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Tauchen Tauchen: Zwischen Lust und Gefahr

13.08.2001 ·  HunderttausendeTaucher tummeln sich im Sommer in deutschen Seen. Bei mangelnder Konzentration und Überschätzung drohen Risiken für Leib und Leben.

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Ob im hessischen Edersee oder in der Ostsee:Regelmäßig zieht es die rund 750.000 aktiven Taucher in Deutschland förmlich unter die Wasseroberfläche. Vielen schlägt ihr Hobby jedoch regelmäßig auf die Ohren. „Jeder kann nach einem Tauchurlaub leicht an einer Gehörgangsentzündung erkranken“, sagt Frank Böhm, Tauchmediziner und Oberarzt an der Hals-Nasen-Ohren Klinik am Klinikum Kassel. Denn der ständige Wasserkontakt wasche den schützenden Ohrschmalz aus, so dass sich Keime und Pilze ansiedeln können.

„Mitunter können häufige Entzündungen auch organische Ursachen haben“, sagt Böhm. Dies war bei Claudia S. aus Kassel der Fall. „Ich litt nach dem Tauchen immer wieder unter Mittelohrentzündungen. Drei Ärzte hatten mir daher geraten, mit dem Tauchen aufzuhören“, sagt die Sekretärin.

Platzen des Trommelfells

Als eine mögliche Ursache von Entzündungen gelten Knochenwucherungen im Ohr. „Dahinter können sich leicht Schmutz und Keime ansammeln“, sagt Böhm. In einer Operation können die HNO-Spezialisten solche Knochenwucherungen entfernen. Neuerlichen Tauchgängen steht dann nichts mehr im Wege.

Gerade Tauchanfänger finden am Klinikum Kassel Rat etwa über den richtigen Druckausgleich beim Tauchen. Die ersten zehn Meter sind vom ansteigenden Druck her am problematischsten. „Da sollte man alle ein bis zwei Meter einen Druckausgleich vornehmen“, empfiehlt Böhm. Wer darauf verzichtet, riskiert im schlimmsten Fall das Platzen des Trommelfells.

Zigarettenpapier gegen Trommelfellriss

Der zunehmende Druck kann dem Mediziner zufolge dazu führen, dass sich das Trommelfell nach innen wölbt. Beim weiteren Abtauchen könne es dann ohne Druckausgleich zum Riss kommen. In das Mittelohr eindringendes kaltes Wasser verursache zudem Schwindel und gefährliche Orientierungsschwierigkeiten. Mitunter müsse der Tauchpartner helfen, den Weg zur Oberfläche zu finden.

In der Therapie setzen die Mediziner bei einem Trommelfellriss auf Zigarettenpapier. „Das legen wir auf den Riss und nutzen es als Schiene,“ sagt Böhm. Nach einigen Wochen sei das Trommelfell meist wieder zusammen gewachsen.

Stickstoff im Gewebe wird gasförmig

Während Ohrprobleme zwar meist nur schmerzhaft, aber harmlos sind, können Tauchunfälle lebensgefährlich werden. „Oft sind Leichtsinn oder Unwissenheit der Grund“, sagt Ulrich van Laak, Flottenarzt der Bundeswehr und Präsident der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM).

Steige man beispielsweise beim Gerätetauchen zu schnell Richtung Oberfläche, könne es zum so genannten Dekompressionsunfall kommen. Während der eingeatmete Sauerstoff vom Körper verbraucht werde, reichere sich der Stickstoff im Gewebe an. Tauche man zu schnell auf, werde der Stickstoff wegen der raschen Druckabnahme, ähnlich wie bei einer Mineralwasserflasche, gasförmig.

Blut in den Brustkorb verlagert

Dabei bilden sich den Experten zufolge im Blut und Gewebe Stickstoffbläschen, die die Gefäße verstopfen. Folgen können Lähmungserscheinungen, Seh- und Hörstörungen oder sogar Lungenembolien sein. „Der Dekompressionsunfall kann vermieden werden, wenn man langsam auftaucht und der überschüssige Stickstoff abgeatmet wird“, sagt van Laak.

Auch die körperliche Fitness muss beim Tauchen stimmen. Denn gerade bei diesem Sport wird das Herz-Kreislauf-System besonders stark belastet. „So wird beim Tauchen ein bis anderthalb Liter Blut von den Beinen in den Brustkorb verlagert,“ sagt van Laak.

Stress, Übermüdung und Alkoholkonsum

Eine pauschale Altersgrenze gibt es für das Tauchen nicht. „Die Filmemacherin Leni Riefenstahl hat mit 73 Jahren noch damit angefangen“, sagt Böhm. Selbst ein vorangegangener Herzinfarkt schließe das Tauchen grundsätzlich nicht aus. Entscheidend sei, dass die körperliche Leistungsfähigkeit nicht eingeschränkt sei.

Andernfalls steige das Risiko für Herzrhythmusstörungen oder sogar für einen Herzinfarkt. Stress, Übermüdung und Alkoholkonsum führen den Medizinern zufolge ebenfalls schnell zu Tauchunfällen, manchmal auch mit tödlichem Ausgang: „Jährlich sterben etwa 50 bis 70 Deutsche beim Tauchen,“ sagt van Laak.

Quelle: @oleg, mit Material von AP
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