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Stadionskandal Hoeneß will klagen - Ude im Krankenhaus

17.03.2004 ·  Uli Hoeneß hat im Stadionskandal eine Klage gegen die Baufirma Alpine angekündigt. Die Auswirkungen des Skandals bezeichnete der Bayern-Manager als „absolute Katastrophe“.

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Eine neue Klage, viele offene Fragen und ein erboster Uli Hoeneß: Die Schmiergeld-Affäre um das Münchner WM-Stadion spaltet die Bundesligaklubs FC Bayern und TSV 1860. Während die „Löwen“ mit sich und dem von ihrem Ex-Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser hinterlassenen Scherbenhaufen beschäftigt sind, geht die Führungsspitze des großen Nachbarn in die Offensive.

„Wir werden Alpine verklagen“, kündigte Uli Hoeneß juristische Schritte gegen die in die Bestechungsvorwürfe verwickelte Baufirma an. Die Auswirkungen des Skandals bezeichnete der Bayern-Manager als „absolute Katastrophe“.

Ude nach Koliken in Klinik

Unterdessen hat der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude nach der kräftezehrenden Krise um den Schmiergeldskandal einen Zusammenbruch erlitten und liegt nach einer Antibiotika-Überdosis im Krankenhaus.

Als der SPD-Politiker am Montagabend nach der Aufsichtsratssitzung beim TSV 1860 nach Hause kam, habe sein Organismus gestreikt, sagte der 56jährige der Münchner „tz“. „Um 22 Uhr hat's mich angefallen“, sagte Ude. Nach mehreren Koliken habe ihn seine Frau in die Klinik gebracht.

Dort diagnostizierten die Ärzte, daß der Politiker in den vergangenen Wochen zu viele Antibiotika eingenommen habe. Nachdem dadurch die Darmflora außer Kraft gesetzt worden sei, habe sich das Stadtoberhaupt mit einem noch unbekannten Keim infiziert. Derzeit suchen die Ärzte nach einem Gegenmittel: „Witzigerweise wird das wieder ein Antibiotikum sein“, merkte der Rathauschef an. Ude hofft nach „zwei bis drei“ Tagen Klinikaufenthalt seine Amtsgeschäfte am Montag wieder aufnehmen zu können.

Stadion hätte „20 Millionen Euro billiger“ sein können

Auch von den Sechzigern erwartet Uli Hoeneß rechtliche Schritte gegen Ex-Führung und Baufirma: „Das ist kriminell. Es wurde der eigene Verein geschädigt.“ Auf Seiten des TSV ist dazu aber noch keine Entscheidung gefallen. Dabei geht es für Hoeneß nicht mehr nur um die Bestechungssumme von angeblich 2,8 Millionen Euro. Eine Prüfung soll ergeben, ob der Baupreis der Arena von 280 Millionen nicht „20 bis 30 Millionen Euro billiger“ hätte sein können. Schon zuvor hatte der deutsche Rekordmeister seine Anwälte mit der Prüfung einer Zivilklage gegen den Hauptbeschuldigten Karl-Heinz Wildmoser junior beauftragt.

Bei der bevorstehenden Neuordnung der Allianz Arena München Stadion GmbH hat der FC Bayern längst das Ruder übernommen. Die Diskussion um die Besetzung der vakanten Geschäftsführer-Posten verdeutlicht das Ende der lange als harmonisch geltenden Kooperation der Lokalrivalen als Partner beim Stadionbau. Neben dem designierten Geschäftsführer Bernd Rauch als Bayern-Vertreter für den aus gesundheitlichen Gründen ausgeschiedenen Fritz Scherer soll kein Platz mehr für einen „Löwen“-Mann sein.

1860 und Bayern auf Konfrontationskurs

„Es muß doch dieses Proporzdenken aufhören, daß es unbedingt einer von da und einer von da sein muß - es müssen die besten dort rein. Und wir glauben, daß wir die Besten dafür haben“, sagte Hoeneß in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“. Der Bayern-Manager plädierte für eine „neutrale Person“. Die Sechziger hingegen gehen nach der Abberufung von Wildmoser junior davon aus, selbst einen Nachfolger für die Spitze der Stadion GmbH vorschlagen zu können. „Alles andere wäre mir neu“, sagte der neue Präsident Karl Auer.

„Katastrophal für das Image des Fußball“

Eine für Mittwoch anberaumte Gesellschafterversammlung wurde vom TSV kurzfristig abgesagt. Man habe im Moment zu viele „Baustellen“ hieß es. Neben einem Kandidaten für das Stadion-Amt suchen die „Löwen“ auch nach einem Geschäftsführer für ihre Fußball-Abteilung. Weiterhin wird der Ex-Manager von Borussia Mönchengladbach und VfB
Stuttgart, Rolf Rüssmann, als heißer Kandidat gehandelt. Man werde über diese Thema reden, lautete die vorläufige Sprachregelung.

Mit dem abgetretenen Wildmoser senior ging Hoeneß ins Gericht. Lange habe man „seine barocke Figur und sein Auftreten“ toleriert. Nach den öffentlichen Anschuldigungen gegen Franz Beckenbauer („Steuergeschichten“) und Karl-Heinz Rummenigge sowie der Darstellung des eigenen Handelns als „Kavaliersdelikt“ habe man sich aber zum Konfrontationskurs entschieden. „Das alles ist katastrophal für das Image des Fußball“, sagte Hoeneß.

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