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Johannes Herber im Gespräch : „Athleten sollten für ihre Rechte kämpfen“

Johannes Herber ist ehemaliger Basketball-Profi und beschäftigt bei der World Players Association. Bild: Imago

Mit der „Universellen Erklärung der Spielerrechte“ sollen Sportler sich besser gegen Verbände durchsetzen. Zuvor spricht Johannes Herber im F.A.Z.-Interview über die Forderungen an IOC, Fifa und Co.

          In Washington wird an diesem Donnerstag die „Universelle Erklärung der Spielerrechte“ veröffentlicht. Die „World Players Association“, Spielergewerkschaft innerhalb des Gewerkschaftsverbands Uni Global Union, will mit der 17 Artikel umfassenden Erklärung Ansprüche auf Mitbestimmung gegenüber den Sportverbänden durchsetzen. In jüngerer Zeit hatten das Internationale Olympische Komitee und der Internationale Fußball-Verband internationale Prinzipien und Menschenrechtsrichtlinien anerkannt, etwa die Richtlinien der Vereinten Nationen zu Unternehmen und Menschenrechten. Die Erklärung der Spielergewerkschaft soll es Athleten ermöglichen, aus diesen Verpflichtungen Ansprüche gegenüber den Sportorganisationen durchzusetzen. Funktionäre dürften fortan nicht mehr die „Spezifika des Sports“ oder dessen Autonomie anführen, wenn das dazu führe, dass die fundamentalen Menschenrechte der Spieler verletzt würden, heißt es in der Präambel.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Jeder Spieler hat das Recht auf ein sportliches Umfeld, das rechtmäßig verwaltet wird, frei von Korruption, Manipulation und Betrug ist und die fundamentalen Menschenrechte all jener schützt, respektiert und garantiert, die sich im Sport engagieren oder durch Sport beeinflusst sind, einschließlich der Spieler“, heißt es in Artikel 1 der Erklärung. Sie beinhaltet auch einen Anspruch auf Gleichheit vor dem Recht und Rechtsschutz. Er soll Sportlern den Zugang zu ordentlichen Gerichten ermöglichen und die Bindung an den Schiedsgerichtsweg bis hin zum Internationalen Sportschiedsgerichtshof in Lausanne lösen. Die Gewerkschaft, die nach eigenen Angaben 85000 Sportler in mehr als 60 Ländern vertritt, fordert alle Sportverbände auf, die Erklärung der Spielerrechte in ihre Regelwerke zu übernehmen. (chwb.)

          An diesem Donnerstag wird erstmals eine Charta der Rechte von Sportlerinnen und Sportlern vorgestellt. Ist diese „Declaration of Player Rights“ relevant für deutsche Sportler?

          Die Rechte sind universell gültig, auch in Deutschland. Unsere Mitglieder sind vorrangig Spieler, und wir wollen zeigen, wen wir vertreten. Das heißt nicht, dass wir andere Athleten ausnehmen.

          Warum ist diese Deklaration nötig?

          Wir sehen, dass Athleten international keinen Rechtsschutz genießen, wie ihn etwa Athleten auf nationaler Ebene haben: durch das Arbeitsrecht oder das Recht, Gewerkschaften zu gründen. Es ist an der Zeit zu definieren, dass Athleten Rechte haben und welche das sind. Die Athletenvertreter in der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und im Internationalen Olympischen Komitee haben das ebenfalls ins Gespräch gebracht.

          Sie sind eine Gewerkschaft. Ist Sport Arbeit?

          Absolut. Alle unsere Mitgliedsorganisationen mussten den Kampf um die Anerkennung dieses Verständnisses ausfechten, als sie sich in den siebziger und achtziger Jahren in ihren Ländern etabliert haben. Sie haben gewonnen. Die Spielergewerkschaften sind im nationalen Sport anerkannte Akteure.

          Die Vorstellung, dass etwa die Teilnahme an Olympischen Spielen der Lohn ist für jahrelanges Training und für Verzicht, akzeptieren Sie nicht?

          Die Olympia-Teilnahme ist etwas sehr Besonderes. Aber die Teilnahme allein wiegt nicht all die Arbeit auf, die ein Athlet leistet, um dort seine Leistung zu zeigen. Sport, wie das IOC ihn betreibt, ist ein Geschäft. Wir können nicht die Uhr zurückdrehen. Aber wir können als Gewerkschaft fordern, dass bei dem Geschäft ethische Grundsätze berücksichtigt werden. Das Privileg teilzunehmen ersetzt nicht Sicherheiten und Lohn. Die Länder, die ihre Athleten zu Olympia schicken, sind aufgefordert, dafür Sorge zu tragen. Und die Athleten sollten sich in unabhängigen Organisationen zusammenschließen und für diese Rechte kämpfen.

          Das IOC weigert sich, Athleten aus seinen gigantischen Fernseheinnahmen zu bezahlen, mit dem Argument, es halte mit seiner finanziellen Unterstützung den olympischen Sport auf der ganzen Welt am Leben. Akzeptieren Sie das?

          Man muss sich schon überlegen, wie man den enormen Reichtum gerechter verteilen kann, auch an die Athleten. Auch olympische Athleten sind Arbeitnehmer. Mit ihren Leistungen und mit ihren Bildern wird Geld verdient. Wann immer es Kollektivverträge gab, in den amerikanischen Ligen, in Rugby und Cricket, hat immer die Sportart davon profitiert.

          Olympia hat aktuell mit dem Doping in Russland zu tun, wie Fußball und Leichtathletik steckt es in internationalen Korruptionsermittlungen. Richtet sich die Deklaration an die Athleten in diesen Verbänden?

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