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Sotschi 2014 Nebel im Paradies

 ·  „Nachhaltigkeit“ ist das Gütesiegel für Projekte, die in ferner Zukunft eine halbwegs natürliche Umwelt garantieren sollen. Für die Winterspiele in Sotschi aber steht schon 15 Monate vor der Eröffnungsfeier fest, dass im Nachhaltigkeits-Wettbewerb fast alles verloren ist.

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© REUTERS Vergrößern Ganz oben: Arbeiter auf dem Dach des Bolschoi-Eistheaters für die Winterspiele

Es wird ein Paradies sein. Sotschi, Stadt am Schwarzen Meer, Ausrichter der Olympischen Winterspiele 2014. Vom Garten Eden für Spitzensportler hat der Organisationschef Tschernyschenko in diesen Tagen nicht gesprochen, als er Journalisten die Sportstätten vorführte. Der Vergleich eines deutschen Besuchers, Experte für Wintersport, hätte ihn also strahlen lassen.

Aber einige Worte später wäre sein Lächeln zweifellos zu einer Grimasse gefroren. Denn dieser kundige Augenzeuge aus Deutschland kennt keinen besseren Ort, Sportfreunden die Lust an Olympia zu verderben: „Was da so in ein Tal gehauen wird, da wird man glatt zum Olympiahasser. Brutal.“

Das ist der Zustandsbericht eines leidenschaftlichen Olympia-Profis. Es werde schön sein, sagt er noch, falls alles fertig ist und der Schnee wie ein Sahnehäubchen die Bausünden kaschiert. Was aber, wenn nach 14 Tagen olympischer Heiterkeit die Jugend der Welt wieder aus ihrem Kurzzeit-Paradies auszieht? Dann soll der russische Tourismus die teuren Hotels füllen und der hochdekorierte Sportkamerad die Sportstätten jahrein, jahraus fürs Training nutzen.

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© dpa Vergrößern Sotschi im Herbst 2012: Hier sollen in 15 Monaten olympische Winterspiele stattfinden

„Nachhaltigkeit“ nennt man das heute. Es ist das Gütesiegel für alle Projekte, die in ferner Zukunft eine halbwegs natürliche Umwelt garantieren sollen. Auch das Internationale Olympische Komitee legt als Herr der Spiele größten Wert auf diese Qualität. Für Sotschi aber steht schon 15 Monate vor der Eröffnungsfeier fest, dass im Nachhaltigkeits-Wettbewerb fast alles verloren ist.

Nebel im Kanal, Blindflüge der Elite

Russland-Experten hegen arge Zweifel, ob genügend Bürger aus dem Mittelstand eine Flugreise für ein Ski-Wochenende nach Sotschi auf sich nehmen und dabei der greifbaren Gefahr militanter Muslime aus dem Nordkaukasus trotzen. Sportspezialisten können kaum glauben, dass sich russische Athleten auch nach Olympia auf den erstklassigen Sportstätten tummeln werden.

Ein Beispiel? Schneesicher und kalt ist es von Januar bis März. Jetzt, im November, verwandeln Kunsteis und Regen die Bob- und Rodelbahn in eine Waschküche. Von Nebel im Kanal war am Donnerstag die Rede, von Blindflügen der Elite.

Viel Geld in der Hand, wenig Zukunft im Hirn

Vor Januar wird Sotschis Rutsche den Russen also keine hilfreiche Trainingsstätte sein. Dann aber ist der Tross längst im Weltcup-Zirkus unterwegs. Wahrscheinlich wird er nach 2014 kaum Station an der neuen Bahn machen. Denn der Transport von Mensch und Material etwa aus Frankfurt kostet doppelt so viel wie ein Flug in die Vereinigten Staaten.

Ja, die russischen Olympiaplaner, viel Geld in der Hand, aber wenig Zukunft im Hirn, könnte man glauben. In diesem Fall sind ihnen die Europäer voraus. In Cesana wird der Eiskanal schon wieder nicht vereist. Er galt als Prunkstück der Winterspiele 2006 von Turin. Heute ist er eine leere Betonröhre.

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09.11.2012, 15:32 Uhr

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