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Sportausschuss : Selbst aus dem Spiel genommen

Schlechter Start: Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses, würde wohl öffentlich tagen, aber die CDU lieber nicht Bild: dpa

Neuer Sportausschuss, altes Spiel: Wieder steht zur Diskussion, ob öffentlich getagt werden soll. Die CDU bleibt auf Konfrontationskurs.

          Keinen großen Zinnober solle man um den Sportausschuss des Deutschen Bundestages machen, sagt der Abgeordnete Eberhard Gienger, genauer: um die Frage, ob das Gremium öffentlich oder hinter verschlossenen Türen tage. Damit liegt der einstige Turn-Weltmeister und heutige sportpolitische Sprecher der Unions-Fraktion auf Konfrontationskurs. Die Grünen, die Linke und Koalitionspartner SPD wollen allesamt, wenn sie über Sport sprechen, dies vor allem öffentlich tun.

          Schon vor der konstituierenden Sitzung des Sportausschusses am Mittwoch sind sie damit abgeblitzt. Gienger widersetzte sich dem Anliegen, Sport auch im politischen Raum wieder zu einer öffentlichen Angelegenheit zu machen, und führte dafür ins Feld, dass es erstens schon immer so war, und zwar generell in allen Ausschüssen des Hohen Hauses, und dass zweitens sensible Themen vertraulich behandelt werden müssten.

          Diese nicht sonderlich originelle Argumentation war schon im Oktober 2011 die offizielle Linie, als die Abgeordneten der Union die Tür des Sportausschusses zuschlugen. Allerdings wusste jeder, dass der wahre Grund war, dass Abgeordnete sich auf den Bildschirmen ihrer elektronischen Geräte Patiencen gelegt hatten. Diese Spiele waren von der Besuchergalerie aus deutlich zu sehen gewesen und hatten ihren Weg in die Berichterstattung gefunden. Man spielte, statt Politik zu machen.

          Ein schlechter Start

          Ob es dabei bleibt, dass der Sportausschuss als Gremium der öffentlichen Debatte über die Sportpolitik in Deutschland ausfällt - eine Funktion, die niemand anders übernehmen kann -, werden die Mitglieder des Ausschusses nicht entscheiden. Die Obleute haben es den Parlamentarischen Geschäftsführern ihrer Fraktionen übertragen, das Patt zu beenden. Wenn man davon ausgeht, dass es ohnehin nicht die Schwergewichte des politischen Betriebs in Berlin sind, die sich zum Beispiel mit den komplexen Themen Doping-Bekämpfung, staatlicher Sportförderung und den integrativen Aspekten des Sports beschäftigen, muss man konstatieren, dass der Ausschuss sich damit schon vor seiner ersten Sitzung geschwächt hat.

          Nun entscheiden die Großen, ob die Sportpolitiker in den hinteren Reihen die Chance erhalten, an das Treiben und die Versäumnisse des Sports eine politische Elle anzulegen, den Sport über Resultate und Geschichten hinaus mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit abzugleichen. Ein schlechter Start.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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          Quelle: F.A.Z.

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