http://www.faz.net/-gtl-8wk07

Fußball-WM in Russland : Tod und Ausbeutung in russischen WM-Stadien

Die Fifa hat es versäumt, dafür zu sorgen, dass sich Missbrauch und Ausbeutung auf Baustellen für Weltmeisterschaft und Confed Cup nicht wiederholen. Bild: EPA

Die Berichte über „Sklavenarbeit“ in russischen WM-Stadien haben sich in wesentlichen Teilen bestätigt. Eine Gewerkschaft stellt weitere Verstöße fest.

          Der Internationale Fußball-Verband (Fifa) und die russischen Organisatoren der Weltmeisterschaft 2018 sind seit Monaten darüber informiert, dass am Stadionbau in Sankt Petersburg auch nordkoreanische Arbeiter unter Bedingungen mitgewirkt haben, die von internationalen Organisationen als moderne Form der Sklaverei bezeichnet werden. Bauarbeiter auf der Stadionbaustelle wurden zudem in ähnlicher Weise ausgebeutet, wie es schon beim Bau der Olympischen Wettkampfstätten für die Spiele von Sotschi 2014 der Fall war – unter Erweiterung des Einsatzes nordkoreanischer Arbeiter, die hinter Stacheldraht gehalten werden und die ihrem wegen seines Atomwaffenprogramms international geächteten Land Devisen bringen sollen.

          Trotz des warnenden Beispiels Sotschi – das Internationale Olympische Komitee hatte nach anhaltenden Berichten über die Missstände schließlich dafür gesorgt, dass mehr als 6000 Arbeiter Lohn erhielten, gleichwohl gaben auch Monate nach Ende der Spiele noch Arbeiter an, auf Lohn zu warten – und trotz eines mit den örtlichen Organisatoren abgehaltenen Workshops zu dem Thema hat es die Fifa offenkundig versäumt, dafür zu sorgen, dass sich Missbrauch und Ausbeutung auf Baustellen für Weltmeisterschaft und Confed Cup nicht wiederholen.

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          F.A.Z. Edition

          Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

          Mehr erfahren

          Auf Anfrage dieser Zeitung teilte die Internationale Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter BWI mit, man habe die Baustelle des Stadions in Sankt Petersburg zweimal inspiziert, einmal im November 2016, ein weiteres Mal im Februar dieses Jahres, und zwar gemeinsam mit der Fifa. Dabei sei festgestellt worden, dass Gesundheits- und Sicherheitsstandards von den meisten beschäftigten Subunternehmern „anhaltend und ernsthaft“ unterlaufen werden, sagt Ambet Yuson, der Generalsekretär der BWI. Unter den festgestellten Mängeln: fehlendes Sicherheits-Equipment, ungesicherte Baugerüste, fehlender Schutz der Lungen und Atemwege. Arbeiter haben sich über Ausbeutung beschwert, Löhne wurden regelmäßig nicht oder zu spät gezahlt, es ist die in Russland alltägliche, seit Jahren geübte Ausbeutung von Arbeitermigranten aus den zentralasiatischen Republiken, die sich auch auf den WM-Baustellen abspielt. Anstellungsverträge haben die wenigsten.

          Die Behausungen der Arbeiter waren ärmlich: kein Wasser, keine Heizung und keine sanitären Anlagen im russischen Winter. „Unsere größte Sorge ist allerdings die große Zahl an Todesfällen“, sagt Yuson. Es habe auf den WM-Baustellen wenigstens zwölf bis 15 Tote gegeben, davon fünf in Sankt Petersburg. Yuson ist eines von acht Mitgliedern des Menschenrechtsbeirats der Fifa. In dem Gremium sitzen auch Lene Wendland, Mitarbeiterin des Hochkommissariats für Menschenrechte bei den Vereinten Nationen, Sylvia Schenk von Transparency International Deutschland, Theo van Seggelen von der Spieler-Gewerkschaft FifPro und Vertreter der Fifa-Sponsoren Coca-Cola und Adidas.

          Weitere Themen

          Heimniederlage für Bayerns Basketballer

          Basketball-Euroleague : Heimniederlage für Bayerns Basketballer

          In der Bundesliga noch ungeschlagen, müssen sich die Basketballer aus München in der Euroleague zum fünften Mal geschlagen geben. Dem Schlussspurt der Gäste aus Piräus können die Bayern nichts mehr entgegensetzen.

          Topmeldungen

          Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn (v.l.n.r.), hier auf einer Veranstaltung in Idar-Oberstein, wollen Angela Merkel an der Parteispitze beerben.

          Zweite CDU-Regionalkonferenz : „Eine unbezahlbare Marketingshow“

          „Wir brauchen euch drei gemeinsam“, meint Julia Klöckner bei der zweiten Regionalkonferenz im Kampf um den CDU-Vorsitz. Doch die Kandidaten versuchen, sich von den Konkurrenten abzusetzen – zum Beispiel beim Migrationspakt. Mit Erfolg?

          Saudi-Arabien : Ein Kronprinz in der Defensive

          Meist geht die Welt nach der Tötung eines Regimekritikers schnell zur Tagesordnung über. Im Fall Khashoggi ist das anders – und das liegt vor allem an Muhammad Bin Salman. Ein Kommentar.
          Ein Mann wird gegen Grippe geimpft.

          Gesundheit : Deutschland geht Grippe-Impfstoff aus

          Wegen großer Nachfrage gibt es in vielen Regionen einen Mangel an Grippe-Impfstoffen. Möglicherweise wollen sich mehr Menschen wegen der Grippe-Welle im vergangenen Jahr schützen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.