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Spitzensportförderung : Ein Sportministerium im Kanzleramt?

Kampf um Medaillen - mit frischen Ideen Bild: dpa

Weil der deutsche Spitzensport nur bedingt zukunftsfähig ist, fordert eine Strategiegruppe massive Änderungen: Die Spitzensportförderung soll etwa in ein eigenständiges Ministerium verlagert werden.

          Der deutsche Spitzensport will seine Organisationsstruktur signifikant verändern und damit einem drohenden Leistungsverlust etwa ab den Olympischen Sommerspielen 2016 entgegenwirken. Nach Informationen dieser Zeitung will eine Art Strategie-Kommission des deutschen Sports den Bereich Leistungssport als Steuerungselement aus dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ausgliedern und personell stärken. Dafür wird die Gründung einer Gesellschaft in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH vorgeschlagen; Gesellschafter soll der DOSB sein. Im Aufsichtsrat werden, so die Vorstellung, neben dem Dachverband des deutschen Sports der Staat, Wirtschaft und Verbände vertreten sein. Das geht aus einem dieser Zeitung vorliegenden Papier der Strategie-Kommission hervor. Sie ist die Initiative von hauptamtlichen Mitarbeitern aus Winter- wie Sommersportverbänden. Geleitet wird die Arbeitsgruppe von Thomas Pfüller, Sportdirektor des Deutschen Ski-Verbandes. Bernhard Schwank, Direktor des Geschäftsbereichs Leistungssport im DOSB, ist in die Beratungen eingebunden. Über die Vorschläge soll diskutiert und auf der Mitgliederversammlung des DOSB im Dezember abgestimmt werden.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Auffällig und zugleich konfliktbeladen ist die Forderung der Vordenker, die Zuständigkeit der Spitzensportförderung des Bundes zu verlagern. Sie denken an ein „eigenständiges und dem Bundeskanzleramt angebundenes Ministerium (...), das die Aufgaben des Sports und Leistungssports umfassend koordinieren und politisch effektiv vertreten kann“. Die Spezialisten aus der ersten Reihe des Leistungssports würden gern einen Sachwalter des Sports etablieren, der wie der Staatssekretär für Kultur und Medien, Bernd Neumann, großen politischen Einfluss mit großem Engagement in der Sache verbindet. Neumann verfügt über einen Etat von 1,3 Milliarden Euro und agiert souverän auf einem Terrain, für das, ähnlich wie im Sport, auch die Länder die Hoheit für sich beanspruchen.

          Zu wenige Bundestrainer

          Grundlage auch für diese Überlegungen ist die Analyse der Lage des Spitzensports. Laut Strategie-Kommission fehlt es an Trainern, Sportstätten und Nachwuchs - und vor allem an Geld. Es müsse konstatiert werden, „dass die Spitzensportförderung in Deutschland für das Erreichen mittel- bzw. langfristiger Erfolge nur noch bedingt zukunftsfähig ist“, heißt es in dem Papier. Sowohl führende als auch aufstrebende Sportnationen organisierten ihren Spitzensport immer professioneller. Dabei sei eine Konzentration auf medaillenträchtige Sportarten und Disziplinen festzustellen. „Wenn wir an unserer Sportkultur festhalten wollen, an der Breite der olympischen Sportarten, wenn wir nicht einbrechen wollen, was die Erfolge betrifft, dann brauchen wir mehr Geld“, sagte ein Mitglied der Strategie-Kommission auf Anfrage.

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