05.11.2004 · Für den NOK wird die Hauptversammlung in Frankfurt eine der letzten sein. Schon im nächsten Jahr soll die Fusion mit dem DSB vollzogen werden. Derzeit werden die Verhandlungen noch durch Kompetenzgerangel behindert.
Eine Liebesheirat wird es nicht, und der vom NOK vorgelegte Ehevertrag mutet dem Partner Deutscher Sportbund (DSB) auf dem Weg zur künftigen Dachorganisation des Deutschen Sports einiges zu. Mit diesen Vorgaben tritt das Präsidium des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) am Samstag in Frankfurt vor seine Mitgliederversammlung.
Das Konzept wurde am 1. Oktober als Grundlage für die Gespräche in der gemeinsamen Strukturkommission formuliert, die Mitte November beginnen sollen. Es ist ein klassisches „Ja, aber“. Es soll den 33 olympischen Fachverbänden in der Vollversammlung einer Dachorganisation nicht nur die alleinige Entscheidung in allen olympischen Fragen und das alleinige Nutzungsrecht der olympischen Symbole (fünf Ringe) sichern, sondern generell „die Festschreibung einer Mehrheit in der künftigen Vollversammlung“. Nur unter diesen Voraussetzungen ist man zum Zusammenschluß bereit, daran gibt es für NOK-Präsident Klaus Steinbach keinen Zweifel. „Wir bieten Gespräche über eine Verschmelzung an, aber diese Gespräche sind ergebnis-offen.“
Leistungssport soll vom NOK verwaltet werden
Unabhängig von der Frage der Vereinigung, die ab Mitte 2006 greifen würde, verlangt das NOK in Zukunft mehr Einfluß für den „Bereich Leistungssport“ (BL), der bislang beim DSB angesiedelt ist. Steinbach: „Die Verantwortung der olympischen Fachverbände muß gestärkt werden. Es kann doch nicht sein, daß wir die Olympiamannschaften nur absegnen dürfen, aber dann dafür verantwortlich gemacht werden, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.“ Damit zielt der NOK-Präsident auf die Athen-Prognosen von DSB-Vize Ulrich Feldhoff ab, der als BL-Chef „Platz 3“ der Nationenwertung vorgegeben hatte, während Steinbach stets nur von Rang 5 sprach (am Ende wurde es Platz 6).
Mit seinen Forderungen will das NOK die Offensive in einer Diskussion übernehmen, die bislang eindeutig vom DSB und seinem Präsidenten Manfred von Richthofen bestimmt wurde. 1996 in Chemnitz war er mit seinem ersten Vorstoß klar gescheitert. Bis zuletzt hatte das NOK jeden Gedanken an eine Fusion unter Hinweis auf das damalige Votum abgeblockt und nur im Bereich Spitzensport für eine Neuordnung plädiert
Durch Einigkeit zum Erfolg
Doch nach dem schwachen Abschneiden in Athen wurde der Aufruf zur Vereinigung immer lauter. Selbst Innenminister Otto Schily („Natürlich muß der Sport das selbst bestimmen“) schaltete sich ein, aus dessen Haus die Mittel für den Spitzensport fließen. Feldhoff: „Wenn wir nicht selbst handeln, nimmt uns die Politik das Heft aus der Hand.“ Den letzten Anstoß gab IOC-Mitglied Thomas Bach, der sich Anfang September zu Wort meldete: „Der deutsche Sport muss endlich mit einer Stimme sprechen.“
Geht es nach dem Zeitplan des DSB, dessen Bundestag Anfang Dezember in Bremen folgt, soll die Strukturreform-Kommission bis März 2005 ihre Vorschläge zur neuen Dachorganisation erarbeiten. Im August 2005 soll die Satzung stehen. Ende 2005 müßten dann NOK und DSB jeweils mit Zweidrittel-Mehrheit ihre Auflösung und die „Verschmelzung“ beschließen.
Schleppende Personalbeschaffung
Bislang allerdings ist noch nicht einmal der „Moderator“ für die Strukturkommission gefunden. Nach Absagen von Ex-Außenminister Klaus Kinkel und Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat sich Tischtennis-Ehrenpräsident Hans-Wilhelm Gäb als neuer Wunschkandidat Bedenkzeit bis nach der NOK-Mitgliederversammlung erbeten.