Russland sieht sich nach IOC-Entscheidung als Opfer
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Reaktionen aus Russland : Olympische Wallungen gegen den Westen

Echte Freunde: IOC-Präsident Bach (links) hielt sich, wie hier während der Spiele in Sotschi 2014, mit Kritik an Putin stets zurück. Bild: dpa

Die Entscheidung des IOC, keine Auswahl Russlands zu den Winterspielen zuzulassen, trifft das Land hart. Man sieht sich als Opfer einer feindlichen Kampagne.

          Ab Dienstagabend war „unischenije“ das Wort der Stunde im russischen Staatsfernsehen. Es bedeutet Demütigung, Erniedrigung. Der Vorwurf richtete sich vordergründig an das Internationale Olympische Komitee (IOC), das wegen des erwiesenen Staatsdoping-Systems beschlossen hatte, keine Auswahl Russlands zu den Olympischen Winterspielen in Südkorea im Februar zuzulassen. Einzelne „saubere“ Athleten sollen unter neutraler Flagge antreten dürfen, als „olympische Athleten aus Russland“.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Es gab weder einen Komplettausschluss russischer Athleten noch die Forderung an Moskau, den Betrug zuzugeben und sich zu entschuldigen. Man könnte das als Kompromiss, als goldene Brücke sehen. Stattdessen wird die Lausanner Entscheidung vom Moskauer Politpersonal und den gelenkten Medien zur nationalistischen Aufwallung und zur Mobilisierung gegen „den Westen“ genutzt. Denn geopolitische Gegnerschaft ist das wichtigste Thema Wladimir Putins vor den Präsidentenwahlen im März. In diesem Kreml-Bild ist das IOC nur Werkzeug amerikanischer Umtriebe.

          Vorwurf der Einflussnahme

          In diesem Sinne hatte Putin die Russen auf den Schock vorbereitet. Im Oktober machte er auf seinem Valdai-Gesprächsforum in Sotschi „amerikanische Instanzen“ für „starken Druck“ auf das IOC verantwortlich, Russland gar nicht oder nur unter neutraler Flagge zu den Spielen zuzulassen. Eine Demütigung, Erniedrigung seien beide Varianten. „Wenn jemand denkt, auf diese Weise den Verlauf des Wahlkampfs in der Russischen Föderation im Frühling kommenden Jahres zu beeinflussen, irrt er sich zutiefst.“

          Anfang November warf Putin Washington abermals vor, mit Doping-Vorwürfen Einfluss auf die russischen Wahlen nehmen zu wollen, „als Antwort auf unsere angebliche Einmischung“ in die amerikanischen Präsidentenwahlen 2016. Schon da war unverkennbar, was dieser Tage unter Berufung auf das Kreml-Umfeld berichtet wurde: Putin würde die sich abzeichnende Sanktionierung Russlands durch das IOC zum Wahlkampfthema machen. Wenn der Sport keine Triumphe liefert, hält er für die angebliche Feindschaft des Westens her.

          Russland fühlt sich angegriffen

          Während russischen Athleten infolge von Nachkontrollen immer mehr bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 gewonnene Medaillen wegen Dopings aberkannt wurden, starteten die vom Kreml kontrollierten Medien eine Kampagne gegen den vermeintlichen Schuldigen an den Enthüllungen: Grigorij Rodtschenkow, den in die Vereinigten Staaten geflohenen früheren Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors. Jenen Staatsdoping-Mittäter, der zum Kronzeugen wurde. Witalij Mutko, der langjährige Sportminister und aktuelle stellvertretende Ministerpräsident für Sport, durfte Rodtschenkow in einem der Diffamierungsfilme selbst als „Instrument“ bezeichnen, das gegen Russland eingesetzt werde.

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