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WM-2006-Affäre : Verspielte der DFB seine große Chance leichtfertig?

  • Aktualisiert am

Zwei, die die WM-2006-Affäre aufklären könnten: Mohamed Bin Hammam und Franz Beckenbauer (rechts, Bild von 2000) Bild: dpa

Vom DFB hieß es bei der Aufklärung der Affäre um die WM 2006 immer, dass es keine Möglichkeit gebe, mit dem korrupten Mohamed Bin Hammam zu sprechen. Nun aber gibt es neue Unterlagen.

          In der Affäre um die WM 2006 wird nun auch die neue Spitze des Deutschen Fußball-Bundes durch Enthüllungen des „Spiegels“ belastet. Das Nachrichtenmagazin zitiert in seiner neuen Ausgabe aus Unterlagen der Fifa-Ethikkommission und kommt zu dem Schluss, dass das aktuelle DFB-Präsidium 2016 „leichtfertig die Chance verspielt hat, das Rätsel um die Vergabe des Weltmeisterschaftsturniers 2006 aufzulösen“.

          Konkret geht es um Aussagen des DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch vor den Ethikhütern des Fußball-Weltverbandes im April 2016. Dabei soll Koch ein „kurzes Schreiben von Bin Hammam“ bestätigt haben, in dem der frühere Fifa-Funktionär aus Qatar erklärt habe, „dass er bereit sei, Aussagen zu machen, und bereit sei, uns in Doha zu empfangen“. Der DFB sei darauf jedoch nicht eingegangen. Bislang hatte vor allem DFB-Präsident Reinhard Grindel immer betont: „Was wir in der WM-Affäre aufklären konnten, ist aufgeklärt.“ Man habe keine Chance, an Informationen von Bin Hammam zu kommen.

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          Der nachweislich korrupte Funktionär aus Qatar ist eine der Schlüsselfiguren des Skandals. Im Jahr 2002 floss eine Millionensumme von einem Konto des WM-Organisationschefs Franz Beckenbauer über die Schweiz an eine Firma von Mohamed Bin Hammam. Beckenbauer hatte für diese Zahlung wiederum einen Millionenbetrag von dem früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus erhalten. Das WM-Organisationskomitee zahlte diese umgerechnet 6,7 Millionen Euro im April 2005 falsch deklariert an Louis-Dreyfus zurück. Wofür das Geld ursprünglich verwendet wurde, ist nach wie vor nicht geklärt.

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          Der DFB muss nun Steuern in Höhe von 19,2 Millionen Euro nachzahlen. Das Finanzamt Frankfurt am Main stellte dem DFB einen geänderten Steuerbescheid für 2006 zu und will ihm auch noch die Gemeinnützigkeit für das WM-Jahr entziehen. Die DFB-Spitze kündigte jedoch an, diese Entscheidung anzufechten. „Die in den geänderten Bescheiden festgesetzten Steuern wird der DFB fristgerecht zahlen und anschließend auf dem Rechtsweg die Rechtmäßigkeit der Steuerbescheide überprüfen lassen“, heißt es in einer Mitteilung.

          Der Verband hatte die drohenden Nachzahlungen zum ersten Mal im Juli bei der Vorstellung seines Finanzberichtes eingeräumt. Gemessen an einem Umsatz von rund 305 Millionen Euro erscheint eine Summe von 19 Millionen für den größten Sportfachverband der Welt verkraftbar. Doch die Bewältigung der WM-Affäre fällt in eine Zeit, in der der DFB vor massiven Investitionen in seine rund 145 Millionen Euro teure Akademie steht. Bereits das Geschäftsjahr 2016 schloss der Verband nur deshalb mit einem positiven Ergebnis von 7,807 Millionen Euro ab, weil er dazu Rücklagen in Höhe von 12,329 Millionen verwendete.

          Ausgangspunkt ist eine Millionen-Zahlung, die der WM-Organisator Beckenbauer 2002 über die Schweiz auf ein Konto in Qatar leistete, das zu dem Firmengeflecht des damaligen Fifa-Funktionärs Bin Hammam gehörte. Kurz darauf erhielt Beckenbauer diese Summe als Darlehen von Louis-Dreyfus zurück, der wiederum sein Geld drei Jahre später vom DFB zurückforderte. Dieser Schritt ist für die steuerliche Bewertung der WM-Affäre entscheidend, denn 2005 überwies der Verband die 6,7 Millionen über ein Konto des Weltverbandes Fifa an den früheren Adidas-Boss. Er verschleierte das Geld in seiner Steuererklärung für 2006 allerdings als Kostenbeitrag zu einer WM-Gala. Und die fand nie statt.

          Die falsche Deklarierung leugnet der DFB nicht einmal. Der Verband argumentiert aber: Louis-Dreyfus habe Beckenbauer das Geld gegeben, um einen Organisationskosten-Zuschuss von der Fifa abzusichern. Die 6,7 Millionen stünden deshalb in einem direkten Zusammenhang mit der WM. „Der DFB ist unverändert der Auffassung, dass die Zahlung der 6,7 Millionen Euro betrieblich veranlasst war und deshalb zu Recht steuerlich als Betriebsausgabe geltend gemacht wurde. Demzufolge fehlt es auch an einer Grundlage für eine Versagung der Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006“, heißt es in der Mitteilung.

          Das Finanzamt sieht das anders. Nach Auffassung der Behörde hätten die 6,7 Millionen Euro nicht verschleiert und schon gar nicht steuerlich geltend gemacht werden dürfen. Das Finanzamt sieht darin einen schweren Fall von Steuerhinterziehung. „Süddeutsche Zeitung“, WDR, NDR sowie die „Bild“-Zeitung zitierten im März sogar aus einem Zwischenbericht der Steuerfahndung, in dem von „Luftbuchungen“ und „Scheingeschäften“ beim DFB die Rede ist. Der Verband ist sich seiner Sache aber offenbar trotzdem sehr sicher. Denn aus dem Finanzbericht vom Juli geht hervor, dass in dem Abschluss für das Geschäftsjahr 2016 „keine Rückstellung für steuerliche Risiken“ gebildet wurden.

          Quelle: tora./dpa

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