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WM 2022 in Qatar : Das Desaster

Beliebt? Bei 45 Grad Celsius ist die Vorfreude in Qatar überschaubar Bild: WITTERS

Am Freitag diskutiert die Fifa ihr drängendstes Problem: Sie hat sich mit ihrer Wahl von Qatar als Ausrichter der WM 2022 in eine Sackgasse manövriert. Eine Terminverlegung vom heißen Sommer in den Winter könnte zahlreiche Klagen nach sich ziehen.

          Die Brisanz der Sitzung lässt sich alleine an der Anwesenheit des wichtigsten Vertreters aus Qatar erkennen. Hassan Al Thawadi, Generalsekretär des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, ist in dieser so entscheidenden Woche mit seinem Tross nach Zürich gereist. Nicht weit vom Sitz des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) hat er in einem Hotel Quartier bezogen und sich vorbereitet auf die Lobbyarbeit für das Weltturnier in seiner Heimat, ein Jahrhundertprojekt am Golf. Es wankt in diesen Tagen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Al Thawadi weiß, was auf dem Spiel steht, wenn an diesem Freitag die Vorstandsmitglieder der Fifa darüber befinden sollen, wie die heftige Aufregung rund um die wichtigste Sportveranstaltung neben den Olympischen Sommerspielen zu beruhigen ist. Vorerst wird den Qatarern diese Prestigeveranstaltung nicht weggenommen. Das würde ein Beben auslösen. Der Gesichtsverlust wäre immens für den ersten islamischen Ausrichter einer WM. Doch selbst aus der Sicht der Qatarer ist dieses Szenario nicht unwahrscheinlich. Sie fürchten, die eine (bislang diskutierte) Verlagerung der Spiele vom qatarischen Sommer mit Temperaturen bis zu 45 Grad Celsius in den Winter werde eine negative Dynamik entfachen.

          Hinzu könnte ein Verfahren der Fifa-Ethikkommission wegen des Verdachtes der Korruption im Zusammenhang mit der Wahl des WM-Veranstalters kommen. Schon ist in Zürich in Anspielung auf den kleinen Wüstenstaat die Rede vom „Desert Storm“. Steht das Emirat am Ende doch mit leeren Händen da?

          Qatarer kämpfen um Sommertermin

          Vor diesem Hintergrund bekommt die Hinterzimmerdiplomatie eine besondere Bedeutung. Auf Nachfrage halten sich die Gesandten aus dem Emirat nach allen Seiten hin offen. „Wir sind zu jedem Zeitpunkt in der Lage, die WM auszurichten, wenn sich der internationale Fußball über einen alternativen Termin einigt“, heißt es. Zugleich kämpfen die Qatarer um den Termin in ihrem Sommer. Denn er war Teil der Bewerbung.

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          Jede Abweichung, so glauben sie, gefährde ihr Recht, die WM zu organisieren. Und so plädieren sie weiterhin für die Spiele in der Hitze. Weil doch mit neuester, umweltschonender Kühltechnik eine WM im Juni und Juli den Spielern und Zuschauer durchaus zumutbar sei. „Wir sind gerade dabei, eine nachhaltige Technologie noch umfassender für Stadien, Trainingsplätze, Fanzonen und öffentliche Bereiche der WM 2022 zu entwickeln“, ließen Mitarbeiter Al Thawadis am Donnerstag wissen.

          Fußball im Klimaschrank? Das Emirat hat im Moment weitaus größere Probleme. In der vergangenen Woche empörten Berichte über die schlechte Behandlung von Arbeitsmigranten, über den Tod von 44 nepalischen Gastarbeitern auf den Baustellen des kleinen Landes die Welt. Schnell versprachen Beamte der höchsten staatlichen Stellen, die Missstände zu überprüfen und Abhilfe zu schaffen. Dann wiesen sie auch darauf hin, dass die tragischen Vorfälle nichts mit der WM zu hätten, sondern privaten Bauträgern zuzuschreiben seien.

          Außerdem existiere eine gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch ausgearbeitete Charta, an die sich alle auf den zukünftigen WM-Baustellen halten müssten. Zu spät. Die teils für die Bauarbeiter als schrecklich beschrieben Zustände werden nach wie vor mit dem WM-Thema verknüpft.

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          Was also wird die Fifa an diesem Freitag tun? Die Vorstandsmitglieder könnten entscheiden, dass im heißen Sommer am Golf keine WM gespielt werden kann. Danach müsste ein Termin im Winter 2022 gefunden werden. Die Suche kann sich hinziehen. Denn der Winterplan stößt gerade bei den großen europäischen Ligen auf Gegenwehr, weil ihr üblicher Spielkalender komplett durcheinander geriete. Eine Umstellung beträfe sogar Spielklassen bis hinunter zu den Amateuren. Das ist aber nur die Sicht der Europäer. Wie verfahren die Situation ist, zeigen andere Drohgebärden.

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