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Veröffentlicht: 18.10.2012, 18:22 Uhr

WM 2014 und Olympia 2016 Brasilianische Scharmützel

Bei der WM 2014 und Olympia 2016 steht Brasilien im Mittelpunkt der Sportwelt. Nun kritisiert Rios Bürgermeister die Vorbereitungen. Die Antwort lässt nicht auf sich warten. Das verbale Gefecht hat einen ernsten Hintergrund.

© AFP Der Minister und das WM-Maskottchen: Aldo Rebelo (rechts) in Porto Alegre

Für seinen Rundumschlag hatte sich Rio de Janeiros Bürgermeister Eduardo Paes eine ganz besonders aufmerksame Zuhörerschaft ausgesucht: Bei der jährlichen Vollversammlung der Sociedad Interamericana de Prensa (SIP), einem Unternehmerverband der wichtigsten Presseunternehmen Nord- und Südamerikas, wetterte das gerade erst wiedergewählte Stadtoberhaupt der WM-Finalstadt von 2014 und der Gastgebermetropole von Olympia 2016 über die mangelhafte Vorbereitung Brasiliens auf die anstehenden Großereignisse.

Mediale Aufmerksamkeit war Paes also gewiss, als er mit seinen provokativen Thesen seine Landsleute als auch die WM-Organisatoren wachzurütteln versuchte: „Entweder wird Brasilien sich bewusst, dass die Events eine phantastische Chance sind, Kräfte zu vereinen, oder wir verlieren diese Gelegenheit, diesen speziellen Zeitrahmen zu nutzen.“

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Seine Kritik richtete der jugendlich wirkende Olympia-Gastgeber vor allem an die Organisatoren der Fußball-WM 2014. „Ich werde hier jetzt einmal politisch unkorrekt sein und wage zu sagen, dass im Fall der Weltmeisterschaft Brasilien auf gewisse Art und Weise schon diese Gelegenheit verpasst hat.“

Mit seinen Worten hatte der 42 Jahre alte Kommunalpolitiker vor allem die Regierung um die Staatspräsidentin Dilma Rousseff und den mächtigen Sportminister Aldo Rebelo herausgefordert. Zwar bemühte sich Paes dann, seinen Angriff etwas zu mildern. „Ich würde sagen, dass es ein kollektives Versagen gibt, auf allen Regierungsebenen. Das soll nicht heißen, dass die Bundesregierung hier Fehler begangen hat. Aber wir müssen der Welt die Botschaft vermitteln, dass es uns gelingt, zu planen und die Dinge fristgerecht zu übergeben.“

„Er sollte sich besser informieren“

Die Antwort Rebelos ließ aber nicht lange auf sich warten. Am Rande der Stippvisite von Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke in der WM-Stadt Belo Horizonte konterte der genervte Sportminister sarkastisch.

„Der Bürgermeister ist über die WM in Rio de Janeiro äußerst desinformiert und noch mehr über die WM im Rest Brasiliens. Wenn er über Rio de Janeiro redet, spricht er ohne Kenntnisse des Sachstandes, denn die Arbeiten in Rio de Janeiro, inklusive die im Maracanã-Stadion, liegen im Zeitplan“, ereiferte sich Rebelo und legte nach: „Und wenn er sich über die übrigen Städte in Brasilien geäußert hat, spricht er mit noch mehr Unkenntnis. Er hat etwas gesagt, was er nicht sagen durfte, über etwas, von dem er nichts weiß. Er sollte sich vor allem wegen des Amtes, das er bekleidet, besser informieren.“

In Porto Alegre erinnert noch nicht viel an ein WM-Stadion © AFP Vergrößern In Porto Alegre erinnert noch nicht viel an ein WM-Stadion

Noch am gleichen Tag reagierte Paes auf seine Art. Gleich dreimal wiederholte er gegenüber hartnäckig nachfragenden Journalisten den Satz, mit dem er die Diskussion zu beenden versuchte: „Ich bin so ein großer Fan von Aldo Rebelo, dass ich ihm niemals widerspreche.“

Das verbale Gefecht zwischen Rios Bürgermeister Paes und Sportminister Rebelo hat einen ernsten Hintergrund, denn den WM-Gastgeberstädten läuft die Zeit davon. Bereits mehrfach hatte der Internationale Fußballverband (Fifa) in den vergangenen Monaten die schleppenden Bauarbeiten moniert, einmal hatte Fifa-Chef Joseph Blatter sogar die Vereinigten Staaten als möglichen Ersatzkandidaten ins Spiel gebracht.

Womöglich streicht die Fifa einen Spielort

Ähnlich wie Paes hatte sich auch Fifa-Generalsekretär Valcke bereits von der brasilianischen Regierung einen öffentlichen Rüffel eingefangen, weil er die Verspätung bei den Vorbereitungen öffentlich angeprangert hatte. Für den Konföderationen-Pokal 2013, der im kommenden Juni zum Härtetest für die WM 2014 in Brasilien wird, hat Valcke arge Bedenken.

„Wir sind nicht auf dem Niveau, sechs fertige Stadien für den Konföderationen-Pokal zu haben. Wir müssen das besprechen und die Gewissheit haben, dass einige im Zeitverzug sind.“ So zitieren ihn brasilianische Medien. Zugleich erinnerte Valcke die Gastgeber daran, dass die Stadien nicht nur pünktlich vor den Turnieren fertig sein müssten. Mindestens zwei Testläufe müsste jede Arena erfolgreich absolviert haben, um turniertauglich zu sein.

Im weltberühmten Maracana sieht es schon ein wenig besser aus © AFP Vergrößern Im weltberühmten Maracana sieht es schon ein wenig besser aus

Vor allem Recife an der Atlantikküste läuft die Zeit davon. Ob die rund 41 000 Zuschauer fassende Arena Pernambuco rechtzeitig fertig wird, bezweifeln zahlreiche Fachleute. Voraussichtlich in der ersten November-Woche soll die endgültige Entscheidung fallen, ob die für den Konföderationen-Pokal 2013 vorgesehenen Spielorte auch tatsächlich die Anforderungen erfüllen können.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Fifa ein Exempel statuieren wird und einen Spielort von der Liste streicht oder durch eine andere Stadt ersetzt. Rio de Janeiro, Brasília, Belo Horizonte, Fortaleza und Salvador sind so gut wie bestätigt, Recife aber muss bangen. Und das sorgt bei der brasilianischen Regierung für noch mehr Nervosität als der Rundumschlag von Rios Bürgermeister Eduardo Paes.

Quelle: F.A.Z.

 

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