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Blatter-Nachfolge : Widerstand gegen Scheich Salman

Scheich Salman und Fifa-Präsident Blatter (Bild aus dem Jahr 2013) Bild: Imago

Scheich Salman soll in Bahrein an der Niederschlagung der Demokratiebewegung beteiligt gewesen sein, nun will er Fifa-Präsident werden. Der Widerstand wächst.

          Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth hat den Deutschen Fußball-Bund und die Europäische Fußball-Union aufgerufen, zu verhindern, dass der bahreinische Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa nächster Präsident des Weltverbands Fifa wird. „Es wäre ein Hohn für die Opfer der massiven Menschenrechtsverletzungen in Bahrein, wenn eine solche Person Präsident der Fifa würde“, sagte die Grünen-Politikerin. Al Khalifa, Präsident des asiatischen Fußballverbands, gilt als aussichtsreichster Kandidat der Wahl am 26. Februar. Am Freitag hatte er ein Abkommen mit dem afrikanischen Verband geschlossen, in dem Beobachter eine Verabredung zur Blockwahl sehen.

          „Der Versuch einer Demokratisierung, einer Öffnung, mit einer Anerkennung der gleichen Rechte eines großen Teils der Bevölkerung, der Schiiten, wurde 2011 mit brutaler Gewalt niedergeschlagen. Dafür wurden Panzer aus Saudi-Arabien nach Bahrein geschickt. Es gab viele, viele Tote und Verletzte. Unter anderem Sportler wurden verhaftet, es gibt deutliche Hinweise auf Folter, auch von Fußballern“, sagte Roth.

          Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa war zur Zeit der blutigen Niederschlagung der Proteste Präsident des bahreinischen Fußball-Verbands. Seit 2013 ist er  Präsident des Asiatischen Fußballverbandes AFC. Al Khalifa hat eine direkte Beteiligung an Verhaftungen und Folterungen von protestierenden Fußballspielern stets bestritten und beharrt zudem auf dem Standpunkt, dass Fußball nichts mit politischen Angelegenheiten zu tun habe. Ein Komitee, dem Al Khalifa auf Weisung des Prinzen Nasser, dem Präsidenten des Olympischen Komitees von Bahrein, vorstand, das die Beteiligung von Sportlern an den Demonstrationen untersuchen sollte, sei nie tätig geworden, behauptet der Fifa-Kandidat. Die Wahlkommission des Weltverbandes hatte den Bahreiner zur Wahl zugelassen,

          Said Yousif Almuhafdah, der Vizepräsident des „Bahrain Center for Human Rights“, sagte der F.A.Z.: „Er hat Spieler nicht persönlich gefoltert. Gleichwohl gilt er sowohl mir als auch den Menschen in Bahrein als Folterer, denn dieses Komitee war dafür verantwortlich, dass Menschen ausgesondert wurden, ihre Arbeit verloren, verhaftet wurden, in Gefängnissen verschwanden, gefoltert wurden.“

          Mark Pieth, Basler Strafrechtsprofessor und Anti-Korruptionsexperte, der zwischen 2011 und 2013 als Kopf der Fifa-Reformkommission versucht hatte, den Weltverband transparenter zu gestalten und korruptem Verhalten einen Riegel vorzuschieben, sagte: „Der Aufschrei müsste von den 209 Verbänden kommen. Sie müssten sagen: Wollen wir das? Wirklich?“, sagte Pieth. „Sie müssen fragen: Ist Salman ein glaubwürdiger Vertreter für Demokratie und Aufbruch? Taugt er? Ein Vertreter eines autokratischen Herrscherhauses ist nicht geeignet, diese Institution aus der Krise zu führen.“

          Pieth warnte mit Blick auf das Al Khalifa stützende Netzwerk vor den Beharrungskräften, die korruptes Verhalten innerhalb der Fifa gefördert oder jedenfalls nicht verhindert hat in den zurückliegenden Jahren – Al Khalifa wird maßgeblich gefördert vom kuweitischen Scheich Ahmad al Sabah, Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees und Präsident des Olympischen Rats von Asien sowie, seit 2012, Präsident der Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees. Pieth sagte: „Der Mechanismus, den wir haben, nennen wir Patronage, nicht Mafia. Aber es ist etwas ähnliches. Das perpetuiert sich bei den Personen, die da in Frage stehen.“

          Stimmen Asien und Afrika als Block für Salman?

          Am Freitag war bekannt geworden, dass Scheich Salman und der Präsident des afrikanischen Fußball-Konföderation, der amtsführende Fifa-Präsident Issa Hayatou eine Vereinbarung zur „Fortsetzung der engen Kooperation“ unter anderem im Bereich der Integrität zwischen dem Kontinentalverbänden Afrikas und Asiens geschlossen haben. Beobachter sehen darin ein Versprechen Hayatous, die Scheich Salman in Zürich die 54 afrikanischen Stimmen garantieren sollen. Stimmten alle afrikanischen und alle asiatischen Verbände für Al Khalifa, hätte der Scheich 101 von 209 Stimmen sicher. Prinz Ali bin Al Hussein aus Jordanien, der ebenfalls für das Präsidentenamt kandidiert, sieht darin eine „offenkundigen Versuch, einen Stimmenblock zu garantieren“. Er habe die Wahlkommission der Fifa aufgefordert, die Absprache zu untersuchen.

          Ein Sprecher des Deutschen Fußball-Bundes teilte am Sonntag mit, das Thema werde am Mittwoch Gegenstand der Präsidiumssitzung sein. „Es wird nicht ausgeblendet, im Gegenteil.“  Der Vorstandsvorsitzende von Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, den Roth und Pieth als Vorsitzenden der Europäischen Klubvereinigung ECA aufgefordert hatten, Wort gegen Salman zu ergreifen, sagte, die Wahl des Präsidenten der Fifa sei Sache der Mitgliedsverbände. Er habe volles Vertrauen in die DFB-Gremien, was die Auswahl des vom deutschen Verband unterstützten Bewerbers angehe. Roth und Pieth hatten von deutschen und europäischen Spitzenvereinen verlangt, ihr Gewicht in dieser Sache einzubringen.

          Quelle: F.A.Z.

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