http://www.faz.net/-gtl-7682x
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 01.02.2013, 16:33 Uhr

UCI gegen Wada Krieg der Worte

Die Auseinandersetzung wird immer kurioser. Erst gab es Kritik, dann wurde der Ton schärfer, schließlich eskalierte der Streit: Im Zwist mit der Wada greift der UCI-Präsident, Pat McQuaid, nun zu ungewöhnlichen Mitteln.

© dpa Im Streit mit Wada: UCI-Präsident Pat McQuaid

Erst gab es Kritik, dann wurde der Ton schärfer, schließlich eskalierte der Streit: Im Zwist mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) greift der Präsident des Radsport-Weltverbands (UCI), Pat McQuaid, nun zu ungewöhnlichen Mitteln. Wie der Branchendienst „Insidethegames“ berichtete, hat der umstrittene Ire in dieser Woche allen 101 Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees IOC eine E-Mail geschrieben mit der Bitte, ihm bei der Dauerfehde beizustehen. Er freue sich „über jede Unterstützung, der Wada klarzumachen, wie wichtig eine Zusammenarbeit mit der UCI“ sei, schrieb McQuaid. Die Auseinandersetzung wird immer kurioser.

Zuletzt hatten sich der Verband um den umstrittenen Präsidenten sowie die Wada gegenseitig scharf attackiert. Die Anti-Doping-Agentur warf der UCI vor, bei der Aufklärung der Affäre Lance Armstrong nicht konsequent vorzugehen und sinnvolle externe Vorschläge zu ignorieren. Eine angetragene Zusammenarbeit lehnte die Behörden mit bösen Worten in Richtung UCI („hinterlistig“, „einseitig“, „arrogant“) ab. Der Radverband wiederum bezichtigt die Wada inzwischen offen der Lüge und veröffentlichte in dieser Woche sogar persönliche E-Mails von Wada-Präsident John Fahey.

Mehr zum Thema

Nach dem vorläufigen Höhepunkt der Posse, bei der inzwischen immer mehr persönliche Befindlichkeiten im Spiel zu sein scheinen, schrieb McQuaid den IOC-Mitgliedern: „Ich hoffe sehr, dass die Wada nun mit ihrem unwürdigen Krieg der Worte in den Medien aufhört und sich mit uns hinsetzt, um gemeinsam die Details dieses Wahrheits- und Versöhnungsprozesses auszuarbeiten.“ Der UCI-Chef meint damit übrigens nicht den Streit zwischen den Organisationen, sondern ein mögliches Kronzeugen- und Amnestieprogramm für Doper. Dieses will die UCI aber nicht selbst finanzieren und lieber höhere Organisationen ins Boot holen. IOC-Präsident Jacques Rogge berichtete am Freitag bei einer Pressekonferenz in Seoul, noch kein entsprechendes Gesuch vorliegen zu haben. Eine Absage erteilte er dem Vorschlag aber per se nicht. „Ob wir das machen oder nicht, werden wir im Exekutivkomitee besprechen“, sagte Rogge.

Eine „Wahrheits- und Versöhnungs-Kommission“ hatten zu Beginn des Disputs ausgerechnet die Wada und die amerikanische Agentur Usada gegenüber einer von der UCI eingesetzten Aufklärungskommission gefordert. Damals lehnte der Dachverband noch ab - ehe er die Kommission jüngst auflöste.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Internationale Reaktionen Dem Doping ist der Krieg erklärt worden

Der Ausschluss russischer Leichtathleten von allen Wettbewerben ruft im internationalen Sport überwiegend positive Reaktionen hervor – aber nicht überall. FAZ.NET hat Stimmen zusammengetragen. Mehr

18.06.2016, 16:27 Uhr | Sport
Berlin De Maizière: Weniger deutsche Dschihadisten brechen nach Syrien auf

Auf der OSZE-Anti-Terror-Konferenz in Berlin sagte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere, dass aus Deutschland nicht mehr so viele Islamisten aufbrechen, um sich der Extremistenmiliz IS anzuschließen. Mehr

31.05.2016, 16:11 Uhr | Politik
Olympia 2016 Labor-Suspendierung in Rio soll keine negativen Folgen haben

Die Wada hat am Freitag das Kontrollabor in der Olympiastadt Rio suspendiert, weil es nicht internationalen Standars entspricht. Für die Spiele soll die Entscheidung keine negativen Folgen haben. Mehr

25.06.2016, 09:39 Uhr | Sport
Amerika 26 Stunden Sitzstreik im Repräsentantenhaus

Auch einen Tag nach seinem Beginn ging der Sitzstreik im amerikanischen Repräsentantenhaus für ein schärferes Waffengesetz weiter. Nachdem die hauseigenen Kameras abgeschaltet worden waren, sendeten die Abgeordneten via Internet weiter. Erst nach fast 26 Stunden war Schluss. Nach der Sommerpause wollen die Abgeordneten weiter für eine Verschärfung kämpfen. Mehr

24.06.2016, 15:42 Uhr | Politik
Rio 2016 Olympia ohne Leichtathleten aus Russland

Der Weltverband bestätigt die Sperre für russische Leichtathleten. Damit bleiben sie auch von den Olympischen Spiele ausgeschlossen. Eine Hintertür für die Teilnahme in Rio gibt es allerdings. Mehr

17.06.2016, 17:14 Uhr | Sport

Distanz ist anders

Von Anno Hecker

Als EM-Experten werden Mehmet Scholl und Oliver Kahn fürstlich entlohnt. Sie meiden meist die Konfrontation – sonst verlieren sie ihren Stand in der Fußballfamilie. Diese Abhängigkeit dürfte eigentlich kein Honorar wert sein. Mehr 39 66