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Vergabe der WM 2006 „Das muss man aufklären“

250.000 Euro an „E 16“, am Tag bevor Deutschland die WM bekam: Theo Zwanziger fordert eine Untersuchung der Vergabe der Fußball-WM 2006. Korruptionsermittler Garcia nimmt diese und die Vergaben an Russland und Qatar ins Visier.

© dpa 6. Juli 2000: Deutschland hat die WM

Dem Fußball-Weltverband Fifa droht ein heißer Herbst. Durch interne Ermittlungen könnte auch das deutsche Sommermärchen 2006 nochmal in den Mittelpunkt rücken. Der Vorsitzende der Untersuchungskammer der Fifa-Ethikkommission, Michael Garcia, kündigte in einem Interview für die ARD-Sportschau und die WDR-Sendung Sport Inside an, Licht in das Dunkel um die WM-Vergaben an Deutschland (2006), Russland (2018) und Katar (2022) sowie den Bestechungsskandal um den ehemaligen Sportrechtevermarkter ISL bringen zu wollen.

„Wenn Sie sich das anschauen, dann ist doch klar, dass es da was zu untersuchen gibt, und das werde ich tun“, sagte Garcia. Diese Ankündigung ist ganz im Sinne von DFB-Präsident Theo Zwanziger, der Deutschland im Fifa-Exekutivkomitee vertritt. „Die WM-Vergabe 2006 muss auch überprüft werden, wenn es Verdachtsmomente gibt, die ich nicht kenne“, sagte Zwanziger in einem Interview, das der Sportjournalist Jens Weinreich am Sonntag in seinem Blog veröffentlichte.

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250.000 Euro an „E 16“

Schon nach dem Bekanntwerden des Ausmaßes der Korruptionsaffäre um den früheren Fifa-Boss Joao Havelange und dessen brasilianischen Landsmann Ricardo Teixeira hatte Zwanziger gefordert, die jahrelangen ISL-Provisionszahlungen an Fifa-Funktionäre in Millionenhöhe intensiv zu beleuchten. Beim Lesen der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zug, die Mitte Juli veröffentlicht worden war, seien ihm „viele Geldflüsse“ aufgefallen. „Ich kann mir dabei nichts denken, weil das alles anonym ist. Das muss man aufklären“, bekräftigte Zwanziger in dem Interview.

In den Dokumenten findet sich unter anderen ein Eintrag, wonach eine anonyme Person mit dem Kürzel „E 16“ am 5. Juli 2000 eine Summe von 250.000 Dollar erhalten habe. Am Tag danach setzte sich Deutschland bei der WM-Vergabe gegen Südafrika mit 12:11 durch. Zum Zeitpunkt der Vergabe war Zwanziger, der erst 2004 an die Verbandsspitze rückte, noch DFB-Schatzmeister.

Vorwürfe gegen Franz Beckenbauer, der die WM als Präsident des Organisationskomitees nach Deutschland geholt hatte, wollte Zwanziger ausdrücklich nicht erheben. „Franz Beckenbauer hat für die WM 2006 ehrenamtlich gearbeitet und kein großes Gehalt bekommen.“

Garcia, der früher als Bundesstaatsanwalt von New York Mafia-Größen und Wallstreet-Finanzbetrüger angeklagt hat, will in den Ermittlungen bei entsprechenden Erkenntnissen auch vor Fifa-Präsident Blatter nicht haltmachen. „Je wichtiger die involvierte Person ist, umso wichtiger ist es, sie auch zu untersuchen“, erklärte der 51-Jährige. Obwohl er nicht von einem unabhängigen Beratungsgremium, sondern aus Fifa-Kreisen vorgeschlagen worden war, bezeichnete sich der Amerikaner als unabhängig.

„Es wird keine Einflussnahme auf mich als unabhängigen Ermittler geben. Dafür bin ich ja auch da, um Unabhängigkeit sicherzustellen. Dazu gibt es ja auch noch den unabhängigen externen Richter, der über meine Fälle entscheidet“, sagte er.

Quelle: FAZ.NET mit dpa

 
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