26.09.2001 · Der spielerische Kampf gegen das eigene Spiegelbild avancierte zu einem neuen Trend in deutschen Fitness-Studios. Tae Bo.
Von Birgit ObermeierSchnelle Techno-Beats hämmern in dem Übungsraum des Münchner Fitness-Studios „My Sport Lady“. 15 Frauen haben sich vor der Spiegelwand aufgestellt und kämpfen gegen eine imaginäre Gegner.
Leicht gebeugt stehen sie auf einem Bein, die Arme mit den geballten Fäusten angewinkelt vor der Brust. Mit dem anderen Bein kicken sie in die Luft - soweit es die Muskeln zulassen, möglichst aber waagerecht. Erst ganz langsam, dann im Rhythmus der treibenden Klänge. Einmal, zweimal, achtmal, bis Trainerin Britta Eggert zum Übungswechsel ruft.
Beine und Arme - Tae und Bo
Sie zieht das rechte Knie zur linken Schulter hoch, tritt mit dem Bein anschließend kraftvoll in die Luft, dreht die Schulter und boxt mit der linken Faust hinterher. „Und eins, zwei,...“, feuert die Vorturnerin ihre Schülerinnen an.
Tae Bo heißt dieser Fitness-Trend, der aus den USA kam und auch hierzulande in nahezu jedem Fitness-Studio auf dem Programm steht. Erfunden hat ihn der siebenfachen Karate-Weltmeister Billy Blanks. Der Begriff stammt aus dem Koreanischen und steht für Bein- und Fuß-Techniken (Tae) sowie für Arme und Arm-Techniken (Bo).
Kombination aus Kampfsport und Tanz
Das Training verbindet die Disziplin und Technik von Kampfsportarten wie Tae-Kwon-Do mit der Kraft und Schnelligkeit des Boxens. Die Bewegungen sind angereichert mit tänzerischen Elementen aus der Aerobic.
In den USA avancierte Tae Bo in den vergangenen Jahren zum absoluten Trendsport. Billy Blanks Marketing-Maschinerie katapultierte Tae Bo-Videos des Meisters 1999 auf Platz zwei der Videoverkaufs-Charts und an die Spitze der Fitness-Videos.
Kraftvolles Herz-Kreislauf-Training
Bei einer Live-Promotion auf dem Shopping-Kanal QVC verkaufte Blanks 98.000 Videos an einem einzigen Tag. Auch Hollywood-Stars wie Goldie Hawn, Brooke Shields und Pamela Anderson entdeckten Tae Bo für sich.
Der Andrang für das kraftvolle Herz-Kreislauf-Training ist auch in Deutschland riesig. Insbesondere Frauen schwören auf Tae Bo, denn die Schrittkombinationen - wenngleich recht einfach - erfordern doch gewisse koordinative Fähigkeiten.
Kondition ist Grundvoraussetzung
Daneben braucht es für die schnellen Bein- und Armbewegungen vor allem aber eins: eine gute Kondition. Mit einem Verbrauch von etwa 600 Kalorien pro Trainingsstunde frisst Tae Bo enorm viele Kalorieren. „Be strong - lose weight - have fun and be fit“, lautet das Motto, das sich Erfinder Blanks dafür einfallen ließ.
Der Geschäftsmann ließ sich den Begriff „Tae Bo“ rechtlich schützen. Wer ihn nutzen will, muss bei ihm eine Trainerlizenz erwerben - zum „Original Billy Blanks Kickbox Aerobic Workout - Creator of Tae Bo“. Die lässt sich der Meister mit dem stolzen Preis von 2500 Dollar vergüten.
Viele Namen für die gleiche Sportart
Trainerin Britta Eggert verzichtete auf die Lizenz, als sie im Sommer 1999 in Blanks kalifornischem Trainingszentrum Tae Bo-Stunden nahm. Ihr Training in München bietet sie unter dem Namen „Tae Boxercice“ an. In den meisten Studios finden sich verschiedenste Varianten wie Taek Bo, Euro Tae Bo oder Thai Bo.
Das Problem dabei freilich ist, dass manchem Trainer die entsprechende Ausbildung fehlt. Die schnellen Box-Bewegungen bergen aber Verletzungsrisiken, wenn die Übungen nicht fachkundig angeleitet und sauber ausgeführt werden. Auch sollten sich die Teilnehmer nicht selbst überschätzen. Damit sie dem Kampf gegen ihr Spiegelbild gewachsen sind.