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Veröffentlicht: 01.06.2017, 12:59 Uhr

Tischtennis-Weltverband ITTF Zeichen gegen Korruption

Thomas Weikert wird als Präsident des Tischtennis-Weltverbandes wiedergewählt. Es ist ein schwer erkämpfter Erfolg. Denn der Deutsche musste sich nicht nur gegen seinen Gegenkandidaten durchsetzen.

von , Düsseldorf
© dpa

Das erste Finale dieser Tischtennis-Weltmeisterschaften hat ein Deutscher knapp gewonnen. Thomas Weikert setzte sich bei der Präsidentenwahl des Weltverbandes (ITTF) gegen den Belgier Jean-Michel Saive am Mittwoch mit 118:90 Stimmen durch. Ein schwer erkämpfter Erfolg, denn Saive profitierte nicht nur von seinem Ruf als Tischtennis-Ikone, sondern von einem starken Förderer – Adham Sharara. Der in Ägypten geborene Kanadier war Weikerts Vorgänger und auch Steigbügelhalter. Sharara berief den 55 Jahre alten Hessen 2014 zu seinem stellvertretenden Vizepräsidenten, wenige Monate später trat er dann überraschend zurück. Es sei ihm ein Leichtes, sich nun anderen Aufgaben und Interessen zuzuwenden, der Verband sei bei Weikert in besten Händen.

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Seit Anfang dieses Jahres tat der zum Ehrenpräsident erhobene Sharara aber alles dafür, eine Wiederwahl des ehemaligen Präsidenten des Deutschen Tischtennis-Verbandes (DTTB) zu verhindern. „Ich habe das Vertrauen in ihn verloren“, ließ Sharara wissen. Wodurch, das mochte der Kanadier nicht näher erläutern, das seien Interna.

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Ein Punkt, den er nicht nennen mochte, ist die Enttäuschung darüber, dass Weikert ihm nicht zu einem Platz im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) verhelfen konnte, seinem großen Ziel. Sharara hoffte, dass der gute persönliche Kontakt Weikerts zu IOC-Präsident Thomas Bach ihn auf die Nominierungsliste hieven würde. Weikert hat sich wohl auch für Sharara eingesetzt, ist aber nicht durchgedrungen. Was der Kanadier nicht akzeptierte. Im Wahlkampf ergriff er eindeutig Partei für Saive, obwohl er als Ehrenpräsident des Weltverbandes und designierter Wahlleiter zur Neutralität verpflichtet war.

Der Belgier bereiste 31 Länder, um für sich zu werben. Außer seinem guten Namen als Spieler hatte er nicht viel vorzuweisen. Bei den großen sportpolitischen Themen wie Good Governance, Transparenz und Breitensportförderung sowie Entwicklung des Spiels besetzte er keine Positionen. Da ließ ihm Weikert auch nicht viel Spielraum. Der Jurist hatte in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht viel falsch gemacht. Es sei denn, man bewertet es als Fehler, Transparenz zu schaffen und finanzielle Verflechtungen offenzulegen. Zudem fielen in Weikerts Amtszeit einige Erfolge, die Tischtennis im Wettstreit der Sportarten in den Vordergrund rückten. Die Einschaltquoten während der Olympischen Spiele in Rio waren hervorragend, genauso haben sich die Reichweiten in sozialen und digitalen Medien entwickelt, seit Weikert ein Konzept dafür entwickelte. Die Seiten im Internet des Tischtennis-Weltverbandes werden im Vergleich zu den Auftritten der anderen Kontinentalverbände am dritthäufigsten angeklickt. Viel Beachtung erhielt das Tischtennis auch dadurch, dass seit dem 31. Mai offiziell alle 226 Nationen der UN Mitglieder des Weltverbandes sind. Guinea-Bissau trat als letztes Land bei, so dass man nun sagen kann, dass überall auf der Welt Tischtennis gespielt wird.

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Weikert gelang es zudem, mit Seamaster einen neuen Hauptsponsor zu akquirieren, der nicht nur der Weltranglistenturnierserie zu einem neuen Rekordpreisgeld verhalf, sondern auch die Breitensportförderung in allen Mitgliedstaaten sicherte. Diesen Coup allerdings hatte Weikert wohl auch nötig, um wiedergewählt zu werden. Ansonsten wäre er wohl über seine Initiative gestolpert, die Vermarktungsrechte von der Agentur TMS zurückzukaufen. TMS war vor mehr als 15 Jahren vom damaligen Weltverbandspräsidenten Sharara gegründet und bis 2006 auch geleitet worden. Als sich Weikert Ende 2016 mit TMS an den Verhandlungstisch setzte, um die Vertragsauflösung zu besprechen, traf er dort zu seiner Überraschung wieder auf Sharara, der offensichtlich nie den Kontakt zur Agentur verloren hatte und in seiner Zeit als Präsident mit sich selbst um Marketingverträge verhandelt hatte.

Der Verdacht der persönlichen Vorteilnahme Shararas war schon 2013 vom damaligen Präsidenten des europäischen Kontinentalverbandes, Bosi, erhoben worden. Mittlerweile sollen Beweise vorliegen. Die Tischtennis-Funktionäre der Nationalverbände wurden über das Fehlverhalten Shararas informiert. Der Kanadier nahm auf die Wahl auch insofern Einfluss, dass die Agentur TMS die Reisekosten für Funktionäre aus Ozeanien zur Tischtennis-WM in Düsseldorf übernahm, in deren Rahmen die Präsidentenwahl abgehalten wurde. Als Folge daraus möchte Weikert in Zukunft die Reisen der Stimmberechtigten vom Weltverband begleichen lassen, so dass potentielle Abhängigkeiten vermieden werden.

Saive war nie Mann oder Strohmann Shararas. Er war nur der Kandidat, der Weikert stoppen und Shararas Einfluss auf den Weltverband erhalten konnte. Deshalb kam der Belgier in den Genuss dessen Unterstützung. Dass die Entscheidung so knapp ausfiel, zeigt, wie lange Seilschaften wirken, aber auch, dass es in Weltverbänden Mehrheiten für neue Wege geben kann.

46745134 © dpa Vergrößern Ein Präsident voller Tatendrang: der wiedergewählte Thomas Weikert.

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