Home
http://www.faz.net/-gtl-74un4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Reinhard Rauball im Gespräch „Wir dürfen von der Politik nicht ferngesteuert werden“

In der Gewalt-Debatte besteht Reinhard Rauball auf der Autonomie der Verbände. Auch deshalb sagt der Präsident der Deutschen Fußball-Liga im Interview, dass bei der Vollversammlung am 12. Dezember Beschlüsse gefasst werden müssen.

© dapd Der 65 Jahre alte Reinhard Rauball steht dem Ligaverband seit 2007 vor; zudem ist er Präsident von Borussia Dortmund

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat eine Sicherheitsgebühr von einem Euro pro Eintrittskarte gefordert - verringert eine solche Gebühr die Gewalt im Fußball?

Ich halte diesen Vorschlag nicht für zielführend. Wir haben am Montag mit zwei maßgeblichen Innenministern gesprochen, den Herren Schünemann aus Niedersachsen und Jäger aus Nordrhein-Westfalen. Neben kontroversen Punkten haben wir auch über Prävention gesprochen und dabei wieder zum Ausdruck gebracht: Der Fußball wird sich finanziell stärker engagieren, wenn Länder und Kommunen ebenfalls weiter dabei sind. Die Innenminister fordern von DFB und Liga für diesen Zweck zehn Millionen Euro pro Jahr. Wir haben signalisiert, dass wir in diese Richtung - von derzeit drei Millionen für Fan-Projekte kommend - gesprächsbereit sind. Eins aber muss man festhalten: DFL und DFB sind als Verbände in ihrer Autonomie grundgesetzlich geschützt. Diese Autonomie darf nicht aufgegeben werden, wir dürfen von der Politik nicht ferngesteuert werden. Wir müssen jedoch den schmalen Grat finden, unsere Autonomie zu wahren und trotzdem die Anforderungen zu erfüllen, die für die Aufrechterhaltung der Sicherheit in und um die Stadien erforderlich sind. Aber dass dies mit der ins Gespräch gebrachten Abgabe geschehen soll, die auch von den über 99 Prozent der Zuschauer gezahlt wird, die nicht gegen geltende Gesetze verstoßen, halte ich für falsch. Das ist auch nicht vereinbar mit der Philosophie, die hinter unserem Sicherheitskonzept steht. Wir wollen täterorientiert vorgehen - und nicht verallgemeinernd.

Sehen Sie die Autonomie der Fußballverbände durch ständige Drohungen und Forderungen aus der Politik, etwa nach einem Stehplatzverbot, als gefährdet an?

Ja. Das Thema Stehplatzverbot steht und stand für uns zu keinem Zeitpunkt zur Diskussion. Die Verbände haben sich zu jeder Zeit eindeutig zu diesem Teil der Fußballkultur bekannt, wir haben darüber nicht einmal im Ansatz nachgedacht. Aber von einigen Politikern wurde es immer wieder als Drohung in den Raum gestellt. Es hat mich traurig gemacht, dass uns daher von einigen Vertretern der organisierten Fans unterstellt wurde, dass wir mit den Innenministern einig seien, die Stehplätze abzuschaffen. Das ist eine Unterstellung, die nicht akzeptabel ist - und die Diskussion um den Erhalt der Fußballkultur unehrlicher macht.

Eintracht Frankfurt - 1. FSV Mainz 05 © dpa Vergrößern Die Fußballfans protestieren mit einer Schweige-Aktion gegen das Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“

Warum haben es DFL und DFB nicht geschafft, in der Frage des Erhalts der Stehplätze Rückendeckung von der Politik zu bekommen?

Es wird verschiedentlich gesagt: Der Fußball ist gefordert. Und weiter: Falls der Fußball nicht liefert, muss überlegt werden, was passieren muss, damit die Sicherheit gewährleistet bleibt oder stabilisiert wird. Und die Ultima Ratio, die gefordert wurde, war unter anderem die Abschaffung der Stehplätze. Dazu haben wir noch ganze andere Dinge gehört: elektronische Fußfesseln und Gesichts-Scanner. Dass auch Politiker unter Druck stehen, ist klar. Deshalb haben einige nichts ausgelassen. Sie stehen unter Rechtfertigungsbedarf, was die Polizeieinsätze angeht - und das alles wird argumentativ auf die Veranstalter von Fußballspielen abgewälzt. Auch hier wäre ein Stück mehr Sachlichkeit angebracht - weder Verharmlosung noch Dramatisierung helfen weiter.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nachfolge von Platini Stühlerücken im deutschen Fußball

Weil Michel Platini Fifa-Präsident werden will, gilt DFB-Chef Niersbach als Kandidat für den Uefa-Thron. So kommt Bewegung in das Spiel um die Macht der Funktionäre. Mehr Von Michael Ashelm

30.07.2015, 07:39 Uhr | Sport
Fifa-Skandal Diskussionen um Blatter halten an

Nach dem Skandal in der Fifa und der Wiederwahl von Sepp Blatter haben sich viele einen Wechsel an der Spitze des Fußballweltverbandes gewünscht. Auch der Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft wird in einigen Verbänden diskutiert. Mehr

01.06.2015, 13:24 Uhr | Sport
F.A.Z.-Forum Ist der deutsche Fußball wettbewerbsfähig?

Am Freitag sprechen hochkarätige Experten wie DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und DFL-Chef Christian Seifert bei der Fußball-Konferenz des F.A.Z.-Forums. Womöglich wird dann auch schon die Frage nach dem deutschen Meister 2025 beantwortet. Mehr

30.07.2015, 12:53 Uhr | Sport
Gegen Rassismus Innenminister de Maiziére lobt BVB für Kampf gegen Rechtsextremismus

Bis die Fußballfans in Dortmund ihrer Mannschaft wieder bei einem Bundesligaspiel im eigenen Stadion zujubeln können, wird es noch ein wenig dauern. Dafür ging es im Inneren des Fußball-Tempels um ein politisches Thema. Borussia Dortmund hatte zu einem Anti-Rassismus-Workshop geladen. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maiziere war vor Ort. Mehr

14.07.2015, 16:20 Uhr | Politik
Griechenland Ausländer kommen praktisch an keine Insel

Können Privatleute in Griechenland jetzt eigentlich billig eine Insel kaufen, wie es manchmal heißt? Thiemo Heeg hat mit einem Inselmakler gesprochen. Der hat selbst sechs griechische Inseln im Angebot, rät aber anderswo zum Kauf. Mehr Von Thiemo Heeg

02.08.2015, 17:39 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 05.12.2012, 19:35 Uhr

Die Fifa? Nullkommanull!

Von Christoph Becker

Frauen, Musik, Schuhe: Cristiano Ronaldo interessiert sich für viel – für die Vorgänge bei der Fifa und in Qatar allerdings nicht. Die Kabine von Real Madrid ist tatsächlich eine Ansammlung eitler Ich-AGs. Das ist traurig. Mehr 0