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Vorwürfe gegen Reiter-Weltverband : „Betrug, Doping, Korruption“

Distanzprobleme: Weltmeister Mohammed al Maktoum, Regent von Dubai und Präsidentinnen-Gatte Bild: dpa

Der belgische Trainer Pierre Arnould erhebt heftige Vorwürfe gegen Prinzessin Hayas Reiter-Weltverband - direkt aus dem Herzen ihres Verteidigungsbollwerks.

          Mit einem dringlichen Brief hat die jordanische Prinzessin Haya bint al Hussein, Präsidentin der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI), am Wochenende versucht, die nationalen Verbände geschlossen hinter sich zu bringen. Hintergrund ist die wachsende Kritik an ihrem duldsamen Umgang mit den alarmierenden Zuständen im Distanzreiten.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Diese Disziplin, auf englisch: Endurance, ist in der FEI organisiert und wird von Hayas Ehemann Scheich Mohammed al Maktoum dominiert, dem Regenten von Dubai. An Lösungen werde gearbeitet, beteuert Haya in dem Brief und beruft sich darauf, sich aus Entscheidungen, die Endurance beträfen, stets herausgehalten zu haben. „Ich appelliere an Sie, Ihrer FEI bei dieser schwierigen Aufgabe zu helfen.“

          Letzter Anlass für den Appell dürfte ein Interview der britischen Zeitung „Daily Telegraph“ in dieser Woche gewesen sein, in dem der belgische Nationaltrainer Pierre Arnould seinem Herzen Luft machte. „Wenn wir nicht schnell etwas unternehmen“, wird er zitiert, „wird das Distanzreiten in ein paar Jahren nicht mehr existieren - jemand wird es verboten haben.“ Arnoulds Aussagen mussten die FEI-Präsidentin hart treffen. Der Belgier ist Mitglied des Endurance-Komitees der FEI, die Anklage kommt also aus dem Herzen ihres eigenen Verteidigungsbollwerks.

          Hauptprobleme des Distanzsports, der durch die reichen Teilnehmer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Qatar und Bahrein eine neue Dimension gewonnen hat, sind Doping, Ermüdungsbrüche durch Überforderung und Wettkampfbetrug. Am besten dokumentiert ist das Doping: Zwischen 2010 und 2012 gab es 41 positive Fälle im Distanzsport.

          „Wegen dieses infamen Trios auf den Titelseiten“

          Bei 82,9 Prozent ging es um Pferde aus arabischen Staaten. Allein 20 Fälle seit dem Jahr 2005 betreffen Pferde im Besitz Scheich Mohammeds oder seiner Familie. „Wir hätten ein Idyll ohne die drei Föderationen, die Schande über den Sport bringen“, sagte Arnould. „Wegen dieses infamen Trios ist das Distanzreiten jetzt auf den Titelseiten der Weltpresse, die mit Recht Skandalserien anprangert: Betrug, Doping, Korruption, Interessenkonflikte.“

          Der seit 2006 von Haya geführten FEI warf er vor, das Problem zu verschleppen. „Die einzige Reaktion ist es, eine Strategiegruppe zu schaffen, mit der Aufgabe, für die nächsten zehn Jahre die Entwicklung des Distanzreitens zu studieren.“ Den jüngsten Bericht dieser Gruppe habe er in einer E-Mail an den britischen Vorsitzenden der Arbeitsgruppe, Andrew Finding, als „Liste von Platituden“ bezeichnet, die nichts lösten und „zweifellos das Image des Pferdesports allgemein und der FEI im Besonderen zersetzen werden“.

          Prinzessin Haya

          Mittlerweile werden in der Distanz-Gemeinschaft immer mehr Todesfälle diskutiert. So hat die italienische „Horse Protection Association“ von der FEI gefordert, den Tod des arabischen Vollblüters Django de Vere zu untersuchen. Das Pferd war in der Nacht vom 1. auf den 2. September dieses Jahres, gut einen Tag nach dem 120-Kilometer-Ritt von Arborea auf Sardinien, verendet. In seinem Sattel hatte ein Reiter aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gesessen. Das Pferd habe bei den tierärztlichen Checks eine verdächtige Pulsentwicklung aufgewiesen, erklärte die Tierschutz-Vereinigung.

          Arnould behauptete, er habe miterlebt, wie Zeugen aussagten, Offiziellen sei während Wettkämpfen Geld angeboten worden. „Viereinhalb Monate später ist nichts geschehen“, sagte er dem „Telegraph“. „Die Skandale gehen unvermindert weiter, die Presse wird wild, Pferde sterben, die Zahl der Knochenbrüche steigt - und nächste Woche beginnt im Nahen Osten die Wintersaison.“

          Präsidentin Haya kündigt neue Maßnahmen an

          Nach Erscheinen des Interviews kritisierte Hayas Generalsekretär Ingmar De Vos Arnould in einer Presseerklärung scharf. Seine Vorwürfe seien substanzlos. De Vos unterstellte Arnould, er habe als Mitglied des FEI-Fachkomitees gesprochen, ohne Mandat oder Rücksprache. Nebenbei enthüllte De Vos eine erstaunliche Neuigkeit: Alle (ehrenamtlichen) Mitglieder von FEI-Komitees hätten ein Dokument unterschrieben, das sie zum Schweigen verpflichte. Nur als Individuum könne Arnould seine Meinung sagen, schrieb De Vos, man prüfe Konsequenzen.

          Präsidentin Haya, die als Individuum im Auftrag ihres Mannes die zuletzt gehäuften Skandale in seinem Pferde-Imperium untersucht, hat am Freitag neue Maßnahmen angekündigt. Nächste Woche soll eine europäische Delegation zu einem Seminar nach Abu Dhabi fliegen - darunter auch die Deutschen Hanfried Haring als Präsident der europäischen Verbände und Sönke Lauterbach, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.

          Am 6. November, während der Generalversammlung der FEI in Montreux, soll Findings Arbeitsgruppe Bericht erstatten und Rückmeldungen einholen. Im Februar 2014 soll es in Lausanne eine Konferenz zum Thema Distanzreiten geben. Es sei frustrierend, erklärte die Prinzessin, dass sie nicht schneller reagieren könne. Aber die FEI sei nun einmal eine demokratische Organisation.

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