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Sport und Politik Phänomen Serbien

30.01.2012 ·  Die Erfolge serbischer Sportler am perfekten Sonntag waren beeindruckend. Die nationalistisch geprägten Kommentare in manchen Zeitungen eher beunruhigend.

Von Michael Martens
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Ein großer Tag für ein kleines Land: Am Montag bereitete sich die serbische Hauptstadt Belgrad auf den Empfang der Helden vom Sonntag vor. Bei der Feier für die Nationalmannschaften im Wasserball, die Europameister geworden waren, und ihre Kollegen vom Handball, deren Erfolgsserie erst im Belgrader Finale von Dänemark beendet werden konnte, wurden Zehntausende erwartet. Zu feiern gab es auch den Triumph des Tennisstars Novak Djokovic in Melbourne. Der serbische Staatssender RTS übertrug den Empfang für Serbiens Sieger direkt.

Es war ein perfekter Sonntag, jedenfalls in Australien und bei den Wasserballern. Während den Belgrader Medien langsam die Superlative für ihren „Superserben“ Djokovic ausgehen, hat das Land zumindest aus Sicht serbischer Nationalisten das Kunststück vollbracht, im Wasserball zugleich Europameister und Zweiter zu werden. Der knapp unterlegene Finalgegner war schließlich Montenegro, gegen das man im Finale 2008 noch verloren hatte. Montenegro hatte sich erst im Mai 2006 in einem Referendum von Serbien losgesagt und für die Eigenständigkeit als Miniaturstaat entschieden, was viele Serben zu der Ansicht führt, „eigentlich“ seien die Montenegriner ebenfalls Serben. Entsprechend nationalistisch fielen manche Kommentare aus, so im Belgrader Massenblatt „Novosti“: „Am Sonntag gab es innerhalb von weniger als neun Stunden zwei Mal Gold und einmal Silber. Das können nicht die Reichsten und Mächtigsten, aber Serbien kann es! Wir haben gezeigt das wir ein Weltphänomen sind.“

Immerhin ist es nicht nur für Serbien, sondern auch für die Nachbarstaaten beruhigend, dass das Land nun als sportliche Großmacht für Schlagzeilen sorgt und nicht mehr durch Kriege. Dieselben Medien, die in nationalistischem Furor wenige Tage zuvor noch die Entlassung des serbischen Schriftstellers Sreten Ugricic als Direktor der Nationalbibliothek herbeigeschrieben hatten, weil der einen kritischen montenegrinischen Journalisten unterstützt hatte, feierten nun die sportlichen Triumphe des Landes in ähnlicher Tonart. Denn Politik spielt immer noch eine Rolle im serbischen Sport.

Wenn serbische Medien Djokovic loben, weil er der beste Tennisspieler des Planeten und ein Botschafter Serbiens sei, gilt das auch seinem sogenannten politischen Engagement. Djokovics Vater stammt aus Zvecan im serbisch dominierten Norden des Kosovos, und der Sohn widmet all seine Tennissiege den Kosovo-Serben. Kurz nach der von Belgrad nicht anerkannten Unabhängigkeitserklärung des Kosovos im Jahr 2008 nahm „Nole“ per Videoschaltung sogar an einer Kundgebung in der serbischen Hauptstadt teil, um die Loslösung der Provinz von Serbien zu verdammen: „Kosovo ist Serbien, und so muss es immer bleiben“. Solche Äußerungen mögen der Grund sein, warum man sich in den Nachbarstaaten nicht gänzlich unbefangen mitfreuen kann über die großen Erfolge des kleinen Serbien.

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Jahrgang 1973, politischer Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Istanbul.

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