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Rudern : Funktionär war Stasi-Spitzel

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Der Vertrauensmann wird zum Politikum: Hans Sennewald (r., hier als Begleiter von Nadja Drygalla) Bild: dpa

Der Fall Drygalla und seine Folgen: Nun gerät der Chef des Landesverbands der Ruderin ins Visier der öffentlichen Wahrnehmung. Has Sennewald musste nun eine Vergangenheit als Stasi-Spitzel einräumen.

          Einer der wichtigsten Fürsprecher der Rostocker Ruderin Nadja Drygalla ist nun selbst ins öffentliche Visier geraten. Hans Sennewald, Vizepräsident ihres Vereins RC Rostock, Vorsitzender des Landesruderverbandes Mecklenburg-Vorpommern und Bronzemedaillengewinner mit dem Deutschland-Achter 1992, gab zu, sich in der DDR als Stasi-Spitzel verpflichtet zu haben. Die Tageszeitung „Die Welt“ hatte zuvor seine handschriftliche Verpflichtungserklärung gegenüber dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als Faksimile abgedruckt.

          Erst am Dienstag hatte Sennewald die Achter-Ruderin Drygalla zu einem Klärungsgespräch mit dem Deutschen Ruderverband nach Hannover begleitet. Die 23 Jahre alte Sportlerin und Trainingspartnerin seiner Tochter Ulrike war vorzeitig von den Olympischen Spielen in London heimgefahren, nachdem bekannt geworden war, dass sie mit einem - zumindest ehemaligen - Angehörigen der rechtsradikalen Szene liiert ist. Nach dem Bericht der „Welt“ wurde der 51 Jahre alte Sennewald fünf Jahre lang als Stasi-Mitarbeiter in den Akten geführt, bis 1989 habe er als Mitglied der DDR-Mannschaft über „das Verhalten der Sportreisekader“ berichtet.

          In einer von Sennewalds Rechtsanwalt Rainer Cherkeh verfassten Erklärung heißt es dazu: „Es ist sachlich zutreffend, dass unser Mandant - damals Anfang 20, frisch verheiratet, Ehefrau schwanger, internationale Erfolge im Rudersport - sich 1984 nach langem Drängen gegenüber dem MfS verpflichtet hatte.“ Der letzte tatsächliche Kontakt habe aber 1987 stattgefunden, danach habe er einen persönlichen Schlussstrich unter die Sache gezogen. „Aus heutiger Sicht unseres Mandanten“, heißt es weiter, „hätte er sich dem damaligen Druck nicht beugen dürfen. Die Wahl, auch ,nein‘ zu sagen, sah er damals aber nicht.“ Es sei Sennewald wichtig, klarzustellen: „Mit dem ,Fall Drygalla‘ hat dieser Sachverhalt rein gar nichts zu tun.“

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