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Ausgebeutete Stadionarbeiter : Kampf um die Deutungshoheit in Russland

Vor der großen Show: WM-Baustelle in Saransk im Mai 2017 Bild: Picture-Alliance

Die Arbeiter in Russland wurden beim Bau der Stadien für die WM 2018 ausgebeutet. Human Rights Watch übt in einem Report Kritik an der Fifa. Der Fußball-Weltverband kontert mit einem anderen Vorwurf.

          Der Umgang mit der Ausbeutung von Arbeitern auf den Stadionbaustellen in Russland ist zum Streitfall zwischen dem Internationalen Fußball-Verband Fifa und der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) geworden. In einem 34 Seiten umfassenden Bericht mit dem Titel „Rote Karte – Ausbeutung der Arbeiter auf Weltmeisterschaftsbaustellen in Russland“ legt HRW das Ergebnis eigenständiger Recherchen auf sieben Baustellen zwischen Juli 2016 und April 2017 vor. Demnach waren zahlreiche Arbeiter ohne Arbeitsverträge und Bescheinigungen, damit illegal beschäftigt, und warteten zudem monatelang auf Lohn – der Bericht zitiert einen usbekischen Arbeiter auf der Baustelle in Rostow am Don im vergangenen Herbst: „Wir sind 500 Leute, die für eine Firma arbeiten. Wir warten seit drei Monaten auf Gehälter.“

          Zudem seien vielerorts die Zahlungen deutlich niedriger ausgefallen als ursprünglich vereinbart. Proteste von Arbeitern seien mit der Androhung von Kündigungen und weiteren Abzügen von Gehältern beantwortet worden. Zudem sei beim Besuch der Stadionbaustelle in Jekaterinenburg im Januar 2017 festgestellt worden, dass Arbeiter bei Temperaturen von bis zu 30 Grad Frost ohne ausreichende Wärmepausen im Freien tätig waren. Die Untersuchung sollte sich auf weitere Stadionbaustellen erstrecken (zehn von zwölf WM-Stadien wurden neu- oder umgebaut), wurde aber abgebrochen, nachdem der örtliche HRW-Berichterstatter im April beim Besuch in Wolgograd von Sicherheitsbehörden namentlich angesprochen, drei Stunden lang festgehalten und ihm die Strafverfolgung angedroht wurde. Ihm sei gesagt worden: „Die ganze Stadt ist in Alarmbereitschaft wegen dir“, heißt es bei HRW.

          Die Fifa hatte gravierende Verstöße gegen die russischen Arbeitsrechtsbestimmungen und die Menschenrechte im April eingeräumt, als bekanntgeworden war, dass wenigstens auf der Baustelle in Sankt Petersburg nordkoreanische Zwangsarbeiter beschäftigt wurden. Im Mai bestätigte Fifa-Präsident Gianni Infantino den Einsatz der Nordkoreaner, die dem Regime in Pjöngjang Devisen beschaffen sollen, indem sie einen erheblichen Teil ihres Lohns abtreten, in einem Brief gegenüber den Präsidenten skandinavischer Fußballverbände.

          Fifa lobt sich für Schaffung von Arbeitsplätzen

          In der vergangenen Woche hatte der Verband seine Menschenrechtspolitik vorgestellt. In dem von Infantino und seiner Generalsekretärin Fatma Samoura verfassten Vorwort heißt es, durch ihre „Wettbewerbe (...) schafft sie (die Fifa, d. Red.) Arbeitsplätze“. Unter Punkt 1 bekennt sich der Verband zur Einhaltung der Menschenrechte gemäß den Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen. Im Weiteren wird ausgeführt, dass „alle international anerkannten Menschenrechte“, einschließlich der Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation über die grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit, einbezogen würden.

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