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Spitzensportförderung : De Maizière will mehr Gold fürs Geld

DOSB-Präsident Hörmann (l.) argumentiert: Versteht Bundesinnenminister de Maizière die Sorgen? Bild: dpa

Die Krise des deutschen olympischen Sports soll überwunden werden. Bundesinnenminister de Maizière fordert Veränderungen. Die geplante Spitzensportreform zielt indes allein auf mehr Medaillen:

          Der Bundesinnenminister erwartet viel mehr Medaillen durch eine straffe Führung im Sport. Mit der Reform der Spitzensportförderung, die er am Mittwoch den Abgeordneten im Sportausschuss des Deutschen Bundestages vorstellte, will Thomas de Maizière das Potential aussichtsreicher Sportlerinnen und Sportler entwickeln, statt Verbände für längst verblasste Leistungen zu alimentieren. In dieser Zeitung hatte er im Juli 2015 ein Drittel mehr Medaillen gefordert und damit die Reform in Gang gesetzt. Mit rund 160 Millionen Euro aus seinem Budget fördert der Innenminister den Spitzensport in Deutschland.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, erwartet nicht nur einen Effizienzgewinn, sondern mehr Geld auf die Hand. Im Morgenmagazin des ZDF forderte er am Mittwoch eine Anschubfinanzierung für die Reform. Gut 40 Bundes- und Olympia-Stützpunkte sollen geschlossen werden. Die den Parlamentariern und gleichzeitig den Sportverbänden vorgestellten Pläne seien ein „Rohentwurf“, sagte Hörmann; sie sollten in den kommenden Wochen diskutiert werden. Aus dem Innenministerium ist zu hören, dass man von der Politik ein Bekenntnis zur neuen Sportförderung erwarte.

          Ministerium dementiert Sparvorhaben

          Schon in wenigen Monaten will der Innenminister eine ständige Kommission einrichten, die das Potential von Athleten und Disziplingruppen bewertet. Aufgrund ihrer Einschätzung sollen sie in drei Förder-Gruppen eingeteilt und entweder maximal, perspektivisch oder gar nicht mehr staatlich gefördert werden. Für die Leitung der Kommission, die mit 500.000 Euro pro Jahr vom BMI finanziert wird, soll ein Hochschulrektor berufen, für den Bereich Wissenschaft ein weiterer hochrangiger und vom Sport unabhängiger Kandidat eingestellt werden. Auch der DOSB, das Bundesinstitut für Sportwissenschaft des Bundes und die Führungsakademie des DOSB sollen in der Kommission vertreten sein.

          Der Befürchtung, der Bund wolle Geld sparen, tritt das BMI mit dem Versprechen entgegen, je mehr Disziplingruppen mit Medaillen-Perspektive es gebe, desto mehr Fördergeld werde zur Verfügung stehen; einen Verteilungskampf zwischen Verbänden und Sportarten solle es nicht geben. Mannschaftssportarten sollen wegen ihrer besonderen Bedeutung großzügig unterstützt werden. Als erster Streichkandidat gilt Synchronschwimmen. Laut einer Vorlage des BMI sind Ziel der Neustrukturierung „Podiumsplätze bei Olympischen, Paralympischen und Deaflympischen Spielen, Weltmeisterschaften und World Games“. Die Einteilung soll transparent und aufgrund von zwanzig Attributen erfolgen; die Kriterien stehen noch nicht fest. Die 1200 Stellen für Spitzensportler bei Bundeswehr, Zoll, Bundes- und Länderpolizei sollen erhalten bleiben; ihre Besetzung allerdings soll überprüft werden.

          Bis zu den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro argumentierten Politik und Sportführung für eine grundlegende Reform mit dem Rückgang der Medaillengewinne seit den Olympischen Spielen von Barcelona 1992. Die weitgehend aus Sportlern des DDR-Staats-Dopings rekrutierte Olympiamannschaft holte damals 33 Gold-, 21 Silber- und 28 Bronzemedaillen. In diesem Sommer nun gab es sechs Olympiasiege deutscher Athleten mehr als vor vier Jahren in London, 17/10/15 (toto 42) gegenüber 11/19/14 (44). Bei den Plätzen vier bis acht habe Deutschland, heißt es nun, erheblich nachgelassen. Hörmann widersprach am Mittwoch nicht, als sein Fernseh-Interview mit der Behauptung anmoderiert wurde, der deutsche Spitzensport stecke in der Krise.

          Quelle: F.A.Z.

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