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Reinhard Rauball im Gespräch „Wir dürfen von der Politik nicht ferngesteuert werden“

In der Gewalt-Debatte besteht Reinhard Rauball auf der Autonomie der Verbände. Auch deshalb sagt der Präsident der Deutschen Fußball-Liga im Interview, dass bei der Vollversammlung am 12. Dezember Beschlüsse gefasst werden müssen.

© dapd Der 65 Jahre alte Reinhard Rauball steht dem Ligaverband seit 2007 vor; zudem ist er Präsident von Borussia Dortmund

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat eine Sicherheitsgebühr von einem Euro pro Eintrittskarte gefordert - verringert eine solche Gebühr die Gewalt im Fußball?

Ich halte diesen Vorschlag nicht für zielführend. Wir haben am Montag mit zwei maßgeblichen Innenministern gesprochen, den Herren Schünemann aus Niedersachsen und Jäger aus Nordrhein-Westfalen. Neben kontroversen Punkten haben wir auch über Prävention gesprochen und dabei wieder zum Ausdruck gebracht: Der Fußball wird sich finanziell stärker engagieren, wenn Länder und Kommunen ebenfalls weiter dabei sind. Die Innenminister fordern von DFB und Liga für diesen Zweck zehn Millionen Euro pro Jahr. Wir haben signalisiert, dass wir in diese Richtung - von derzeit drei Millionen für Fan-Projekte kommend - gesprächsbereit sind. Eins aber muss man festhalten: DFL und DFB sind als Verbände in ihrer Autonomie grundgesetzlich geschützt. Diese Autonomie darf nicht aufgegeben werden, wir dürfen von der Politik nicht ferngesteuert werden. Wir müssen jedoch den schmalen Grat finden, unsere Autonomie zu wahren und trotzdem die Anforderungen zu erfüllen, die für die Aufrechterhaltung der Sicherheit in und um die Stadien erforderlich sind. Aber dass dies mit der ins Gespräch gebrachten Abgabe geschehen soll, die auch von den über 99 Prozent der Zuschauer gezahlt wird, die nicht gegen geltende Gesetze verstoßen, halte ich für falsch. Das ist auch nicht vereinbar mit der Philosophie, die hinter unserem Sicherheitskonzept steht. Wir wollen täterorientiert vorgehen - und nicht verallgemeinernd.

Sehen Sie die Autonomie der Fußballverbände durch ständige Drohungen und Forderungen aus der Politik, etwa nach einem Stehplatzverbot, als gefährdet an?

Ja. Das Thema Stehplatzverbot steht und stand für uns zu keinem Zeitpunkt zur Diskussion. Die Verbände haben sich zu jeder Zeit eindeutig zu diesem Teil der Fußballkultur bekannt, wir haben darüber nicht einmal im Ansatz nachgedacht. Aber von einigen Politikern wurde es immer wieder als Drohung in den Raum gestellt. Es hat mich traurig gemacht, dass uns daher von einigen Vertretern der organisierten Fans unterstellt wurde, dass wir mit den Innenministern einig seien, die Stehplätze abzuschaffen. Das ist eine Unterstellung, die nicht akzeptabel ist - und die Diskussion um den Erhalt der Fußballkultur unehrlicher macht.

Eintracht Frankfurt - 1. FSV Mainz 05 © dpa Vergrößern Die Fußballfans protestieren mit einer Schweige-Aktion gegen das Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“

Warum haben es DFL und DFB nicht geschafft, in der Frage des Erhalts der Stehplätze Rückendeckung von der Politik zu bekommen?

Es wird verschiedentlich gesagt: Der Fußball ist gefordert. Und weiter: Falls der Fußball nicht liefert, muss überlegt werden, was passieren muss, damit die Sicherheit gewährleistet bleibt oder stabilisiert wird. Und die Ultima Ratio, die gefordert wurde, war unter anderem die Abschaffung der Stehplätze. Dazu haben wir noch ganze andere Dinge gehört: elektronische Fußfesseln und Gesichts-Scanner. Dass auch Politiker unter Druck stehen, ist klar. Deshalb haben einige nichts ausgelassen. Sie stehen unter Rechtfertigungsbedarf, was die Polizeieinsätze angeht - und das alles wird argumentativ auf die Veranstalter von Fußballspielen abgewälzt. Auch hier wäre ein Stück mehr Sachlichkeit angebracht - weder Verharmlosung noch Dramatisierung helfen weiter.

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