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Tennis Anke Huber zerbricht den Rahmen

 ·  Ungezählte Nachrufe landeten in den Papierkörben. Anke Huber hat auf ihrer Abschiedstournee überraschend gegen Kim Clijsters gewonnen und spielt weiter.

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Wie viele Nachrufe an diesem Nachmittag im Pressezentrum im Papierkorb landeten, weiß keiner genau. Aber es waren eine ganze Menge.

Um 16.17 Uhr nach einer Spielzeit von 1:37 Stunden jedenfalls hatte die 26 Jahre alte Anke Huber die erste große Überraschung auf ihrer Abschiedstournee geschafft. 6:3, 4:6 und 6:3 triumphierte sie über die Belgierin Kim Clijsters. Die Zuschauer standen und klatschten begeistert Beifall.

Jedes Spiel wie das Letzte

Im Dezember will sich nach 14 Profitennis aufhören. Bis dahin wird jedes Spiel wie das letzte gefeiert. Auch in Filderstadt. Dort gewann sie schon 1991und 1994. Anke Huber setzte sich mit einem spitzbübischen Lächeln auf ihre Bank und schenkte einem Autogrammjäger ihren Schläger. "Der Rahmen ist leicht gebrochen", verriet sie und seufzte vor Erleichterung.

Der Schaden am Spielgerät mag durch ihre Dynamik entstanden sein, mit der sie alle überraschte, auch ihre Gegnerin, die immerhin Fünfte der WTA-Weltrangliste ist. "Ich habe mich wohl gefühlt heute", sagte sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht. "Ich konnte ja locker drauf los spielen."

Geschenke und Abschiedsreden weggepackt

Turnierdirektor Michael Uhden packte schnell die Geschenke wieder weg und Turnierchef Dieter Fischer ließ die vorbereitete Rede dezent in der Tasche seines Anzuges verschwinden. Beim nächsten Spiel wird alles wieder hervorgekramt. So ist das, wenn das Aushängeschild des deutschen Tennis in Rente geht.

"Ich habe heute überhaupt nicht daran gedacht, dass ich aufhören werde", sagte Huber. "Vielleicht war das besser so. So war ich locker und habe mit meinem schnellen Spiel meine Kim überrascht". An den Abschied habe sie nur im ersten Spiel gedacht. "Der schnelle Platz kam mir entgegen", so ihre Analyse. Und immerhin will sie unbedingt noch Punkte für das Masters der besten 16 Spielerinnen der Welt im Dezember in München sammeln.

Auf die Wildcard will sie möglichst verzichten

"Es wäre schön, dort aufzuhören", sagte sie. Die Veranstalter in München haben schon eine "Wildcard" beim Weltverband WTA beantragt, falls sie es nicht schafft. "Wir wollen Anke Huber auf jeden Fall", sagte Münchens Turnierchef Arno Hartung.

Die "15 plus eins" Regel erlaubt die Teilnahme eines Gastes neben den 15 Besten der Rangliste. Allerdings wurde noch nie eine Wildcard beantragt und auch Anke Huber fühlt sich unwohl mit dieser Lösung. "Das wäre unfair gegenüber der 16. , die sich richtig qualifiziert hätte. Ich höre zudem auf und die anderen spielen weiter und brauchen die Punkte". Nur wenn der "Veranstalter in München mich sehr bittet", denke sie darüber nach. "Ich möchte mich lieber auf sportlichem Wege qualifizieren".

Capriati könnte die Weltspitze erobern

Solche Sorgen müssen sich Martina Hingis und Jennifer Capriati nicht machen. Die Nummern eins und zwei der Welt sind sicher dabei. In Filderstadt allerdings könnte sich die Reihenfolge ihrer Plazierungen ändern. Die US-Amerikanerin Capriati hat im komplizierten System der WTA nur einen knappen Rückstand von 116 Punkten.

Über den möglichen Wechsel aber will die 25jährige nicht sprechen. Vater Stefano hat die Angelegenheit zum Betriebsgeheimnis erklärt. "Der Gedanke soll mich nicht durcheinander bringen, deshalb denke ich nicht daran", sagt sie, gesteht aber ein, "dass es ein richtiger Kick für mich wäre, es wäre einfach toll". Nummer eins der Welt war sie noch nie.

Sogar Hingis hält Capriati für die bessere

Nach einem phantastischen Jahr habe "Jennifer die Nummer eins verdient" sagt ausgerechnet Martina Hingis. "Sie ist die heißeste Spielerin auf der Tour und hat sehr gute Ergebnisse erzielt". Vorerst aber hat sich Martina Hingis entschlossen, zu kämpfen. "Man will diese Position so lange wie möglich halten", sagte die 21 Jahre alte Schweizerin. "Irgendwie hängt man doch ein bißchen daran".

Das wiederum erinnert an Anke Huber, die zwar aufhören will, aber immer noch ihren Spaß am Beruf der Tennisspielerin hat. "Ich", sagte sie, "genieße jetzt jedes Turnier".

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