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Radsportidol wird 80 Mehr Täve als Gustav

 ·  Ein Radsportidol wird 80: Der DDR-Held Gustav „Täve“ Schur spaltet aber noch immer die Radsportfans.

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Täve Schur gibt es mehrmals. Wer ihn persönlich trifft, begegnet einem charmanten Herrn, der selbstbewusst und nicht ohne Selbstironie Radrennen memorieren kann, nicht nur die, die er selbst gewonnen hat - und das sind einige. Etwa die Weltmeisterschaften 1958 und 1959 sowie die Friedensfahrten 1955 und 1959. Auch deshalb wurde er neun Mal zum „Sportler des Jahres“ in der DDR gewählt und, als es mit dem Staat zu Ende ging, obendrein zum beliebtesten aller Sportler der DDR. Einen Großteil seines Ruhmes begründet ein verlorenes Rennen: die Weltmeisterschaft 1960 auf dem Sachsenring. Ihn, den Titelverteidiger, nahm ein belgischer Konkurrent in Manndeckung, deshalb ließ Schur seinen Mannschaftskameraden Bernhard Eckstein attackieren. Dieser wurde Weltmeister. Gustav-Adolf Schur aber wurde zum Helden, zu „unserem Täve“. Im Westen macht man sich keinen Begriff von der Begeisterung, die sein Erscheinen bei erwachsenen Frauen und Männern mit DDR-Sozialisation bis heute auslöst.

1961 beschrieb Uwe Johnson die von der sozialistischen Propaganda bestimmte Sportlerbiographie, das fabrizierte Leben des politisch eingespannten Stars in dem Roman „Das dritte Buch über Achim“. „Das Buch“, heißt es darin, „sollte enden mit der Wahl Achims in das Parlament des Landes, das war die Zusammenarbeit von Sport und Macht der Gesellschaft in einer Person (. . .); auf dieses Ende zu sollte der Anfang laufen und sein Ziel schon wissen.“ 1959 war Schur für die herrschende Sozialistische Einheitspartei in die Volkskammer der DDR eingezogen. Er blieb bis 1990, verteidigte unverdrossen Mauerbau und staatliche Bevormundung; und acht Jahre, nachdem Deutschland vereint war, wurde er über die Landesliste Sachsen der PDS in den Bundestag gewählt. Man mag loben, dass er sich treu geblieben ist. Man kann sich aber auch darüber wundern, dass er nichts dazugelernt hat.

In freier Rede schwungvoll, beim Vorlesen stockend

Bereitwillig tritt die Person hinter die Kunstfigur Täve zurück. Bei der Vorstellung seiner zum wiederholten Male recycelten „Autobiographie“ vergangene Woche im Redaktionsgebäude des „Neuen Deutschland“ in Berlin kurvte Schur auf dem Rennrad in den vollen Saal, wickelte in freier Rede das Publikum um den Finger und mühte sich dann mit einigen Kapiteln des Buches. Dann nahm ihm derjenige, der schon das Schreiben übernommen hatte, auch das Vorlesen ab: Klaus Huhn, als Sportchef des „Neuen Deutschland“ einst Chefideologe des DDR-Sportjournalismus und heute als Verleger und Autor mit Büchern vom Schlage „Flachzangen aus dem Westen“ und „Der Kollaborateur aus dem Osten“ erfolgreich.

Von den Veteranen des DDR-Sports, die im Verein „Sport und Gesellschaft“ zusammengefunden haben, hat Schur in der vergangenen Woche freudig die Werner-Seelenbinder-Ehrenmedaille für seine Verdienste um die antifaschistische Sportbewegung in der DDR entgegen genommen - ganz der Alte. An diesem Mittwoch wird er achtzig Jahre alt.

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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