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Russisches Staatsdoping : Der Präzedenzfall

Sotschi, 23. Februar 2014: Alexander Legkow wird als Olympiasieger geehrt Bild: Imago

Die russischen Skilangläufer Legkow und Below wehren sich mit Hilfe eines deutschen Anwalts gegen ihre lebenslange Doping-Sperre. Die Aufarbeitung des Skandals von Sotschi durch das IOC wird ein Fall für die Gerichte.

          An Pathos fehlt es nicht. „Ich bin Alexander Gennadjewitsch Legkow, Ski-Langläufer, Gewinner der Goldmedaille im 50-Kilometer-Massenstart bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi, und meine Medaille ist sauber. Ich stehe aufrecht und kämpfe.“ Das ist nötig, seit das Internationale Olympische Komitee (IOC) am vergangenen Mittwoch bekanntgab, dass Alexander Gennadjewitsch Legkow Zeit seines Lebens Olympischen Spielen fernzubleiben und seine Olympiamedaillen aus Sotschi – Gold über 50 Kilometer, Silber mit der Staffel – zurückzugeben hat. Die Schweizer Denis Oswald und Patrick Baumann und Juan Antonio Samaranch, Sohn des früheren IOC-Präsidenten aus Spanien selben Namens, sehen es als erwiesen an, dass Legkow und sein Mannschaftskollege Jewgenij Below Teil des Systems waren, mit dem die russischen Olympiagastgeber von 2014 die Welt betrogen haben. Noch immer ist offen, ob und wie das IOC den systematischen Betrug unter maßgeblicher Mitwirkung von Organen der russischen Regierung, des Geheimdienstes und des Sportministeriums sanktionieren will (siehe Text auf dieser Seite).

          Legkows Name hatte auf der Übersicht gestanden, die Gregorij Rodtschenkow vom Moskauer Sportministerium vor den Spielen von Sotschi bekommen haben will. Das allerdings ist schon länger bekannt. Rodtschenkow hatte den Betrug im Mai 2016 in der „New York Times“ geschildert, Richard McLaren, der Ermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, hatte in zwei Berichten Rodtschenkows Angaben im Wesentlichen bestätigt. Doch das IOC unter seinem Präsidenten Thomas Bach hatte im Sommer 2016, noch vor den Sommerspielen von Rio de Janeiro, zwei eigene Untersuchungskommissionen, eine davon unter Oswalds Führung, eingesetzt.

          Im Weltcup startberechtigt, für Olympia gesperrt

          Am 22. Dezember 2016, nach der Veröffentlichung von McLarens zweitem Bericht, hatte die Oswald-Kommission sich neben anderen Legkows und Belows Falls angenommen. Der Internationale Sportgerichtshof Cas bestätigte Ende Mai die daraufhin vom Internationalen Skiverband (Fis) ausgesprochene provisorische Sperre. Die lief am 31. Oktober ab. Im Langlauf-Weltcup dürfen die beiden wieder starten. Am Tag darauf verkündete das IOC: Für Olympia sind sie gesperrt.

          „Das IOC wollte ganz sicher zeigen: Wir sind handlungsfähig“, sagt Legkows Anwalt Christof Wieschemann, der gegen die Entscheidung Einspruch beim Cas eingelegt hat. Wieschemann wartet auf die Begründung der Entscheidung durch das IOC, doch das Vorgehen der Oswald-Kommission greift der Bochumer Anwalt schon jetzt an: „Die Oswald-Kommission hat im März 2017 ein forensisches Gutachten in Auftrag gegeben und ansonsten nichts getan. Sie hat nicht ermittelt. Keine Analysen, keine Zeugenbefragungen, keine Salzanalyse.“

          Noch nicht bereit zur Aufgabe: Legkow will um Olympia kämpfen
          Noch nicht bereit zur Aufgabe: Legkow will um Olympia kämpfen : Bild: AFP

          McLaren hatte festgestellt, dass unter anderem Salz verwendet worden war, um Proben zu manipulieren. Wieschemann hatte DNA-Analysen beantragt, wie es „McLaren empfohlen hatte“. Das IOC verzichtete darauf. Das forensische Gutachten des Schweizer Kriminalisten Christophe Champod beschäftigte sich mit den Spuren am Behälter mit Legkows Doping-Probe aus Sotschi. Sein Ergebnis: Die Spuren stammen von einem normalen Gebrauch der Flasche.

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