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Sportwetten Gefahr oder Nutzen für den Sport?

09.09.2010 ·  Das Sportwetten-Urteil des Europäischen Gerichtshofs und seine Folgen: Der Profisport frohlockt und hofft auf Millionen, der Breitensport fürchtet um seine finanzielle Grundlage. Der DOSB versucht die Wogen zu glätten.

Von Christoph Becker und Daniel Meuren
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Am Mittwoch haben die Spitzen des deutschen Sports gemeinschaftlich gejubelt, während die Breitensport-Lobby ihre Besorgnis formulierte. Einen Tag nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) und der Aufhebung des Sportwettenmonopols (siehe: Gekipptes Glücksspielmonopol: „Das Urteil ist ein Meilenstein“) in Deutschland findet nun die Politik klare Worte, welchen Weg sie gehen will. „Klar ist, dass wir das Monopol weiterhin wollen und brauchen“, sagte Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. „Wir müssen nun eine Lösung zwischen den Ländern aushandeln.“

Im deutschen Breitensport wird diese Botschaft zum Teil gerne gehört. Rolf Müller, der Vorsitzende des Landessportbunds Hessen, hatte in einer ersten Reaktion den DOSB-Präsidenten Thomas Bach zum Rücktritt aufgefordert, weil dieser das EuGH-Urteil als „Meilenstein“ für den Sport bezeichnet hatte. Müller fürchtet um die finanziellen Grundlagen des Breitensports. Sein hessischer Landessportbund erhält 19 Millionen Euro jährlich aus den Erträgen der staatlichen Lotto- und Toto-Angebote. Davon trägt allerdings das Sportwettenangebot „oddset“ nur mit 800.000 Euro bei.

Am Donnerstag versuchte der DOSB nun die Risse zwischen Führung und Mitgliedsorganisationen mit einem offenen Brief zu kitten. Der Dachverband betonte, dass eine Liberalisierung des Sportwettenmarkts keine Auswirkungen auf das staatliche Lotteriemonopol hätte, das den Löwenanteil an den Breitensportgeldern besieteuert, und stattdessen zusätzliche Einnahmen auch für den Breitensport möglich seien.

Sportwettenanbieter würden sich lizenzieren lassen

Dieses Geld soll vom Staat erwirtschaftet werden durch die Vergabe von Lizenzen an Sportwettenanbieter, die sich diesem Vorgehen offenkundig bereitwillig unterwerfen würden. „Wir würden uns gerne lizenzieren lassen und uns nach den staatlichen Bestimmungen richten, um auf dieser rechtlichen Basis unsere Marke ohne ständige Diskussionen über Legitimität positionieren zu können“, verspricht Marktführer bwin. Das beschwichtigt den Landessportbundchef Müller indes kaum. „Wenn heute das Monopol auf Sportwetten fällt, dann fällt morgen das Lotteriemonopol. Und dann geht uns richtig viel Geld für den Sport verloren.“

Neben dem Profifußball, der laut Ligapräsident Reinhard Rauball auf rund 300 Millionen Euro an zusätzlichen Werbeeinnahmen spekuliert, machen sich indes auch andere Sportarten Hoffnung auf neue Einnahmequellen - beispielsweise die Profiligen im Eishockey, Basketball und Handball sowie die im Fernsehen präsenten Wintersportarten. „Wettbewerbe wie die Vierschanzentournee oder Veranstaltungen im Biathlon-Weltcup könnten sicher neue Sponsoren erschließen“, sagt Stefan Schwarzbach vom Deutschen Skiverband (DSV).

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