07.02.2012 · Mit den Sternen des Sports werden Sportvereine für ihr soziales Engagement gewürdigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel verlieh nun den Großen Stern an den Essener Verein MTG Horst.
Von Michael Reinsch, BerlinVon der Weltbühne tritt Angela Merkel offensichtlich gern in die Welt des Schul- und Vereinssports. Um zum dritten Mal den „Großen Stern des Sports“ zu überreichen – im Gebäude der DZ-Bank am Brandenburger Tor –, nahm sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag fast zwei Stunden Auszeit von Euro-Rettung und Schuldenkrise und bewies, dass sie auch „kleine Münze wechseln“ kann.
Das ZDF solle einfach mehr über den Sport diesseits des Fußballs berichten, erwiderte sie unter dem stürmischen Applaus der Vertreter von Vereinen und Verbänden auf die Frage von Dunja Hayali, wie diese denn die ihnen gebührende Aufmerksamkeit erhalten könnten.
Im übrigen, sagte Frau Merkel, möge die Fernsehmoderatorin ihrem Intendanten ausrichten, dass sein Haus nicht nur über das berichten solle, was nicht klappt, sondern ab und zu auch mal über das, was klappt; dabei deutete sie mit beiden Armen ins Publikum. Die Zuhörer dankten es ihr und goutierten die Aussage abermals mit hellem Jubel.
„Wir hätten vieles und vielleicht das allermeiste in Deutschland – auch den Leistungssport – nicht ohne Ehrenamt“, rief sie. Als die Kanzlerin dann noch entschied, die Reihenfolge der Auszeichnungen so zu ändern, dass die Märkische Turn-Gemeinde Essen-Horst den Goldenen Stern, Scheck und Händedruck von der Regierungschefin nicht als erste, sondern nach dem Sportklub der Deutschen Hochschule für Körperkultur Leipzig und der Spvgg. Ahorn aus Coburg zum krönenden Schluss erhielt, tauchte die Weltpolitik wieder auf. Nun könne sie sich vorstellen, wie das bei den internationalen Treffen zugehe, resümierte die entmachtete Moderatorin.
Dass im achten Jahr dieses Wettbewerbs der Vereine nicht einmal ein Drittel, nämlich nur 320 von 1100 Volks- und Raiffeisenbanken, das Engagement ihre Dachverbandes teilen, war nicht mehr als eine Randbemerkung.
Auch der Hinweis von Turner und Jurymitglied Fabian Hambüchen, dass viele der 2500 Bewerbungen sich im Bemühen um Integration ähnelten und manches Eigenlob einer kritischen Überprüfung womöglich nicht standhalte, verdient Aufmerksamkeit im Alltag. Doch der Dienstag war, dafür sorgte Angela Merkel, für den Vereinssport Feiertag.