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Wettmanipulation Alle Spuren führen nach Singapur

Hohe Funktionäre des südafrikanischen Fußball-Verbandes sollen an Spielmanipulationen beteiligt gewesen sein. Die Fifa ließ sich mit der Weitergabe der Ergebnisse ihrer Ermittlungen Zeit.

© dpa Fußball-Fahnder: Hört Ihr die Signale aus Südafrika?

Die Vorwürfe gegen hohe Funktionäre des südafrikanischen FußballVerbandes (Safa) um manipulierte Spiele der Nationalmannschaft sorgen nicht nur für Entsetzen im Land des ehemaligen WM-Gastgebers, sondern werfen ebenso Fragen auf über den Umgang des Internationalen Fußballverbandes (Fifa) mit einem der möglicherweise spektakulärsten Fälle. Einen Monat vor der Ausrichtung des Afrika Cup sind nun der südafrikanische Verbandspräsident Kirsten Nematandan und vier weitere hohe Safa-Offizielle von ihren Aufgaben entbunden worden. Eine Untersuchung soll nun Klarheit bringen über die vorgehaltenen Machenschaften.

Michael Ashelm Folgen:

Mindestens vier Testspiele der „Bafana Bafana“ vor der Heim-WM im Jahr 2010 sollen demnach zugunsten der asiatischen Wettmafia verschoben worden sein. Grundlage der Entscheidung ist ein Bericht der Fifa, in dem die angeblichen Verstrickungen der Funktionäre dokumentiert wurden. Allerdings ist dieser nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schon im August dieses Jahres fertiggestellt worden. Die Ermittlungen liefen bis März. Dem Safa-Büro in Johannesburg übergeben wurde die Akte aber dann erst am vergangenen Freitag. Warum ist so viel Zeit vergangen - bei einem solch wichtigen Vorgang? Die Fifa gab dazu am Dienstag keine Stellungnahme ab.

„Die wollen jetzt nur ihre Hände reinwaschen“

Aus Reihen betroffener Nationalverbände, die wie Südafrika mit derartigen Betrugsproblemen konfrontiert sind, ist nun Kritik am Weltverband zu vernehmen. „Die wollen jetzt nur ihre Hände reinwaschen und sich der Verantwortung entledigen“, sagte ein Funktionär, der nicht genannt werden will. So wurde auch die südafrikanische Polizei nicht vorab von der Fifa informiert, obwohl strafbare Handlungen vorliegen könnten. Es geht um Delikte wie Geldwäsche.

Seit Monaten kämpft auch der Fußball im Nachbarland Zimbabwe gegen Manipulationsvorwürfe. Zig Spieler und Funktionäre sind bestraft worden. Der Verbandspräsident wurde zeitweise von Unbekannten entführt, weil er Nachforschungen vorantrieb. Die Verwicklungen in Zimbabwe erhielten den Namen „Asiagate“, denn immer ging es um die Verbindung zur organisierten Kriminalität in Asien. Genauer gesagt dreht sich fast alles um das sogenannte Dan-Tan-Kartell in Singapur, das auch im Fall Südafrika die Strippen gezogen haben soll. Für den Betrug wurden eigens Agenturen gegründet, die Freundschaftsspiele organisierten und bestochene Schiedsrichter einsetzten. Die Nationalverbände fühlen sich alleinegelassen, handelt es sich doch aus ihrer Sicht um eine globale Bedrohung. Es geht um Milliardeneinsätze der Wett-Mafia. Angeblich geht die Fifa in dem Südafrika-Bericht sogar von sieben verschobenen Partien aus.

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Ein Teil der Recherchen, die der ehemalige Sicherheitschef der Fifa, Chris Eaton, zusammengestellt hatte, stammt wohl aus den Ausführungen des verurteilten Betrügers Wilson Perumal. Der Mann aus Malaysia, der dem Wettbetrug weltweit ein Gesicht gegeben hat, war 2011 in der nordfinnischen Stadt Rovaniemi zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte die Manipulation von Fußballspielen in verschiedenen Ländern, aber auch von Länderspielen quer über die Kontinente eingeräumt. Perumal, zwar keiner der großen Bosse des Syndikats aus Singapur, aber zumindest einer der wichtigen Kontaktmänner zur Geschäftsanbahnung, kooperierte mit den Behörden, was sein Strafmaß milderte. Er gab tiefere Einblicke in die kriminellen Strukturen. Inzwischen wurde er entlassen und hält sich derzeit in Ungarn auf. Dort befindet er sich in geschütztem Gewahrsam der ungarischen Behörden, die ebenfalls mehr wissen wollen. Zugleich muss Perumal einen Racheakt des Dan-Tan-Kartells fürchten.

South Africa's Mphela, Tshabalala, Dikgacoi and Modise celebrate Tshbalala's goal against Mexico during the 2010 World Cup opening match in Johannesburg © REUTERS Vergrößern Bafana Bafana: Wie kamen die Erfolge vor der WM 2010 zustande?

Betroffen ist der gesamte Fußball. Auch Deutschland hatte seine Fälle, die vor dem Bochumer Landgericht 2011 verhandelt wurden und mit mehrjährigen Haftstrafen für die Beschuldigten endeten. Experten gehen davon aus, dass organisierte Banden weiterhin versuchen, Spiele zu verschieben und dafür mit Spielern und Schiedsrichtern in Kontakt zu kommen. Überall. In Bulgarien wurden in der vergangenen Woche zwölf Erstligaspieler wegen des Verdachts der Spielmanipulation verhaftet. Immer wieder betroffen ist auch der italienische Fußball, bis hin zu Topvereinen wie dem SSC Neapel. Der Europäische Verband (Uefa) sperrte Anfang des Monats den maltesischen Nationalspieler Kevin Sammut, weil dieser an der Manipulation des Qualifikationsspiels zur EM 2008 zwischen Malta und Norwegen beteiligt gewesen sein soll.

Insgesamt aber wird das Thema Abschreckung bei den Fußballverbänden nicht besonders großgeschrieben. So fallen die Uefa und ihr Präsident Michel Platini bisher trotz einiger Urteile durch öffentliche Gerichte gegen Vereinsfunktionäre im türkischen Fußball eher durch Untätigkeit auf. Es wird nicht weiter ermittelt. Dagegen protestierten unlängst türkische Fußballanhänger am Uefa-Stammsitz in Nyon. Bei der Fifa werden die Top-Schiedsrichter erstmals umfänglich auf mögliche Manipulationsversuche vorbereitet und in Abwehr- sowie Aufklärungstechniken geschult. Sicher eine richtige Maßnahme - aber doch nur in präventiver Hinsicht von Bedeutung.

Quelle: F.A.Z.

 
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