Home
http://www.faz.net/-gu9-7864v
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Sportgericht glaubt nicht an Rassismus Onukogu gesperrt

Das Sportgericht tagt und macht das Opfer zum Täter. Ikenna Onukogu wird gesperrt, weil er sich gegen rassistische Beleidigungen mit einem Flaschenwurf gewehrt hatte.

© dpa Vergrößern Onukogu gegen Dostlukspor: Platzverweis und Spielabbruch werden dem Torwart zur Last gelegt, der sich nun in einem offenen Brief äußert

Der Torhüter von Bezirksligaklub Hertha Hamborn, Ikenna Onukogu, ist am Donnerstagabend wegen eines Flaschenwurfs von der Bezirksspruchkammer des Fußball-Verbands Niederrhein bis zum 16. Mai gesperrt geworden. Der Torhüter wiederholte vor dem Sportgericht in der Sportschule Wedau den Vorwurf, er sei zuvor ständigen rassistischen Beleidigungen ausgesetzt gewesen, die zum Flaschenwurf und dem Spielabbruch geführt hätten.

Michael Horeni Folgen:  

In der knappen mündlichen Urteilsbegründung kam das Gericht laut Onukogus Anwalt Heiner Kahlert zu dem Schluss, dass es nicht mit „ausreichender Sicherheit“ Beweise für rassistische Beleidigungen gegeben habe. Das Gericht habe Provokationen eingeräumt, aber eben nicht, ob sie auch rassistisch gewesen seien. Ein Zuschauer und ein Mitspieler Onukogus, sagte der Münchner Anwalt, der den Torhüter kostenfrei vertrat, hätten die rassistischen Beleidigungen vor Gericht allerdings bestätigt. Es habe aber auch andere Aussagen gegeben. Das Verfahren des Verbandes gegen den gastgebenden Verein Dostlukspor Bottrop wegen rassistischer Beleidigungen wurde eingestellt.

Mehr zum Thema

Als Hinweis, dass es vor der Attacke Onokogus zu entsprechenden Vorfällen gekommen sei, wertet der Anwalt die Strafe von nur sechs Spielen. Eine Sperre in vergleichbaren Fällen, bei denen ein Spieler einen Spielabbruch provoziert, falle ansonsten deutlich höher aus. Die Bezirksspruchkammer habe in der Urteilsbegründung auch von einem „sportwidrigen Verhalten“ im Vorfeld gesprochen, ohne dies weiter auszuführen.

Onukogu sagte vor Gericht, er habe nach rassistischen Anfeindungen die Zuschauer zur Rede stellen wollen und sei geschubst worden, schrieb das Nachrichtenportal „Der Westen“. Andere Zeugen beschrieben demnach, dass die Leute im Publikum eine Abwehrhaltung eingenommen hätten, da Onukogu auf sie zugestürmt sei. „Der Torwart ist wie verrückt auf dem Platz herumgesprungen“, sagte der Schiedsrichter, der die Tumulte als „wildes Hin und Her“ beschrieb.

Dostlukspor erhält zudem die drei Punkte, die Partie wurde als 2:0-Sieg gewertet. Zum Zeitpunkt des Abbruchs hatte Bottrop 1:0 geführt. Der Verein prüft, Rechtsmittel einzulegen. Eine schriftliche Urteilsbegründung sei ansonsten nicht zu erhalten.

Strittig blieb laut Kahlert auch die Frage, ob die Flasche, die Onukogu in die Zuschauer warf, auch von dort gekommen sei. „Er hat die Flasche aus dem eigenen Tor genommen und ist dann auf die Zuschauer losgestürmt“, sagte der Schiedsrichter laut „Der Westen“. Es habe sich um die Flasche des Torhüters gehandelt, die schon während des Spiels in seinem Tor gelegen habe. „Es gab unterschiedliche Aussagen, wo die Flasche herkam“, sagte Kahlert. Der nigerianische Torhüter war nach Angaben seines Anwalts tief enttäuscht von dem Urteil. Onukogu wisse nicht, ob er nun noch weiter in Deutschland Fußball spielen werde.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gewalt im Amateurfußball Ein böser Kreis

Gewalt im Amateurfußball gab es schon immer, aber in letzter Zeit häufen sich brutale Fouls und Spielabbrüche - und oft sind Spieler mit Migrationshintergrund dabei. Ist das Fakt oder nur gefühlte Realität? Mehr Von Mona Jaeger

20.11.2014, 08:23 Uhr | Sport
Dortmund Ratsmitglied stellt Anfrage nach Zahl der Juden

Eine Anfrage der Partei Die Rechte im Dortmunder Stadtrat zur Zahl der Juden in der Ruhrgebietskommune hat für Empörung gesorgt. Die Stadt will die Anfrage nun dem Staatsschutz weiterleiten. Mehr

14.11.2014, 17:58 Uhr | Politik
Champions League Kuriose Unterbrechung in Lissabon

Auch Chelsea und Donezk ziehen vorzeitig ins Achtelfinale ein. Ibrahimovic trifft beim Comeback, Rom vergibt in letzter Sekunde den Sieg. Und in die Verlängerung müssen die Spieler in Lissabon – nach einer langen Unterbrechung. Mehr

25.11.2014, 20:14 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.04.2013, 15:31 Uhr

Hilfe oder Schminke?

Von Michael Reinsch

Chinas Staatssport demonstriert Entschlossenheit im Kampf gegen Doping. Die Wada bekommt nicht nur eine üppige Spende. Haben die Chinesen etwa einen Hintergedanken bei ihrem Engagement? Mehr 1