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Russlands Olympiasperre : „Wie sollen wir an Sauberkeit glauben?“

Gemeinsam gegen Doping: IAAF-Präsident Coe und Dopingermittler Rune Andersen (r.) Bild: Reuters

Die russischen Leichtathleten sind von Olympia ausgeschlossen. Andere Sportarten sind nicht anktioniert. IAAF-Präsident Sebastian Coe und Doping-Ermittler Rune Andersen sprechen im Interview über die Folgen der Ermittlungen für den Sport Russlands.

          Wie würden Sie die Dimension Ihrer Entscheidung beschreiben?

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Coe: Es war ein Urteil, das einstimmig getroffen wurde, basierend auf einem Report, den die Task Force einstimmig empfohlen hat. Wir haben es im besten Sinne unseres Sports getroffen.

          Und im Blick auf die Folgen?

          Coe: Die Folgen? Sie müssen verstehen, dass wir das Wohl der Welt-Leichtathletik im Sinn hatten. Wir haben das nicht an Politik ausgerichtet oder an dem, was andere Sportarten sagen oder tun würden. Es war absolut lebensnotwendig. Die Zukunft unseres Sports saß mit im Raum. Natürlich, wir wissen, dass dies eine große Entscheidung ist. Aber in erster Linie ist es eine große Entscheidung im Interesse unserer Sportart.

          Haben Sie Druck verspürt?

          Coe: Nicht von mir.

          Andersen: Von vielen Seiten und überall auf der Welt. Wenn wir die Russen in Moskau getroffen haben, wollten sie, dass wir schnell machen. Sie wollten, dass wir anerkennen, was sie geleistet haben, eins zu eins. Wir hatten Input aus vielen, vielen Quellen.

          Von der olympischen Familie?

          Andersen: Ich will nicht in Details gehen über das, was wir tun und was wir nicht tun sollten.

          Haben Sie einen Zeitrahmen für die Rückkehr der russischen Leichtathleten?

          Andersen: Der Zeitrahmen besteht darin, die Kriterien zu erfüllen. Es ist an den Russen, zu entscheiden. Sie hätten schneller sein können. Wenn sie von Anfang an, seit November vergangenen Jahres, den Prozess beschleunigt hätten, wären sie viel weiter. Wann dies zu Ende ist? Unmöglich zu sagen.

          Sie zeichnen ein Bild, das weit über die Leichtathletik hinausgeht. Besorgt Sie der Zustand des gesamten Testsystems?

          Andersen: Als Anti-Doping-Mensch besorgt es mich. Als ehemaliger Mitarbeiter der Wada besorgt es mich. Und es besorgt mich als jemand, der in seinem Land mit Anti-Doping-Aufgaben befasst ist. Unsere Athleten verlangen, nicht nur in der Leichtathletik, dass wir etwas unternehmen, in allen Sportarten. Wenn es in einem Land ein System gibt, wie es sich in der Leichtathletik zeigt, wie sollen wir glauben, dass der Rest des Sports sauber ist?

          Ist die Welt-Anti-Doping-Agentur, ist die Wada gescheitert?

          Andersen: Nein. Die Wada ist nicht gescheitert. Sie hat Regeln, die für den Sport auf der ganzen Welt gelten. Die Wada hat Standards entwickelt, die durchgesetzt werden. Diese Operation hier basiert auf einem Report der Wada ...

          ... auf dem Bericht der Unabhängigen Kommission von Richard Pound.

          Andersen: Es geht also voran. Es geht in die richtige Richtung. Es wird weiter ermittelt. Es gab Appelle von Sportlern, weitere Ermittlungen in Russland anzustellen. Man kann nicht annehmen, dass systematisches Doping allein in der Leichtathletik stattfand.

          Welcher Sportart, welchem Land sollte sich die nächste Task Force widmen?

          Coe: Diese Task Force konzentriert sich auf Russland. Es geht um die Rückkehr des russischen Verbandes und der russischen Leichtathleten in internationale Wettbewerbe.

          Sind die Task Force und diese Entscheidung der Anfang von etwas Größerem?

          Coe: Ich messe diese Entscheidung allein an der Bedeutung für unseren Sport. Wenn - und ich gestehe zu, dass dies ein positives Ergebnis wäre -, wenn wir auf irgendeine Art und Weise einen Plan für andere Verbände und andere Sportarten erstellt hätten, wäre das schön. Aber unser Urteil wurde einzig und ganz eng gefasst auf das hin gefällt, von dem wir glauben, dass es in unserem Interesse ist. Noch einmal: Die Kriterien waren klar. Dies war nicht subjektiv, dies ist kein Ad-hoc-Urteil aufgrund eines Zeitungsartikels oder einer Dokumentation.

          Gibt es irgendeinen Grund anzunehmen, dass es in anderen Sportarten besser ist als in der Leichtathletik?

          Andersen: Wir haben uns auf die Leichtathletik konzentriert. Aber wir haben auch enthüllt, dass das System nicht funktioniert. Das bedeutet nicht das System der Leichtathletik allein, sondern auch, dass die russische Anti-Doping-Agentur Rusada nicht funktioniert. Dass die russische Regierung positive Tests herausgefiltert hat. Daraus kann man Schlüsse ziehen. Aber das will ich jetzt nicht, jetzt geht es um Leichtathletik.

          Braucht die internationale Doping-Bekämpfung nicht eine grundlegende Reform in dem Sinne, dass nicht mehr Kontrollorganisationen für die Athleten ihres eigenen Landes zuständig sind?

          Andersen: Dies ist eine sehr interessante Frage. Ich habe mir Kontrollsysteme auf der ganzen Welt angeschaut, und die Wada beschäftigt sich mit diesem Thema. Die zuständigen Organisationen, die Wada und die nationalen Anti-Doping-Agenturen müssen das dringend behandeln.

          Thomas Bach, der IOC-Präsident, wollte, dass Sie die Tür einen Spalt breit offen halten für russische Athleten. In welcher Verfassung reisen Sie am Dienstag zum Gipfel mit ihm und den anderen Verbänden nach Lausanne: kämpferisch?

          Coe: Wir haben ein sehr enges Arbeitsverhältnis mit dem IOC. Wir sind die größte olympische Sportart. Von den zehneinhalbtausend Sportlerinnen und Sportlern bei Olympischen Spielen sind ein Fünftel Leichtathleten. Wir haben keine Konfrontation. Dies wird kein kämpferisches Treffen. Ich vertrete meinen Sport und dessen Interessen. Dazu bin ich gewählt worden, so habe ich es in der Vergangenheit getan, und so werde ich es noch einige Jahre lang tun.

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