbedingt auch gutes Tennis sein muss. In Melbourne muss diese Frage eindeutig bejaht werden. Matches von der Qualität des Fünfsatz-Spieles zwischen Pete Sampras und Nicolas Escude und mindestens einem halben Dutzend anderer hat man bisher bei den Damen vergeblich gesucht.

Spielerinnen wie Hingis und Williams wird im Training - fast immer mit Männern - allemal mehr abverlangt als gegen die meisten Konkurrentinnen. Trotzdem haben die Damen in den vergangenen Jahren mächtig an Popularität aufgeholt. Selbst Sportbanausen wissen, dass Anna und Martina, Venus und Serena die Namen von Tennisspielerinnen sind, wobei die Nachrichten über sie nicht immer nur auf den Sportseiten zu finden sind.

Diskussion um Preisgelder

In den USA, wo am meisten Geld umgesetzt wird, haben Damenspiele höhere Fernseheinschaltquoten. Trotzdem zahlen von den vier Grand-Slam-Turnieren nur die Australian Open und die US Open gleiches Preisgeld für Damen und Herren, in Paris und Wimbledon müssen sich die Spielerinnen immer noch mit weniger begnügen. Bei den weltumspannenden Profitouren ist der Preisgeldunterschied immer noch gewaltig, bei den 63 Turnieren der Damen werden fast 20 Millionen Dollar weniger ausgeschüttet als bei der männlichen Konkurrenz.

"Wir holen aber auf, während die Männer nachlassen", sagt stolz eine Sprecherin der Damen-Organisation WTA, der allerdings von mehreren Spitzenspielerinnen vorgeworfen worden ist, dass wesentlich mehr drin wäre.

Über Jahrzehnte Kampf um gleichen Lohn

Das Thema ist so alt wie das Profitennis selbst. Oder gar noch älter. Denn erst das gewaltige Zuschauerinteresse an der exaltierten Französin Suzanne Lenglen brachte die Veranstalter von Wimbledon dazu, 1922 auf eine größere Anlage an der Church Road umzuziehen, wo noch heute der berühmteste Titel der Welt ausgespielt wird. Die Amerikanerin Billie Jean King, die 1971 als erste Sportlerin überhaupt mehr als 100 000 Dollar in einem Jahr verdiente, gilt als die Pionierin des Kampfes um gleichen Lohn. Nach ihrem Sieg in New York 1972 drohte die heute 58-Jährige für das nächste Jahr mit Boykott, seit 1973 gibt es bei den US Open für die Athletinnen im Rock genauso viel wie für die Akteure in den kurzen Hosen.

Seitdem waren es meistens die Männer, die Angriffe auf das Frauentennis losließen. Der Australier Pat Cash sprach von "Zweisatzmist", Macho Jimmy Connors schlug vor, das Damenfinale gleich am Anfang vor dem richtigen Tennis zu veranstalten.

Die erfahrene Monica Seles setzte auf Rios Kritik angesprochen zunächst kurz an, um sich flugs selbst zu stoppen und zu klären, darauf werde sie nicht einmal eine Antwort geben. Die gewitzte Martina Hingis war etwas zögerlicher, bestand aber immerhin darauf, dass die Damen, das Niveau gewaltig angehoben habe. Und die athletische Venus Williams wand sich gewaltig, bevor sie erklärte, dass alle Spielerinnen stolz darauf seien, was sie tun, ganz gleich ob bei den Australian Open oder in Indonesien.

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