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Neue Studie : „Hirnverletzungen werden bagatellisiert“

  • -Aktualisiert am

Nach Erhebung der VBG treten die meisten Fälle beim Eishockey (8,6 Prozent) auf. Bild: dpa

Eine Studie der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft hat herausgefunden, dass Schädel-Hirn-Verletzungen in Deutschland oft bagatellisiert werden. Eine Sportart liegt mit weitem Abstand vorne.

          Schädel-Hirn-Verletzungen im Profisport werden nach Angaben der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) in Deutschland häufig bagatellisiert. Das geht aus dem jüngsten Sportreport der VBG vor, der der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt. Demnach gibt es bei Trainings- und Wettkampfunfällen jedes Jahr 40.000 Gehirnerschütterungen.

          „Nur die Hälfte wird erkannt“, heißt es in einer Mitteilung der VBG. Eine genaue Diagnose aber sei notwendig, um die entsprechenden Behandlungsschritte einleiten und dadurch nicht nur den primären Folgen wie Ödemen, sondern vielmehr auch den mittel- und langfristigen Schäden entgegenwirken zu können.

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          Schädel-Hirn-Verletzungen können neben kognitiven und motorischen Defiziten auch chronisch-degenerative Prozesse im Gehirn nach sich ziehen, die unter Umständen erst Jahre später bemerkt werden. Zwar ist der prozentuale Anteil von Schädel-Hirn-Traumata an den Verletzungen in den ersten beiden Ligen in den vier Spielsportarten Basketball, Eishockey, Fußball und Handball (7200 pro Jahr) verhältnismäßig gering.

          Nach Erhebung der VBG treten die meisten Fälle beim Eishockey (8,6 Prozent) auf, vor Fußball (2,7), Handball (2,0) und Basketball (0,8). Die Folgen aber können fatal sein. Deshalb warnen die VBG-Experten eindringlich davor, leichte Kopfblessuren als „Bagatellverletzung“ abzuwerten. Es gelte, „alle Handelnden, aber auch die Sportler selbst, zu sensibilisieren“. Bislang hatte es im deutschen Profisport zu diesen Schädel-Hirn-Verletzungen keine statistische Erhebung gegeben.

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          Nach Angaben der VBG haben in der Saison 2015/16 die Profis der untersuchten Ligen zweieinhalb Verletzungen im Schnitt erlitten. 80 Prozent aller in der vorvergangenen Saison eingesetzten Spieler verletzten sich mindestens einmal. Die summierten Ausfallzeiten betrugen dabei im Mittel fast einen Monat, was einem Zwölftel der Gesamtarbeitsleistung der bezahlten Sportler entsprach. Im Vergleich zur vorangegangenen Saison sind die Verletzungszahlen leicht angestiegen.

          Analysiert wurden für den Report alle bei der VBG gemeldeten Fälle aus den genannten Sportarten. 2900 Spieler erlitten 7200 Verletzungen. Die Kosten der Heilbehandlung und für den Verdienstausfall bis zum Stichtag der Auswertung (15. September 2016) betrugen mehr als 8,5 Millionen Euro. Weil langfristige Heilungsprozesse, die über den Stichtag hinaus finanziert werden mussten, nicht mehr eingerechnet werden konnten, liegt der tatsächliche Aufwand deutlich über dieser Summe.

          Mit ihrem Sportreport will die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft nach eigenen Angaben zu besseren Präventions- und Rehabilitationslösungen beitragen, um langfristig ihre Ausgaben zu senken. Zwar hätten sich die Unfallzahlen und die damit verbundenen Kosten in den vergangenen Jahren insgesamt rückläufig entwickelt, im Vergleich zu anderen Branchen seien sie im Profisport allerdings nach wie vor „überproportional hoch“, heißt es in der Mitteilung der Versicherung.

          Deshalb sah sie sich gezwungen, in diesem Jahr die Gefahrklassen einzelner „Tarifstellen“ anzuheben. Konkret bedeutet dies, dass manche Profisportunternehmen stärker zur Kasse gebeten werden. Damit werde den Versicherten eine höhere finanzielle Planungssicherheit ermöglicht, weil sie nicht durch punktuelle Beitragserhöhungen belastet werden. Außerdem werde die Solidargemeinschaft der innerhalb der VBG versicherten Branchen entlastet.

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          Denn in den untersuchten acht Ligen zogen sich im Schnitt vier von fünf Spielern mindestens eine Verletzung pro Saison zu. Dabei ist Eishockey mit je 2,7 Verletzungen pro Spieler gemeinsam mit Handball die risikoreichste Sportart, gefolgt von Fußball (2,5) und Basketball (1,9). Basketball ist die einzige Sportart, in der die Ausfallzahlen im Vergleich zum Vorjahr signifikant zurückgegangen sind. Trotzdem ist die Ausfallquote im Profisport überproportional hoch. In anderen Berufszweigen verzeichnet die Versicherung nach eigenen Angaben etwa einen Arbeitsunfall pro Arbeitsleben.

          „Die Analysen der jährlichen Sportreports helfen der VBG, die Sportunternehmen bei der Gesunderhaltung ihrer Sportlerinnen und Sportler bestmöglich zu unterstützen“, behauptet Bernd Petri, Mitglied der VBG-Geschäftsführung. Laut dem Report kommt nur jede fünfte Verletzung (im Schnitt) aufgrund eines gegnerischen Fouls zustande. Eine intensivere gesundheitliche Prävention schon vor den Wettkämpfen könne das Ausfallrisiko also eindeutig minimieren, schreibt die VBG.

          Der Analyse zufolge sind die häufigsten Verletzungen Zerrungen im Bereich der Oberschenkelmuskulatur nach Überbelastungen (Fußball) sowie Verstauchungen der Sprunggelenke nach einbeinigen Landungen bei Wurfbewegungen (Handball, Basketball). Lediglich beim Eishockey sind etwa ein Drittel (32 Prozent) der Verletzungen auf die Einwirkung von Gegenspielern zurückzuführen. Hier ist eine Verstauchung der Halswirbelsäule nach seitlichen Checks die häufigste Verletzungssituation. Die proportional überdurchschnittlichen Zahlen der Sportart auf dem Eis hängen laut VBG-Analyse mit der hohen Spieldynamik zusammen.

          Quelle: F.A.Z.

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