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Zeichensetzung gegen rechts Klamotten wechseln – und die Gesinnung möglichst noch dazu

05.09.2007 ·  Gerade unter Fußball-Fans in Ostdeutschland ist eine rechtsorientierte Alltagskultur weit verbreitet. Gleichgesinnte erkennen sich auch an ihrer Mode. Die Textilmarke „Thor Steinar“ ist inzwischen in einer Reihe von deutschen Stadien unerwünscht.

Von Olaf Sundermeyer, Berlin
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In den Augen von Jörn Lemke, dem Kreisvorsitzenden der Lübecker NPD, sind die Stadionverbote für Zuschauer, die Kleidung der Modemarke „Thor Steinar“ tragen, ein weiterer Beleg dafür, dass Deutschland keine Demokratie sei. „Und außerdem“, sagt er, mache es doch „keinen Unterschied, ob wir in ,Thor Steinar‘ oder im Hawaii-Hemd ins Stadion gehen. Schließlich zählt die innere Einstellung.“

Lemke ist daneben „heimattreuer“ Anhänger des ambitionierten Regionalligaklubs VfB Lübeck; im vergangenen Jahr hat er gemeinsam mit zwei Dutzend anderen „national gesinnten Fußballfans“ den NPD-Fanclub „Lübsche Jugend“ gegründet, von dem sich die Vereinsführung allerdings deutlich distanziert.

Erkennungszeichen in der Szene

Auf aktive Maßnahmen gegen die rechtsextremen Fans hat VfB-Geschäftsführer Jürgen Springer bislang verzichtet. Das könnte sich aber bald ändern. Denn Springer hat von den Profiklubs Werder Bremen, Hertha BSC Berlin, dem FC St. Pauli und nun auch von Borussia Dortmund gehört, die allesamt das Tragen von „Thor Steinar“ in ihren Stadien untersagen; einer Marke, die unter rechtslastigen Jugendlichen sehr beliebt ist und als Erkennungszeichen in der Szene dient. In der offiziellen Erklärung des BVB heißt es dazu, dass man „ein klares Zeichen gegen rechts setzen“ wolle. Die Mitteilung wurde schon vor dem Bundesligaheimspiel gegen Energie Cottbus veröffentlicht.

Unter den Anhängern mancher Ostklubs, so ein immer wiederkehrender Vorwurf, sei eine rechtsorientierte Alltagskultur verbreitet. So gab es bei einem Heimspiel im neuen Stadion des FC Magdeburg bei einer kleinen Umfrage unter Anhängern, die „Thor Steinar“ trugen, auch die folgende Antwort: „Das ist eine Nazi-Marke, das weiß doch jeder“, und: „Ja, wir sind Nazis.“ Auch in den Stadien von Chemnitz, Leipzig und bei Dynamo in Dresden ist „Thor Steinar“ so gängig wie anderswo etwa „Benetton“ oder „Lacoste“. Auch bei Borussia Dortmund gab es bislang vereinzelt Anhänger, die „Thor Steinar“ bei den Heimspielen trugen.

Unterlassungsklage gegen Werder Bremen

Beim anderen schwarz-gelben Klub, dem sächsischen Traditionsverein Dynamo Dresden, schätzt Christian Kabs vom Fanprojekt die Zahl der rechtsextremen Fans auf bis zu fünfzehn Prozent. „An den rechten Codes und an den Klamottenmarken sieht man schon, dass Leute mit einer rechtsextremen Einstellung im Stadion sind.“ Daher prüft Dynamo in diesen Tagen, sich auch als Regionalligaverein dem Trend aus der Bundesliga anzuschließen. In Absprache mit der Dresdner Ordnungsbehörde und dem Kulturbüro Sachsen „versuchen wir das möglichst gut abzuklopfen, damit da keine Fehler gemacht werden“.

So setzte die Firma Mediatex, die „Thor Steinar“ als Marke vom brandenburgischen Ort Zeesen aus auf den Markt bringt, eine Unterlassungsklage gegen Werder Bremen durch. Die Unterlassung ändert zwar an dem Verbot nichts, ist aber immerhin geeignet, bei Mediatex für Genugtuung zu sorgen. Denn bei Werder darf nun niemand mehr ungestraft behaupten, dass „Thor Steinar“ aus dem „Umfeld der Nazi-Szene produziert und vertrieben wird“, weil der Klub die entsprechenden Beweise schuldig blieb. Für den Dresdner Fanprojektmjitarbeiter ist das Verbot jedoch nach einer Gewöhnungszeit allemal durchsetzbar: „Die Ordner müssen natürlich geschult werden, um das auch zu erkennen.“

Verfassungsschutz ermittelt

Bei der Hertha in Berlin hat man diese Zeit schon hinter sich; dort gilt das Verbot seit der vergangenen Saison. Hans-Georg Felder, Pressesprecher von Hertha BSC Berlin, sagte vor einigen Tagen in einem Fernsehinterview: „Unser Ordnungspersonal ist dahingehend geschult worden, auch was Sticker und Symbole anbelangt, auch was die Marke der Kleidung anbelangt. Und die Fans werden dann vor die Wahl gestellt: entweder die Klamotten wechseln oder draußen bleiben.“ Bei der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin hat man auch eine Erklärung für die Bedeutung von „Thor Steinar“ in der rechten Szene: „Nach innen ist das ein Signal, dass sie sich wiedererkennen im Alltag. Nach außen hin ist es ein Signal für politische Gegner, für andere, zu zeigen: Ich bin da, ich bin rechtsextrem.“

Zwar verdient Mediatex an den Kunden aus der rechten Szene, man will sich selbst nicht eine bestimmte Gesinnung zuschreiben lassen: „Politisch ist Thor Steinar ausschließlich in den Köpfen derer, die das so wollen. Zu diesen gehören wir nicht“, sagt Mediatex-Geschäftsführer Uwe Meusel. Er kritisiert vor allem Hertha BSC scharf für den Ausschluss von „Thor Steinar“.

Der ehemalige Präsident des BFC Dynamo Berlin, Mario Weinkauf, behauptet dagegen, dass die Firma Mediatex mit dem heutigen Wirtschaftsratsvorsitzenden des Klubs, Peter Meyer, über ein Engagement als Trikotsponsor verhandelt habe. Meyer streitet das allerdings ab. Und bei dem Textilunternehmen heißt es dazu lakonisch: „Das Erkenntnisstreben eines Fußballvereins sollte sich auf Dinge rund ums Leder beschränken, Erkenntnisse über die politische Einstellung einzelner Fans sammelt hierzulande der Verfassungsschutz.“ Zumindest der brandenburgische Verfassungsschutz sammelt auch Erkenntnisse über die Firma Mediatex.

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