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Springreiten: Platz fünf beim Sieg der Vereinigten Staaten "Wir haben total versagt"

18.08.2008 ·  Bei der internen Manöverkritik wird es harsche Worte geben. So ist es immer, wenn bei der deutschen SpringreiterEquipe das kollektive Ziel nicht erreicht wird. Eine Medaille hatte es schon werden sollen.

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Bei der internen Manöverkritik wird es harsche Worte geben. So ist es immer, wenn bei der deutschen SpringreiterEquipe das kollektive Ziel nicht erreicht wird. Eine Medaille hatte es schon werden sollen. Als nach dem zweiten Umlauf zusammengerechnet wurde, sprang nicht mehr als ein mit den Niederländern geteilter fünfter Rang heraus. Das Siegerpodest blieb für die Vereinigten Staaten (Gold nach Stechen mit Kanada), eben Kanada und Norwegen reserviert. Diese Teams waren auf den Punkt um einiges präziser als die übers Jahr an anderen Schauplätzen dominierenden Deutschen. Es hätten in Hongkong schon Null-Runden sein müssen, um Christian Ahlmann mit Cöster, Ludger Beerbaum mit All Inclusive, Meredith Michaels-Beerbaum mit Shutterfly und Marco Kutscher mit Cornet Obolensky noch auf einen Medaillenrang vorspringen zu lassen. Doch der uninspirierte Auftritt vom Vortag, als der erste Umlauf nach Art des Nationenpreises mit dem achten Platz endete, setzte sich im zweiten Umlauf 24 Stunden später fort.

Der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum fand klare Worte: "Man muss deutlich sagen, wir haben total versagt. Wir könnten auch noch drei Tage reiten. Dann käme auch nichts dabei raus." Er forderte eine Aufarbeitung. "Das ist die bitterste Niederlage meiner Karriere", gestand Bundestrainer Kurt Gravemeier.

Wieder war es Beerbaum-Schüler Kutscher, der nach 19 Fehlerpunkten das Streichresultat lieferte, während die Weltranglistenerste Meredith Michaels-Beerbaum und Christian Ahlmann mit jeweils einem Abwurf (4 Fehlerpunkte) eine solide Runde drehten. Ludger Beerbaum kam auf sechs Fehlerpunkte. Doch bei Olympischen Spielen werden jene honoriert, die die Gunst der Stunde nutzen. So wie die Außenseiter aus Norwegen mit vier Pferden aus Holsteiner Zucht. Bronze für die Skandinavier war eine ähnliche Überraschung wie ein paar Tage zuvor Bronze für die dänischen Dressurreiter. In den Reihen der Kanadier imponierte Ian Miller, der nun schon auf neun Olympia-Teilnahmen zurückblicken kann und sich mit seinem Holsteiner In Style auch noch einiges für das Einzelspringen am Donnerstag ausrechnen wird. Bis dahin haben die deutschen Asse Zeit, über Fehlerquellen nachzusinnen.

An der Vorbereitung kann es nicht gelegen haben, denn die war ähnlich gründlich wie die der Vielseitigkeits- und Dressurreiter. Vielleicht lag es ja an einem Übermaß an Selbstvertrauen, das man sich über die Saison erworben hatte. Bei der Zusammenstellung der Equipe hatte sich Bundestrainer Kurt Gravemeier strikt an den Vorleistungen orientiert. Die Auswahl für Hongkong, darauf beharrte auch Ludger Beerbaum, sei die momentan bestmögliche.

Am Montag hat es auch nicht geholfen, dass die 13 Hindernisse im Reitstadion von Sha Tin aus deutscher Produktion stammten. Ausgetüftelt von Frank Rothenberger und Olaf Petersen, zwei Experten aus Westfalen und Bayern. Die Anordnung dieser Klippen hatten der Venezolaner Leopoldo Palacios und der Amerikaner Steve Stephens festgelegt. Der Kurs wurde wie am Vortag als in Ansätzen unkonventionell empfunden. So hatten sich die Designer statt einer dreifachen Kombination drei zweifache Kombinationen einfallen lassen. Dem als "einladend" beschriebenen Auftakt folgte mit dem "Drachensprung" die erste größere Schwierigkeit. Hier verweigerte All Inclusive seinem Reiter die Gefolgschaft. Der Wassergraben, am Vortag noch 4,20 Meter breit, war um zehn Zentimeter zurückgebaut worden. Mit sechs Hindernissen à 1,60 Meter war der 550 Meter lange Parcours, zu absolvieren in 88 Sekunden, um eine Nuance leichter als am Vorabend, aber immer noch zu kompliziert für die Reiter aus deutschen Landen. Sie setzten in den Stunden der Entscheidung auf Fehler der Konkurrenz. Um mehr Teams überholen zu können, hätten sie nur weniger Fehler machen dürfen. Dabei hatte Wortführer Ludger Beerbaum unmittelbar nach der missratenen Vorstellung am Sonntag das Team vergattert, ja eine bessere Figur abzugeben, um einer Blamage zu entgehen. Die Attacke war angesagt, blieb jedoch aus.

Möglicherweise war den Vielstartern, gewohnt, übers Jahr Wochenende für Wochenende auf Achse zu sein, von Turnier zu Turnier zu hetzen, der Rhythmus abhandengekommen. Die Tage in Hongkong zogen sich. Der Beschäftigung mit nur einem zur Verfügung stehenden Pferd waren anders als daheim Grenzen gesetzt. Statt viel zu reiten, wurde viel geschwommen, viel für die eigene Physis getan. Und dann war da die ungebrochene Zuversicht in die eigene Effektivität. Frei nach dem Motto: Sobald es zählt, kommen wir in die Gänge. Den festen Glauben an ein Happy End hat Ludger Beerbaum dem olympischen Erlebnis in Barcelona zu verdanken: 1992 war er dort als 44. der Qualifikation weitergekommen und am Ende mit Classic Touch sogar Olympiasieger. Die deutsche Mannschaft allerdings erlebte dort einen Absturz auf Rang elf - trotz eines Ludger Beerbaum im Team. So gesehen, bedeutet Platz fünf vom Montag keine Pleite. Aber heute pflegt man nicht so weit in der Vergangenheit zu kramen. Bei der letzten olympischen Gelegenheit in Athen sprang jeweils Bronze für Marco Kutscher und das Team heraus. Über Bronze für das Quartett wäre man am Montag schon heilfroh gewesen. HANS-JOACHIM LEYENBERG

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